Die Zeichner der Kinderträume: Ehepaar aus Rorschach illustriert Bilderbücher

«Lilly, die reiselustige Kuh» heisst das neue Bilderbuch, das die Rorschacher Illustratoren Silvia und Willi Spirig lang gezeichnet haben.

Lisa Wickart
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Die Rorschacher Illustratoren Silvia und willi Spirig mit ihrem neuen Kinderbuch.

Die Rorschacher Illustratoren Silvia und willi Spirig mit ihrem neuen Kinderbuch.

Bild: Lisa Wickart

«Bereits als Kind wollte ich Illustratorin für Bilderbücher werden», sagt Silvia Spirig. Dass sich ihr Traum erst Jahrzehnte später erfüllt, hätte die heute 62-Jährige nicht erwartet. Ihrem Ehemann Willi geht es ähnlich. «Die Illustration ist eine alte Liebe», stimmt der 72-Jährige seiner Frau zu. Jahrelang waren die Rorschacher als Grafiker in ihrer eigenen Werbeagentur tätig. Damals zählten Firmen wie Nestlé und Buitoni zu ihren Kunden.

Doch vor rund sieben Jahren fassten die Spirigs den Entschluss, aus der Branche auszusteigen. Die Konkurrenz der jüngeren Werber sei immer grösser geworden: «Wir haben gemerkt, dass unsere Zeit in der Werbung abgelaufen ist», sagt Willi Spirig. Das Paar machte aus der Not eine Tugend und sie entschieden sich, ihre grosse Leidenschaft, die Illustration, zu ihrem Beruf zu machen.

Lockdown stellt ihren Plan auf den Kopf

Mittlerweile haben die Spirigs an zahlreichen Bilderbüchern mitgearbeitet. Besonders stolz sind sie auf ihr neustes Werk «Lilly, die reiselustige Kuh». Im kürzlich erschienenen Buch des Autors Beat Jossen geht es darum, dass sich die Kuh Lilly auf eine Reise durch die Schweiz begibt und dabei viele verschiedene Sehenswürdigkeiten entdeckt. Willi Spirig sagt:

«Als wir die Geschichte zum ersten Mal gelesen haben, waren wir begeistert.»

Sofort seien in ihren Köpfen Bilder zur Geschichte aufgetaucht.

Ursprünglich sei geplant gewesen, dass das Kinderbuch auf Englisch sei und sich an ausländische Touristinnen und Touristen richte. Doch dann kam der Lockdown – und mit ihm der Reisestopp. «Der Autor musste die Geschichte plötzlich umschreiben», erinnert sich Willi Spirig. Die typischen Reiseziele wurden gestrichen und gegen weniger bekannte ausgetauscht. «Die Klassiker wie der Rheinfall oder der Säntis haben es jedoch trotzdem ins Buch geschafft», so Spirig. Aus der Geschichte um die Kuh Lilly sei nun ein Bilderbuch für Schweizerinnen und Schweizer über die Schweiz entstanden.

Er zeichnet und sie koloriert die Bilder

Das Ehepaar gestaltet nicht nur Bücher, sondern zeichnet auch Illustrationen aller Art für Unternehmungen. Dazu gehören Plakate, Logos oder Produkte, die noch gar nicht existieren. «Wir zeichnen, was man nicht oder noch nicht fotografieren kann», sagt Silvia Spirig. Das könne eine Illustration über die Produktion von Brot sein oder die eines geplanten Freizeitparks. Meist seien es im Vergleich zu den Büchern weniger aufwendige Arbeiten: «Am meisten Zeit verbringen wir mit Abstand mit den Bilderbüchern», sagt Spirig. Pro Buch arbeiten die beiden mehrere Wochen bis Monate. Für «Lilly, die reiselustige Kuh» zeichneten sie über zwei Monate lang.

Silvia und Willi Spirig sind ein eingespieltes Team. Silvia Spirig sagt:

«Wir ticken sehr ähnlich.»

Während ihr Mann die Linien zeichnet und Comicfiguren und Fabelwesen aufs Papier bringt, koloriert sie die Bilder. «Ich staune manchmal, wie es ihr gelingt, in meine schwarzen Linien Leben hineinzubringen», sagt Willi Spirig. Jahrelang haben die beiden zu zweit an Bilderbüchern gearbeitet. Mittlerweile hätten sie auch eigene Projekte, je nachdem, welches Buch besser zu ihrem oder seinem Zeichnungsstil passe.

Für die Spirigs ist ihre Wohnung nicht nur der Ort, wo sie leben, sondern auch ihr Arbeitsplatz. Beide haben je ein eigenes Atelier mit Computer und Tablet. Die beiden zeichnen schon lange nicht mehr auf Papier, sondern nur noch digital. Als Selbstständige im Homeoffice müssten sie sich die Zeit gut einteilen, um sich nicht zu überschätzen. «Manchmal braucht es das auch, dass wir an einem Wochenende arbeiten», sagt Silvia Spirig.

Obwohl die beiden bereits mehrfache Grosseltern sind, denken sie noch lange nicht ans Aufhören. «Ich will meiner Frau nicht den Willi zumuten, der nichts mehr zu tun hat», sagt Spirig und lacht. Bis zum letzten Atemzug, so lange wolle er noch in seinem Atelier am Tablet sitzen können.


Das Buch ist nur in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich, allerdings nicht im Kanton St.Gallen. Online ist es unter www.lillycow.ch bestellbar.