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Nur fünf Firmen bekommen die St.Galler Glasfasern in die Finger

48628 Haushalte und Unternehmen in der Stadt haben einen Anschluss ans Glasfasernetz. Nur fünf Firmen durften Kabel verlegen. Gibt es in der Stadt ein Glasfaser-Kartell?
Daniel Wirth
Das Verlegen von Glasfaserkabeln ist handwerklich anspruchsvoll. (Bild: Carlo Reguzzi/Keystone)

Das Verlegen von Glasfaserkabeln ist handwerklich anspruchsvoll.
(Bild: Carlo Reguzzi/Keystone)

Am Pfingstmontag konnte eine Mieterin in einem Haus in der St.Galler Altstadt auf einmal weder telefonieren, fernsehen noch im Internet surfen. Gemäss dem Hausbesitzer war ein defektes Glasfaserkabel der Grund dafür, dass die Mieterin unfreiwillig mehrere Wochen offline war. Der Hausbesitzer wollte eine Elektroinstallationsfirma seiner Wahl mit der Behebung des Schadens beauftragen. Das dürfe er nicht, beschied ihm ein Mitarbeiter der St. Galler Stadtwerke am Telefon. Lediglich fünf Firmen sei es in der Stadt erlaubt, Glasfaserkabel zu verlegen oder zu reparieren, hiess es bei den Stadtwerken (SGSW): Etavis, Huber+Monsch AG, Elektro Schmid AG, Elektro Binder und Baumann Electro AG. Gibt es in der Stadt ein Glasfaser-Kartell?

Thomas Baumann, Geschäftsführer der Baumann Electro AG, sagt, von einem Kartell könne überhaupt nicht die Rede sein. Die Stadtwerke hätten die Arbeiten für das so genannte Rollout des Glasfasernetzes Anfang der 2010er-Jahre gemäss dem Submissionsgesetz ausgeschrieben. Die Ausschreibung sei fair verlaufen. Dass Mitbewerber, die seinerzeit bei den SGSW nicht in die Kränze gekommen seien, heute noch über ein Glasfaser-Monopol klagten, sei ihm auch schon zu Ohren gekommen. Baumann bringt sogar Verständnis dafür auf. Seine Firma bekam den Zuschlag auch erst, nachdem das Rollout mit vier Firmen begonnen hatte und das Ganze den SGSW anfänglich zu langsam ging.


Zehn Jahre nach der Abstimmung fertig

Volksentscheid  2008 stellte der St. Galler Stadtrat Fredy Brunner einer Handvoll Medienschaffender ein Projekt mit dem sperrigen Titel «Fiber to the home» vor. Es dauerte eine Weile, bis man realisierte, dass hier ein Pionierprojekt in Angriff genommen wurde: die Ablösung des guten alten Kupferkabels durch ein ultraschnelles Lichtnetz.

Die Stadtsanktgaller stimmten am 8. Februar 2009 mit über 80 Prozent Ja-Anteil einem Kredit über 78 Millionen Franken für den Bau eines städtischen Glasfasernetzes zu. Damit gab es einen Volksauftrag – aber die Frage blieb: Was macht die Swisscom? Der Bau zweier Netze und damit Verhältnisse wie bei den Mobiltelefon-Antennen wäre ein volkswirtschaftlicher Unsinn, das leuchtete allen ein. Also wurde verhandelt. Swisscom stoppte die Anwerbung von Kunden, und die Türen zu den Verhandlungstischen waren geschlossen. Dann, am 1. September 2009 die frohe Botschaft: der damalige Swisscom-Chef Carsten Schloter und Stadtrat Fredy Brunner verkündigten, dass man sich geeinigt habe. Details zum Vertrag, insbesondere finanzielle Beträge, wollte man nicht bekannt geben. Klar war aber: Die Swisscom baut nicht, die Stadt baut.

2010 wurden die ersten Teilgebiete in der Stadt erschlossen. Fünf Jahre später waren 33000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten mit Glasfaser erschlossen. Auf dem St. Galler Glasfasernetz boten 2015 zehn Dienstanbieter Internet-, TV- und Telefonielösungen an. Im Februar dieses Jahres wurde der reguläre Ausbau des Glasfasernetzes in der Stadt St. Gallen abgeschlossen. Exakt 48628 Haushalte und Unternehmen verfügen über einen Anschluss. Bis Ende Jahr kommen noch vereinzelte Liegenschaften dazu, die während der regulären Ausbauphase nicht berücksichtigt werden konnten.
Das Glasfasernetz steht allen Service-Providern diskriminierungsfrei zur Verfügung. Die St. Galler Stadtwerke kümmern sich um den Bau und den Unterhalt der Infrastruktur, bieten selbst aber keine Telekommunikations- oder Multimedia-Dienste für Privatkunden auf dem St. Galler Glasfasernetz an. (kl/dwi)

