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Die neue Pfarrerin in Wittenbach ist eine untypische Kirchenfrau

Bettina Mittelbach wirkt ab sofort als neue Pfarrerin auf dem Wittenbacher Vogelherd. In ihren Gottesdiensten will sie eine «One-Woman-Show» vermeiden.
Corinne Allenspach
Bei Pfarrerin Bettina Mittelbach darf in der Kirche auch gelacht werden. (Bild: Ralph Ribi)

Bei Pfarrerin Bettina Mittelbach darf in der Kirche auch gelacht werden. (Bild: Ralph Ribi)

Diesen Satz hört sie oft. Dass sie nicht aussieht wie eine typische Pfarrerin. Vielmehr könnte man sich Bettina Mittelbach mit ihrer schicken Bolerojacke, dem modischen Kurzhaarschnitt, der schwarzen Bundfaltenhose, den auffallenden Finger- und Ohrringen und dem Wangenrouge in einem Modegeschäft oder einer Bank vorstellen. Die 55-Jährige lacht: «Da würde sich mein Vater freuen.» Er habe sich immer gewünscht, dass sie bei der Bank arbeite. Aber für sie, die in einem Dorf in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen ist, war das nie eine Option. «Die Auseinandersetzung mit der Bibel wurde mir quasi in die Wiege gelegt.»

Ihr Vater, ein Betriebsingenieur, war mehr als 30 Jahre lang ehrenamtlich für die Kirche tätig. Wobei er noch der Generation angehöre, die sehr streng religiös erzogen wurde. «Plakativ gesagt war alles verboten, was Spass macht.» Für Bettina Mittelbach hingegen ist Glaube keine traurige Angelegenheit. Traurig werde es dann, wenn man die Bibel wortwörtlich nehme. Ihr Zugang ist ein anderer. «Man sollte die Bibel ernst nehmen, beherzigen, neugierig sein.» Und in der Kirche dürfe durchaus auch mal gelacht werden.

Campingferien mit dem eigenen Wohnmobil

Dass Bettina Mittelbach Humor gross schreibt, zeigt sich auch im Gespräch. Mit ihr lässt sich ebenso gut lachen wie über Gott und das Leben philosophieren. Noch hat die evangelisch-reformierte Pfarrerin einiges Administratives zu erledigen, bevor sie ihre Arbeit in Wittenbach so richtig aufnehmen kann. Aber ein bisschen verliebt ist sie jetzt schon in die Gemeinde. «Die schöne Kirche und das Kirchenzentrum haben mir auf den ersten Blick sehr gut gefallen.»

Und die Lage auf dem Vogelherd sei kaum zu überbieten. Bettina Mittelbach lässt den Blick schweifen bis zum Schloss Dottenwil und weiter Richtung See. Dort hat sie vor wenigen Tagen auch ihre Wohnung bezogen – in Goldach. «Ich finde es grossartig, am Bodensee zu wohnen», sagt sie. Was sie als begeisterte Skifahrerin ebenfalls freut: dass künftig einige Skigebiete in der Nähe liegen. Überhaupt sei sie gerne in der Natur und habe vor einigen Jahren die Lust am Campen entdeckt. Mit ihrem eigenen Wohnmobil macht sie, die geschieden ist, gerne Campingferien. Auch deshalb, weil man dabei merke, wie wenig Materielles man brauche, um glücklich zu sein.

Wie kommt es eigentlich, dass sie aus dem 700 Kilometer entfernten Minden, wo sie zwölf Jahre gewohnt hat, in Wittenbach gelandet ist? «Ganz einfach», sagt sie, «ich hatte ein Jobmail abonniert und das Stelleninserat hat mich gleich angesprochen.» Besonders gefallen habe ihr, dass der Schwerpunkt der Arbeit in Wittenbach im Dialog liege. Ausserdem habe sie den Eindruck, dass es sich um eine aktive, lebendige, offene Gemeinde handle. Und die ersten Kontakte mit Mitgliedern von Evangelisch-Tablat, aber auch der Wittenbacher Bevölkerung, gaben ihr Recht. «Ich hatte schon sehr herzliche Begegnungen. Ich habe das Gefühl, es ist leicht, hier mit Menschen in Kontakt zu kommen.» Nach ersten Gesprächen habe sie zudem gespürt, dass das Interesse gross sei, am Thema «Gewaltfreie Kommunikation», in dem sie Erfahrung hat. Sie überlege sich deshalb bereits, wie sie dazu baldmöglichst eine Fortbildung anbieten könne.

Die Gemeinde lebt durch alle Mitglieder

In ihrer Arbeit als Pfarrerin gibt es für Bettina Mittelbach zwei grosse Herzensangelegenheiten: Die Seelsorge und der pädagogische Schwerpunkt. In Minden war sie in der Lehrerfortbildung und der Schulseelsorge tätig, zuvor und danach in der Krankenhaus-, Telefon- und Behindertenseelsorge. In Kürze werde sie zudem ihre Coaching-Ausbildung abschliessen.

Wie sie ihren ersten offiziellen Gottesdienst in Wittenbach gestalten will, weiss die 55-Jährige noch nicht genau. «Ich finde es immer schön, wenn die Besucher etwas mitnehmen und ein bisschen erfüllter, beglückter oder befreiter heimgehen können.» Dabei beziehe sie auch gerne andere Gemeindemitglieder ein, ganz nach dem Motto: Die Gemeinde lebt durch alle und die Pfarrerin ist ein Teil davon. Oder wie es Bettina Mittelbach ausdrückt: «Ich versuche, wo immer möglich eine One-Woman-Show zu vermeiden.»

Hinweis

Antrittsgottesdienst Kirche Vogelherd: Sonntag, 21. Oktober, 10 Uhr

Offizieller Begrüssungsgottesdienst mit Apéro: Sonntag, 4. November, 17 Uhr.

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