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Interview

«Das ganze Unternehmen steht unter Strom»: VBSG-Leiter zum grössten Fahrplanwechsel seit Jahrzehnten

Mit dem Fahrplanwechsel bleibt bei den Verkehrsbetrieben St.Gallen praktisch kein Stein auf dem anderen. Unternehmensleiter Ralf Eigenmann spricht über Herausforderungen und Zukunftspläne.
David Gadze
Auch auf den Bildschirmen ist bald alles anders: VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann in der Betriebszentrale. (Bild: Urs Bucher/4. Dezember 2018)

Auch auf den Bildschirmen ist bald alles anders: VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann in der Betriebszentrale. (Bild: Urs Bucher/4. Dezember 2018)

Ralf Eigenmann, was machen Sie am Sonntag?

Ich werde beobachten, wie alles rund um den Fahrplanwechsel läuft. Beeinflussen kann ich dann ja nichts mehr.

Das neue Buskonzept bedeutet für die VBSG die grösste Veränderung seit Jahrzehnten. Wie gut schläft der Chef der Verkehrsbetriebe in den letzten Nächten vor der Einführung?

Erstaunlich gut. Weil ich weiss, dass unser Personal mit Hochdruck daran arbeitet, all die Veränderungen bis Sonntag zu bewerkstelligen. Das ganze Unternehmen steht unter Strom.

Was war oder ist denn die grösste Herausforderung?

Jeder Bereich hat seine Herausforderungen: Die Planung von Fahrplänen und Dienstplänen, die Beschriftung der Haltestellen oder die Schulung der Fahrerinnen und Fahrer. Für diese sind die neuen Linienführungen, aber auch die neuen Busse mit Anhängern ebenfalls eine grosse Veränderung. Ihre Situation beschäftigt mich am meisten. Es ist aber auch eine technische Herausforderung. In den neuen Bussen haben wir eine neue Generation von Bordrechnern, die aber verzögert eingetroffen sind.

Auch für die Passagiere wird es eine grosse Umstellung sein. Welche Rückmeldungen haben Sie bisher aus der Bevölkerung erhalten?

Im Grossen und Ganzen ist das Echo erfreulich. Selbst dort, wo es punktuelle Verschlechterungen gibt, sind die Leute mehrheitlich positiv gestimmt. Aber natürlich gibt es auch negative Stimmen. In Wittenbach befürchten einige, dass wir einen schlechteren Service bieten werden als Postauto bisher. Umgekehrt gilt das auch in Mörschwil. Man ändert halt nicht gern, was man gewohnt ist.

Das gilt wohl auch für die Abtwiler. Sie müssen die zweite Kröte innert weniger Jahre schlucken. 2014 wurden sie von der Stadtzone abgeschnitten. Und nun haben sie nach St.Gallen einen 15- statt einen 10-Minuten-Takt, also vier statt sechs Busse pro Stunde.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich über diesen Abbau nicht erfreut war und bin. Um ihn abzufedern, gibt es unter der Woche neu die Linie 12 nach Abtwil via Spisegg mit insgesamt 14 Kursen pro Tag und Richtung. Sie entspricht einem Bedürfnis und bietet zu Hauptverkehrszeiten erst noch eine schnellere Verbindung zwischen Abtwil und dem St. Galler Hauptbahnhof.

Es gibt auch in der Stadt St.Gallen auf einzelnen Linien Verschlechterungen, etwa Taktausdünnungen zu Randzeiten oder am Wochenende.

Das stimmt und ist unschön. Aber all diese Verschlechterungen geschehen zu Gunsten von Verbesserungen auf der jeweiligen Linie oder an anderen Orten – und sie geschehen in der Regel nahezu schmerzfrei. So verliert St.Georgen zwar beim Takt am Wochenende, gewinnt dafür aber eine direkte Verbindung zum Marktplatz und ins Heiligkreuz. Und auf der ganzen Achse Säntispark–Heiligkreuz gibt es einen 7,5-Minuten-Takt.

Kanton und Stadt wollen den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr fördern. Dann ist ein Abbau wie in Abtwil kontraproduktiv.

Das mag sein. Aber es gibt auch ökonomische Grenzen. Das muss man akzeptieren.

Es stellt sich die Frage, wie weit der Service public gehen soll.

Klar. Unsere Busse sind keine Taxis, die nur dann fahren, wenn man sie bestellt. Es braucht ein Grundangebot, damit der öffentliche Verkehr genutzt wird. Die Frage ist nur, wie gross dieses Angebot sein muss. Zudem darf man nicht vergessen: Unter dem Strich gibt es nun einen Leistungsausbau. Und wenn die Fahrgastzahlen stimmen, ist ein weiterer Ausbau irgendwann durchaus denkbar.

Es gibt immer noch Quartiere, die sonntags nicht mit Bussen erschlossen sind, etwa Oberhofstetten, Bruggwald oder ein Teil des westlichen Rosenbergs. Wird sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern?

Das hängt ebenfalls von der Fahrgastentwicklung ab. Je mehr Personen den Bus benützen – gerade auch in der Freizeit –, desto grösser ist die Chance, dass Angebotsausbauten finanziert werden.

Mit den neuen Batterie-Trolleybussen, die in zwei Jahren fahren werden, brechen die VBSG in die elektrische Zukunft auf. Was bedeutet das zusammen mit dem Buskonzept?

Für uns ist es in Quantensprung. Zudem bieten sich dank der Neuorganisation des VBSG-Netzes in Zukunft weitere Linien an für die Elektrifizierung.

Beispielsweise die Linien 7 und 8 vom Neudorf nach Hinterberg beziehungsweise nach Stocken?

Beispielsweise. Aber mit den heutigen Batteriekapazitäten ginge es nicht ohne zusätzliche Oberleitungen. Wir müssen die technische Entwicklung beobachten und selbst Erfahrungen sammeln.

Aus dem Riethüsli bieten die Appenzeller Bahnen künftig eine direkte Verbindung zum Marktplatz an. Das dürfte Sie kaum freuen.

Es ist richtig, dass ich mich um die Wirtschaftlichkeit der Linie 5 sorge. Sie ist gerade auf dem Südteil stark abhängig von der Gewerbeschule. Dort werden wir vermutlich Fahrgäste verlieren. Aber für das Gesamtangebot des ÖV ist das eine Verbesserung, keine Frage.

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