Ersatzwahl
Die Thaler Wahlposse geht weiter: Die Findungskommission weist den Vorwurf von sich, einen einheimischen Kandidaten gezielt zu verhindern

Seit der amtierende Gemeindepräsident Felix Wüst seinen vorzeitigen Rücktritt bekannt gegeben hat und die Findungskommission den SVP-Mann Matthias Gehring als Kandidaten für die Ersatzwahl vom Sonntag, 26. September, präsentiert hat, geht es ordentlich rund in der Gemeinde am Bodensee. Die Findungskommission verhindere einheimische Kandidaten, heisst es im Dorf. Stimmt nicht, sagt die FiKo und spricht gar von einer Lüge.

Rudolf Hirtl
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So gelassen wie das Männchen auf dem Brunnen am Hägete-Platz in Thal sind momentan nicht alle im Dorf.

So gelassen wie das Männchen auf dem Brunnen am Hägete-Platz in Thal sind momentan nicht alle im Dorf.

Bild: Christof Sonderegger

So richtig steppt der Bär in Thal, seit am Donnerstag der «Tagblatt»-Artikel «Simon Diezi mischt den Wahlkampf in Thal auf: Der FDP-Mann tritt gegen den Kandidaten der überparteilichen Findungskommission (FiKo) an» erschienen ist. Die spontane Kandidatur hat viele Thalerinnen und Thaler total überrascht und die Aussage von Simon Diezi, dass er von der FiKo als einheimischer Bewerber nicht zugelassen wurde, so manchen Stimmbürger sprachlos gemacht.

Findungskommission spricht von einer Lüge

Das will die Findungskommission, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der FDP (Peter Hensel), der Mitte (Markus Eigenmann), SP (Andrea Schöb) und SVP (Axel Ziegler), nicht auf sich sitzen lassen. Sie spricht in ihrer Stellungnahme davon, dass in den vergangenen Wochen über den Kandidaten der Findungskommission, Matthias Gehring, sowie über die Arbeit der FiKo Unwahrheiten verbreitet wurden, die von Diffamierungen des Kandidaten bis hin zur angeblichen Unfähigkeit der FiKo reichten.

Fachliche und persönliche Kernkompetenz ausschlaggebend

Die Ortsparteipräsidentinnen und -präsidenten hätten sich im Vorfeld darauf geeinigt, die Suche nach einer Nachfolge von Felix Wüst nicht dem Parteien-Geplänkel zu überlassen, sondern einer Findungskommission – vertreten mit je einem Mitglied aus den vier Ortsparteien. Begleitet worden sei die KiKo von einem professionellen Personalvermittlungsunternehmen. «Die Parteipräsidien haben sich unisono dafür ausgesprochen, dass weder Parteizugehörigkeit noch Wohnort eine Rolle spielen müssen, sondern die fachlichen und persönlichen Kernkompetenzen für ein solches Amt erfüllt werden müssen», so die Kommissionsmitglieder. Zudem hätten die Mitglieder der FiKo Stillschweigen vereinbart. So sei sichergestellt worden, dass eine geeignete Kandidatur für die Nachfolge von Felix Wüst vorgeschlagen werden konnte. Die FiKo schreibt:

«Die Unterstellung, die Findungskommission habe von vornherein entschieden, Thaler Bewerbungen zu negieren, ist schlichtweg eine Lüge.»

Es sei korrekt, dass sich Simon Diezi und weitere Kandidaten aus der Gemeinde dem ordentlichen Bewerbungsprozess stellten. Im Auswahlverfahren habe sich jedoch gezeigt, dass es unter den Bewerbenden Kandidaten gab, die das Anforderungsprofil deutlich besser erfüllten. Daher seien diese im Gegensatz zu Diezi zu Bewerbungsgesprächen eingeladen worden.

Simon Diezi (FDP)

Simon Diezi (FDP)

Bild: Rudolf Hirtl

Simon Diezi ist laut FiKo wie alle eingegangenen Bewerbungen in einer ersten Phase von Premium-Job, und unabhängig davon in einer zweiten Phase auch von der Findungskommission gemäss Anforderungsprofil beurteilt worden. Der engste Kreis der Bewerbenden habe sich zudem einer Persönlichkeitsanalyse (psychologisches Assessment) stellen dürfen, bei der ersichtlich geworden sei, wie es um deren Führungs-, Sozial- und Eigenkompetenzen stehe.

Möglichkeit für direkte Bewerbungen war offen

Die FiKo betont in ihrer Stellungnahme, dass es jederzeit möglich gewesen sei, eine eigene Bewerbung unabhängig von der Kommission bei der Gemeinde einzureichen. Aus diesem Grund habe sie bewusst bereits am 23. Juni über ihren Vorschlag informiert. «Dadurch hatten weitere Bewerbende und Interessierte drei Wochen Zeit, ihre Kandidatur bei der Gemeinde zu platzieren. So wie es etwa auch Michael Fitzi gemacht hat. Wir als Demokraten begrüssen weitere Kandidaten und haben auch damit gerechnet.» Die Findungskommission sei von ihrem Kandidaten Matthias Gehring überzeugt. Er bringe beste Voraussetzungen mit für ein Gemeindepräsidium. Die FiKo gibt sich in ihrer Mitteilung schon beinahe martialisch, wenn sie schreibt:

«Wahlkampf heisst Kampf um die Wahl. Die Findungskommission ist bereit für diesen Kampf und unterstützt Matthias Gehring zu 100 Prozent für eine solide Führungslösung in Thal.»

Nur Gehring und Fitzi auf dem Stimmzettel

Matthias Gehring (SVP)

Matthias Gehring (SVP)

Benjamin Manser

Die ordentliche Eingabefrist für Kandidatinnen und Kandidaten ist bereits am 9. Juli verstrichen. Damit werden auf dem Stimmzettel, der in zirka einer Woche in den Briefkästen liegen wird, nur die Namen von Matthias Gehring und Michael Fitzi geführt. Dies grenzt die Wahl aber nicht auf die beiden ein. Der Name jeder Schweizer Frau oder jedes Schweizer Mannes kann bis zum Wahltag auf dem Stimmzettel notiert werden.

Findungskommission fordert Fairness ein

Vom ungenannt bleiben wollenden Komitee «Simon Diezi» fordert die Findungskommission mehr Fairness ein. «Wir bedauern, dass es anonyme Personen gibt, die laufend bisher unwahre Gerüchte verbreiten.» Das sich diese Personen auf «eingeholte Informationen» beziehen würden, die ihre Skepsis nicht kleiner hätten werden lassen, sei leider nur eine weitere Unklarheit, die gestreut werde. «Diese Personen sollen doch bitteschön hinstehen und Konkretes vorlegen – und nicht wie bisher einzig Gerüchte in der Gemeinde streuen.»

Michael Fitzi (parteilos)

Michael Fitzi (parteilos)

Bild: Tobias Garcia

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