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Yvonne Hinder über ihre Zeit beim Friedegg-Treff Gossau: «Mir ging es darum, Menschen Zeit zu schenken, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen»

Yvonne Hinder ist nach vier Jahren als Leiterin des Friedegg-Treffs zurückgetreten. Herausfordernd war für sie vor allem die Zeit, als zahlreiche neue Flüchtlinge nach Gossau kamen.
Interview: Nina Rudnicki
Der Prix Benevol war für Yvonne Hinder eine Bestätigung. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo (13. März 2019))

Der Prix Benevol war für Yvonne Hinder eine Bestätigung. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo (13. März 2019))

Vier Jahre haben Sie den Friedegg-Treff geleitet. Woran erinnern Sie sich besonders gern?

Yvonne Hinder: Da fällt mir mein erstes Jahr als Leiterin des Friedegg-Treffs ein. Ich war gerade einmal ein halbes Jahr im Amt, als im Herbst 2015 die Flüchtlingswelle die Schweiz erreichte. Im Friedegg-Treff spürten wir das schlagartig: Die Besucherzahlen explodierten. Viele der Flüchtlinge erfuhren über das Sozialamt der Stadt Gossau von unserem Angebot. Gleichzeitig meldeten sich viele Personen bei uns, die ehrenamtlich mithelfen wollten.

Das klingt nach Aufbruchstimmung. Welche Angebote, die damals geschaffen wurden, gibt es noch immer?

Wir organisierten damals als erstes Deutschkurse. Etwas später führten wir Klassen ausschliesslich für Frauen ein, da in einigen Kulturen die Frauen niemals einen Kurs gemeinsam mit Männern besuchen würden. Beide Angebote sind noch immer gut besucht, wobei der gemischte Deutschkurs aus Platzgründen mittlerweile ins Andreaszentrum verlegt wurde und die Stadt Gossau vielen Flüchtlingen Kurse in St.Gallen ermöglicht. Auch unseren Second-Hand-Shop und die Lebensmittelabgabe nutzten auf einmal viel mehr Personen. Aber diese Angebote gab es schon vor der Flüchtlingswelle.

Wie kamen Sie damals eigentlich mit dem plötzlichen Mehraufwand klar?

Das war in der Tat eine Herausforderung. Norbert Hälg organisierte die Flüchtlingsbetreuung, die wir mit den Sozialen Diensten der Stadt koordinieren mussten, damit eine gewisse Ordnung herrschte. In diversen Sitzungen ging es um gemeinsame Strategien in der Flüchtlingsthematik. Das war und ist immer noch ein Lernen für alle Beteiligten.

Aktuell stehen beim Friedegg-Treff einige Neuerungen an: Es gibt einen neuen Präsidenten und neue Vereinsstrukturen. War das der Grund für Sie, zu gehen?

Mit der Neuorganisation gibt es meine bisherige Stelle nicht mehr in derselben Form wie früher. Ich war als Leiterin sowohl für das Haus als auch für die Büroarbeiten und die Kommunikation zuständig. Diese beiden Bereiche sind nun auf zwei Personen aufgeteilt. Ich habe die letzten vier Jahre sehr viel Zeit in den Friedegg-Treff investiert, aber ich habe das sehr gerne gemacht. Man sollte aber immer im Leben offen sein für neue Wege. Ich wünsche dem Friedegg-Treff weiterhin gute Wege.

Wie wurden Sie eigentlich Leiterin des Friedegg-Treffs?

Nach meiner Pensionierung als Musiklehrerin dachte ich, ich frag jetzt einfach einmal beim Friedegg-Treff, ob sie noch Helfer brauchen. Mir ging es darum, Zeit sinnstiftend Menschen zu schenken, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Ich wurde auch gleich eingesetzt. Die damaligen Leiter gaben ihren Rücktritt bekannt und ich wurde angefragt, ob ich die Leitung übernehmen würde. Nach einer Bedenkzeit sagte ich zu, mit dem Einverständnis des Vorstands, Vroni Wenk als Co-Leiterin an meiner Seite zu wissen.

Höhepunkte dürften für Sie auch die Auszeichnungen der Stadt und des Kantons St.Gallen mit dem Prix Benevol gewesen sein?

Ja, das hat uns im Weitermachen bestärkt und war eine Anerkennung für alle freiwillig Mitarbeitenden. Finanziell werden wir auch von den beiden Kirchgemeinden unterstützt, von Spendern und manchmal von unerwarteter Seite. Vor zwei Jahren hat uns etwa Ikea neue Möbel für die Gaststube und das Kinderspielzimmer gespendet. Ein anderes Mal war es die Acrevis Bank, die uns mit einem Beitrag überrascht hat. Wir haben immer viel Zeit in die Öffentlichkeitsarbeit investiert und darauf geachtet, regelmässig in den Medien zu sein. Auf diese Weise sind wir bekannt geworden und werden heute so breit unterstützt.

Für alle offen

Der Friedegg-Treff wurde 2012 gegründet. Der Treff führt eine Gaststube und die Lebensmittelabgabe des Teams Transfair. Hinzu kommt ein Mittagstisch für Alleinstehende und alle Friedegg-Gäste. Im Dachgeschoss befindet sich ein Secondhand-Shop, in dem saisonale Kleidung günstig gekauft werden kann. Organisiert ist der Friedegg-Treff als Verein. Nach einer Umstrukturierung übernimmt Präsident Stefan Häseli die Leitung, das Ressort «Haus» Fabia Aepli, Christa Koller ist für das Ressort «Flüchtlingshilfe» zuständig und Norbert Hälg verbleibt im Ressort «Transfair». Im Friedegg-Treff engagieren sich über 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. (nar)

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