SGSW stellten hohe Anforderungen an die Firmen

Zurück zum Fall in der Altstadt: Den Hausbesitzer ärgerte, dass ihm der Mitarbeiter der Stadtwerke sagte, das Glasfaserkabel sei bei Umbauarbeiten beschädigt worden. Das liess er nicht auf sich sitzen. Schliesslich beauftragten die SGSW die Firma, die das Kabel seinerzeit verlegt hatte, mit der Reparatur desselben. Dem Hausbesitzer wurde mitgeteilt, ihn würden die Arbeiten nichts kosten. Er war einigermassen zufrieden, wie er dem «Tagblatt» sagt.

Peter Stäger ist Mitglied der Geschäftsleitung der St.Galler Stadtwerke. Er verantwortet die Netze für die Elektrizität und die Telekommunikation. Stäger sagt, das Rollout des Glasfasernetzes sei so gut wie abgeschlossen. Es sei sinnvoll gewesen, das Anschliessen der Wohnungen und Firmen an lediglich fünf ausgewählte Elektrotechnikfirmen zu vergeben. Die Anforderungen an diese Firmen seien hoch gewesen, sagt Stäger. Thomas Baumann pflichtet ihm bei. Das Verlegen eines Glasfaserkabels sei elektrotechnisch zwar keine Hexerei, aber handwerklich anspruchsvoll.

Mit Spezialwerkzeug ausgerüstet

Die Glasfaser-Equipen – die Baumann Electro AG schickte Zweierteams los – mussten ausgebildet und mit relativ teurem Spezialwerkzeug und kostspielen Messgeräten ausgestattet werden. Baumann spricht von Investitionskosten von rund 20 000 Franken pro Team. Die Messgeräte hätten zudem einmal im Jahr auf eigene Kosten kalibriert werden müssen. Die St. Galler Stadtwerke haben die gegen 50 000 Anschlüsse, von denen heute gemäss Stäger rund die Hälfte aufgeschaltet ist, allesamt abgenommen. Thomas Baumann spricht von einem grossen administrativen Aufwand.

«Wir mussten sämtliche Installationen fotografisch dokumentieren und Messungen durchführen.»

Den Vorwurf, es gebe in St.Gallen unter den Elektroinstallateuren ein Glasfaser-Kartell, lässt Stäger nicht gelten. «Die Arbeiten für das Rollout wurden korrekt ausgeschrieben», sagt er. Dass nicht jeder Betrieb Glasfaserkabel verlegen durfte, habe auch mit der Garantie zu tun gehabt, sagt Stäger. Gemäss seinen Angaben waren die SGSW bei Reparaturarbeiten «kulant». Er bezeichnet den Fall des Hausbesitzers in der Altstadt als «einen Einzelfall». In der Regel habe man sich bei einer Störung gefunden – sprich: die Kosten übernommen. Dass die Stadtwerke ihre fünf Glasfaser-Partner beim Preis gedrückt und dadurch unsorgfältige Arbeit gefördert habe, lässt Stäger nicht gelten. Auch Thomas Baumann spricht von einer «fairen Zusammenarbeit».

Stadtwerke schreiben neuen Auftrag öffentlich aus

Dem Hauseigentümerverband (HEV) der Stadt St.Gallen sind in Zusammenhang mit dem Rollout des Glasfasernetzes keine Reklamationen bekannt, wie Geschäftsführer Remo Daguati auf Anfrage sagt. Ins gleiche Horn stösst auch Andreas Pfister, Geschäftsführer der Max Pfister Baubüro AG, die in der Stadt St.Gallen rund 1000 Wohnungen vermietet. «Wir haben in sämtlichen Wohnungen Anschlüsse ans Glasfasernetz», sagt Pfister. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtwerken und denen von ihnen beauftragten «Stromern» sei ausnahmslos gut gewesen, sagt er. Wie viele Mieterinnen und Mieter die schnellen Leitungen nutzen, weiss Pfister nicht, wie er sagt. Ein Vertrag mit einem Provider sei einzig und allein Sache der Mieterschaft.

Das Rollout ist jetzt abgeschlossen. Alle Elektroinstallationsfirmen, welche die personellen und technischen Voraussetzungen der SGSW erfüllen, dürfen zukünftig Glasfaserarbeiten durchführen. Deshalb schreiben gemäss Peter Stäger die Stadtwerke demnächst diese Glasfaser-Arbeiten neu aus. Dabei geht es um den Anschluss von Neubauten und den Unterhalt des Netzes ab dem 1. Januar 2020.

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