Mit dem Dudelsack durch Häggenschwil

Einmal pro Woche proben die United-Maniacs unter freiem Himmel in Häggenschwil. Ohne die Toleranz der Bewohner wäre das für die laute Dudelsackgruppe kaum möglich.

Perrine Woodtli
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Die United-Maniacs bei der Probe in Häggenschwil. Miranda Germann (Mitte) gibt als musikalische Leiterin den Ton an. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Die United-Maniacs bei der Probe in Häggenschwil. Miranda Germann (Mitte) gibt als musikalische Leiterin den Ton an. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Dienstagabend in Häggenschwil. Im 1300-Seelen-Dorf ist es ruhig. Noch. Denn schon um halb acht ist es vorbei mit der Idylle. Schrille Melodien lärmen durch die Strassen. Dann weiss jeder Häggenschwiler: Die Dudelsäcke sind wieder da. Die United-Maniacs Scottish pipes and drums of St. Gallen, wie sich die Dudelsackgruppe nennt, proben jeden Dienstag beim Primarschulhaus in Häggenschwil. Von Frühling bis Herbst spielen die Musiker so oft es geht im Freien.

So auch an diesem Dienstagabend. Die Drummer und Piper haben sich in einem Kreis auf dem Schulhofplatz aufgestellt. Die musikalische Leiterin und Piperin Miranda Germann gibt den Ton an: «Ready, Rolls, Quick March.»Es dauert nicht lange, bis sich Schaulustige auf dem Platz einfinden. Spaziergänger halten an, Kinder auf dem Velo legen einen Stopp ein, um dem uniformierten Ensemble zuzuschauen. Aus einem Haus neben der Schule streckt eine Frau den Kopf aus dem Fenster und lauscht den schottischen Klängen.

Die Dorfstrasse auf und ab marschieren

Dass sie hier jede Woche proben dürfen, ist für Miranda Germann und Daniel Hojdelewicz, Präsident und Drummer, nicht selbstverständlich. «Wir sind dankbar für das Verständnis und die Toleranz», sagen beide. «Uns ist bewusst, dass die Musik nicht allen gefällt und laut ist.» Probleme mit Bewohnern habe es noch nie gegeben. «Ich habe zumindest noch nie etwas mitbekommen», sagt Germann, die in Häggenschwil daheim ist.

«Jene, die es stört, haben sich vielleicht aber auch eine Dienstagabendaktivität gesucht, um zu flüchten.»

Mindestens einen Fan in Häggenschwil hat die Gruppe aber: Regelmässig besuche eine Katze die Proben unter freiem Himmel. Dadurch, dass die Band draussen probt, kann sie auch das Marschieren für die Wettbewerbe üben. Die Anfänger lässt Germann gerne auf der Dorfstrasse auf und ab marschieren. «Oder wir fragen einen Bauern, ob wir auf seiner Wiese üben dürfen.»

Die Dudelsackgruppe übt während den Proben auch das Marschieren.

Die Dudelsackgruppe übt während den Proben auch das Marschieren.

Miranda Germann und Daniel Hojdelewicz sind zwei der fünf Gründungsmitglieder der United-Maniacs, die 2006 zusammenfanden. Als Höhepunkte nennen sie die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Glasgow, die Deutschlandtour und das Tattoo St. Gallen. Von Frühling bis Herbst tritt die Band regelmässig auf und spielt an Wettbewerben, Veranstaltungen oder privaten Anlässen. Aktuell freuen sich die Musiker auf ihren Aufritt im Kultur- und Kongresszentrum Luzern im September.

Dudelsack und Drums sind vielen zu aufwendig

In all den Jahren habe man vieles zusammen erlebt, sagt Germann. «Nebst der Musik verbindet uns alle eine Freundschaft.» Der Name United-Maniacs (Die vereinten Verrückten) sei Programm.

«Wir haben schon ein paar schräge Vögel bei uns.»

Als Mitglied einer Dudelsackgruppe gelte man ohnehin nach wie vor oft als Exote, wenn auch nicht mehr so stark, sagt Germann. «Die Leute interessieren sich immer mehr für unsere Musik.» Er werde auch nur noch von jedem Zehnten gefragt, was er unter seinem Kilt trage, ergänzt Hojdelewicz.

Die 34-köpfige Pipeband gehört zu den grösseren Gruppen in der Schweiz. Ginge es nach der musikalischen Chefin, könnten es aber mehr Mitglieder sein. Doch Nachwuchs zu finden, sei schwierig. «Von zehn Leuten, die anfangen, machen vier weiter.» Die Musik sei anspruchsvoll, die Instrumente aufwendig zu lernen. «Beim Zusammenspiel ist hohe Präzision gefordert», sagt Hojdelewicz. Es wird streng nach Noten gespielt und die Wettbewerbsregeln sind komplex.

Vielen sei das zu anstrengend. «Es ist ein zeitintensives Hobby. Weil wir keine Musikständer verwenden, müssen wir jedes Stück auswendig lernen», sagt Germann. «Das ist Knochenarbeit.» Wer nicht genügend Zeit investiert, hinkt hinterher.

«Ich höre, wenn jemand zu Hause nicht übt.»

Bei ihr und Hojdelewicz hat die Begeisterung jedenfalls nie nachgelassen. Beide hat das Schottlandfieber früh gepackt. «Ich liebe die Musik. Und die Szene in der Schweiz ist eine grosse Familie», sagt Germann, die in Schottland geheiratet hat. Hojdelewicz ergänzt: «Entweder man hat den Virus oder nicht.»