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Die Wellenbrecherin: Sie hilft den Lehrern bei der Informatik

Das Modul «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 stellt viele Schulen vor Herausforderungen. In Wittenbach unterstützt Bettina Wagner künftig 100 Lehrpersonen im Umgang mit der «Riesenwelle».
Corinne Allenspach
Bettina Wagner testet eine elektronische Wandtafel, die bald in allen Schulzimmern installiert wird. Auf der Rückseite des Whiteboards findet sich eine Schiefertafel – wie in guten alten Zeiten. (Bild: Thomas Hary)

Bettina Wagner testet eine elektronische Wandtafel, die bald in allen Schulzimmern installiert wird. Auf der Rückseite des Whiteboards findet sich eine Schiefertafel – wie in guten alten Zeiten. (Bild: Thomas Hary)

Wenn Schulratspräsidentin Ruth Keller sagt: «Bettina ist für uns ein Glücksfall», wird im persönlichen Gespräch rasch klar, was sie meint. Die 30-jährige Bettina Wagner, Primarlehrerin und ab Februar 2019 erste Medienpädagogin der Primarschule Wittenbach, sprüht nur so vor Energie und ihre Begeisterung ist regelrecht ansteckend.

Dabei ist ihre Aufgabe keine einfache: Sie muss die 100 Lehrpersonen vom Kindergarten bis zur 6. Klasse fit machen im Umgang mit Informatik und neuen Medien im Schulzimmer. Wobei es den Wittenbachern geht wie den meisten Lehrern im Kanton: Die wenigsten sind «Digital Natives» und sie hatten in ihrer Ausbildung nie Informatikunterricht. Bettina Wagner weiss denn auch: «Es ist nicht damit getan, einfach Laptops, iPads und elektronische Wandtafeln ins Schulzimmer zu stellen. Es braucht jemanden, der den Lehrpersonen zeigt, was man damit machen kann.»

Im Herzen bleibt sie Lehrerin

Das sieht auch die Schulratspräsidentin so: «Niemand ist ein solcher Zehnkämpfer wie Primarlehrer.» Dass diese jetzt auch noch Informatik können müssen, um das Modul «Medien und Informatik» des neuen Lehrplans 21 umzusetzen, könne man nicht verlangen. «Man kann den Lehrpersonen nicht immer noch mehr aufbürden. Man muss ihnen Ressourcen zur Verfügung stellen.»

Bettina Wagner, die derzeit eine 5. Klasse im Schulhaus Steig führt, wird ab Februar 70 Prozent als Medienpädagogin arbeiten. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Lehrpersonen nicht nur technisch, sondern auch pädagogisch zu unterstützen. Sie organisiert Workshops, gibt Inputs an Teamsitzungen, stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, geht in die Klassen und ist Ansprechperson für Informatikfragen. Bereits hat Wagner erste Schulungen durchgeführt und sie hat gemerkt: «Vor dem Kurs hatten viele Lehrpersonen Angst vor dem, was auf sie zukommt.» Umso mehr freut sie sich jetzt über das «extrem positive Echo». Die schönste Rückmeldung habe eine Lehrerin gemacht, die anfangs grosse Bedenken gehabt habe. «Sie sagte, das sei der beste Kurs gewesen, den sie je besucht habe.» Bettina Wagner ist froh über so viel Unterstützung. Das habe sicher auch damit zu tun, dass sie als Primarlehrerin «aus den eigenen Reihen» komme. «Man spricht die gleiche Sprache, das macht es einfacher.»

Als sie vor viereinhalb Jahren in Wittenbach angefangen hat, hätte sie nie gedacht, schon bald als Medienpädagogin zu arbeiten. «Im Herzen bin ich immer noch Lehrerin, nicht Informatikerin», räumt die Teufnerin ein, die ursprünglich Detailhandelsfachfrau in einem Reitsportgeschäft gelernt hat. Das kommt nicht von ungefähr, gilt ihre grosse Leidenschaft doch den Pferden. Die ganze Familie Wagner ist aktiv im Gespannfahren. Zusammen mit ihrem Vater holte Tochter Bettina im Vierergespann in den vergangenen 18 Jahren mehrere Titel. In Kürze wird sie einen mehrfachen Weltmeister mit seinem Vierspänner an ein Weltcup-Turnier nach London begleiten. Und ab nächstem Jahr wird sie mit ihrem eigenen Zweispänner an den Start gehen.

Ruth Keller kritisiert Kanton

In die Arbeitsgruppe Informatik in der Steig rutschte sie mehr zufällig hinein – weil sie jung ist. Bei einer Weiterbildung zur Medienmentorin war das Feuer aber definitiv entfacht, später absolvierte Wagner den ganzen CAS-Lehrgang. «Je mehr ich mich mit der Materie befasst habe, desto mehr habe ich gemerkt, da kommt eine Riesenwelle auf die Schule zu, die die Lehrpersonen nicht selber bewältigen können», sagt sie.

Dies betonte vergangene Woche auch der emeritierte HSG-Professor Rolf Dubs in einem Gastbeitrag im «Tagblatt». Sein klares Bekenntnis dafür, Weiterbildungen für Lehrpersonen allein genügten nicht, stattdessen müsse jede Schule neue Stellen schaffen zur Umsetzung des Moduls «Medien und Informatik» hätte früher kommen müssen, sagt Ruth Keller: «Rolf Dubs spricht mir aus der Seele.» Der Kanton hingegen gebe nur Empfehlungen ab, schaffe aber keine Rahmenbedingungen. Die Folge: «Jede Schule muss das Rad neu erfinden und sich selber organisieren. So gehen viele Ressourcen verloren.» Dabei sei es eine Tatsache, dass informatiktechnisch bis zu 20 Jahre Unterschied bestehe zwischen einzelnen Schulen. Die einen seien diesbezüglich noch in der Steinzeit, andere schon top ausgerüstet. Ruth Keller: «Wo bleibt da die Chancengleichheit für die Kinder?»

Der pädagogische Mehrwert zählt

In der Primarschule Wittenbach ist die Steinzeit definitiv vorbei. Vergangene Woche erhielten alle Lehrpersonen neue Laptops und neue Drucker, zudem wurden iPads und Laptops für Schüler geliefert und flächendeckendes WLAN installiert. Elektronische Wandtafeln für jedes Schulzimmer folgen Anfang 2019. Trotz der modernen Technik will Bettina Wagner ihrem Leitfaden treu bleiben: «Gute analoge Dinge sollen nicht durch Digitales ersetzt werden.» Vielmehr gelte es, die Informatik so einzusetzen, dass sie aus pädagogischer Sicht einen Mehrwert schaffe.

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