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Der Rebberg auf dem Dach – «Aus den Trauben machen wir Schorle»

Die St.Galler Abfallentsorgung hat einen grünen Daumen. An der Offa zeigt sie, wie auf dem Dach des Kehrichtheizkraftwerks Rebstöcke und Magerwiesen gedeihen und wie Urban Gardening funktioniert.
Sandro Büchler
In der Halle 2.0 zeigen die Entsorgungsdienste der Stadt St.Gallen das Gärtnern auf dem Dach. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

In der Halle 2.0 zeigen die Entsorgungsdienste der Stadt St.Gallen das Gärtnern auf dem Dach. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

«Wir sind schon fast zu Weinbauern geworden», sagt Marco Sonderegger. Er ist Unternehmensleiter von Entsorgung St.Gallen und schenkt süssliche Traubenschorle ein. Diese kommt vom Dach des Kehrichtheizkraftwerks im Sittertobel. Denn seit einem Jahr bauen Sonderegger und sechs seiner Mitarbeiter auf dem Dach Reben an. «156 Rebstöcke wachsen dort.» Rund um die Weinranken gedeihen Magerwiesen und Orchideenfelder. Das ganze Flachdach sei so zu einer Ökofläche geworden. Noch bis Sonntag zeigt die Entsorgung St.Gallen an der Offa, wie Urban Farming, also Gärtnern im städtischen Gebiet, funktioniert.

Das Weinbauprojekt habe bei seinem Team Begeisterung geweckt, sagt der Unternehmensleiter. «Es braucht Herzblut, dass so etwas wachsen kann.» Er bezieht sich damit nicht auf die Rebstöcke, sondern meint die Motivation der Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit freiwillig um den Garten auf dem Dach kümmern.

«Das wurde für sie zu einem schönen Hobby.»

Die Gärtner sprechen sich in einem Whatsapp-Chat namens «Rebteam» untereinander ab. Sie schauen zu den Pflanzen, binden beispielsweise Ranken mit Draht fest. «Einige haben richtig Talent dafür.»

Das Vorbild kommt aus New York

ner Kindheit mit dem Weinbau verbunden. «Ich bin neben einem Rebberg im Rheintal aufgewachsen. Seit jeher habe ich einen Draht zur Natur», erwähnt Sonderegger. Den grünen Daumen lässt er auch in seinen Job einfliessen. So seien bei der Entsorgung von Abfällen Umweltaspekte stets ein Thema. Das sei heute unabdingbar. «Abfall gehört zu unserem Leben.» Beim Baubeginn des Heizkraftwerks vor sechs Jahren habe man auch über das Flachdach gesprochen. «Aber wegen der Anordnung der Oblicher mussten wir die Idee von Fotovoltaik verwerfen.» Sonderegger kannte das Konzept von Urban Farming bereits. Zeitgleich stiess eine Mitarbeiterin auf eine TV-Dokumentation. «Da sahen wir, dass Wein in Trögen auf New Yorker Hochhäusern gepflanzt werden kann.»

Die Tröge mit den Rebstöcken in der Olma-Halle 2.0. (Bild: Sandro Büchler)

Die Tröge mit den Rebstöcken in der Olma-Halle 2.0. (Bild: Sandro Büchler)

Die Idee gefiel ihm. Bis aber die Rebstöcke im Sittertobel gesetzt werden konnten, gab es verschiedene Fragen zu klären. «In St.Gallen fällt zu viel Regen für den Weinbau.» Deshalb musste eine Entwässerung für die Tröge mit den Reben gefunden werden. «Das überschüssige Wasser durfte auch nicht in die Magerwiese fliessen.» Denn die Wiese wäre dadurch aus dem Gleichgewicht geraten. Unterstützung erhielten sie vom kantonalen Rebbaumeister und Weinbau-Experten.

Erfahrungen aus dem Hitzesommer gesammelt

Im Nachhinein sei er sehr froh um die installierte Bewässerung auf dem Dach. «Ohne das System hätten die Rebkulturen den vergangenen Hitzesommer nicht überlebt.» Besonders zu schaffen machten den Gärtnern aber die vielen Wespen. «Als sie die Trauben zu fressen begannen, mussten wir schnell reagieren und sie ablesen.» In diesem Jahr sollen Netze die Weinbeeren schützen. Ökoflächen auf Dächern liessen sich einfach verwirklichen, sagt Sonderegger. Einzig die Statik müsse geprüft werden.

«Danach braucht die Magerwiese keine Betreuung.»

Der Traubenanbau jedoch nehme mehr Zeit und Engagement in Anspruch. Es sei aber in jedem Fall ein Gewinn, wenn die Vegetation im urbanen Raum Platz finde.

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