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Die Taverne Zorbas schliesst: Die Stadt St.Gallen verliert ihre älteste griechische Beiz

Die Stadt verliert bald eine Traditionsbeiz: Das griechische Restaurant Zorbas im Linsebühl schliesst per Ende Jahr. Wirt Georgios Loudas blickt auf bewegte 35 Jahre zurück. Seine Gäste wird er vermissen.
Sebastian Schneider
Georgios Loudas stösst nach 35 Jahren als «Zorbas»-Wirt mit einem Glas Ouzo auf seinen Ruhestand an. (Bild: Hanspeter Schiess)

Georgios Loudas stösst nach 35 Jahren als «Zorbas»-Wirt mit einem Glas Ouzo auf seinen Ruhestand an. (Bild: Hanspeter Schiess)

Oktopus in Weinessig, Riesencrevetten vom Grill oder Blätterteigkuchen mit Baumnüssen. In der Taverne Zorbas an der Linsebühlstrasse 11 gibt es ausschliesslich griechisches Essen. Auch der Schnaps und der Wein sind aus Griechenland. Die Bierauswahl besteht aus Mythos und Schützengarten. Aber das Schild, das am Eingang prangt, ist nicht gelb-schwarz, sondern hellbau-weiss.

«Das einzige Schild in der Stadt, das so aussieht», sagt Georgios Loudas stolz. Der Wirt und Koch des traditionellen Restaurants sitzt an einem Tisch in der Taverne. Ein Glas Ouzo und eine Kerze stehen auf dem blau-weiss karierten Tischtuch. «Ich hätte gerne weitergemacht, weiter meine guten Gäste bewirtet», sagt der 75-jährige Grieche. Doch bald ist mit der Traditionsmarke Zorbas Schluss.

Ende Jahr wird das einzigartige Schild vor der Taverne Zorbas an der Linsebühlstrasse abmontiert. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ende Jahr wird das einzigartige Schild vor der Taverne Zorbas an der Linsebühlstrasse abmontiert. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seine Frau und er seien schon seit längerem Grosseltern, es werde Zeit, den wohlverdienten Ruhestand endlich zu geniessen. Kürzer getreten ist das Wirtepaar schon vor einigen Jahren, das Restaurant ist seither noch am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend offen. Doch per Ende Jahr verschwindet die mediterrane Gemütlichkeit. Mit dem Restaurantbetrieb soll es laut Loudas zwar weitergehen. Zu seinem Bedauern gehört zu den potenziellen Nachfolgern aber kein griechischer Gastronom. «Wirklich schade», findet Loudas.

Bewährte Karte, treue Kundschaft

Das Wirtepaar, dass sich in den 1970er-Jahren in St. Gallen kennengelernt hat, bekocht seine Gäste bereits seit 1983. Georgios Loudas hat das Inserat, das damals vor der Wiedereröffnung am 1. Oktober im «Anzeiger» erschien, sofort griffbereit. «Es war der Traum meiner Frau, einmal in der Gastronomie tätig zu sein.»

Sie habe ihm auch beigebracht zu kochen, sämtliche Rezepte seien von ihr. Und diese sind gut angekommen. Die Taverne war stets gut gefüllt. Die Gäste sind laut Loudas ausschliesslich zum Essen gekommen. Das Wirtepaar, das die ganze Zeit ohne Angestellte auskam, wollte eine gemütliche Atmosphäre schaffen. Und die griechische Musik im Hintergrund sollten die Gäste hören können.

Tatsächlich betritt man eine eigene kleine Welt, wenn man in den Speisesaal kommt. Von der Hektik der Linsebühlstrasse ist neben den Wandmalereien, den Bildern und der Säule, die an einen griechischen Tempel erinnert, nicht viel zu spüren. An der Einrichtung habe er seinerzeit gar nicht viel verändert.

Das Restaurant war bereits seit den 1970er-Jahren in griechischen Händen gewesen. «Zorbas war das erste griechische Restaurant in der Ostschweiz», weiss Loudas. Zu Spitzenzeiten habe es alleine in der Stadt St. Gallen fünf griechische Restaurants gegeben. Mit dem Wegfall von Zorbas werden das «El Greco» und «Kostas der Grieche» die einzigen sein, die übrig bleiben.

Anwälte, Politiker und Künstler bewirtet

An der Türe zur Toilette hängt ein Plakat des Theaters St. Gallen. «Das Theater und das Orchester gehören zu meinen Stammkunden», sagt Loudas. Die Schauspieler und Musiker hätten gewusst, dass es bei ihm, im «Kultur-Restaurant», auch um 23 Uhr noch Essen gibt, und kamen darum zum Beispiel nach der Premiere in die Taverne.

«Ich habe immer gute Gäste gehabt und will mich bei allen bedanken», sagt Loudas. Gekommen seien auch Anwälte, Politiker und Künstler. Viele von ihnen, darunter auch der bekannte Anwalt Valentin Landmann, hätten die Karte sehr geschätzt. «Einige von den bekannten Gästen haben immer das Gleiche gegessen», weiss der Wirt zu berichten. Die meisten kennt Loudas mit Vornamen. Und so wundert es nicht, dass er von einer familiären Atmosphäre im Lokal spricht.

Das Wirtepaar wird die Taverne mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. Zuerst kann es sich vermehrt den vier Enkelkindern widmen, später geht die Reise zurück nach Griechenland. «Dort, wo meine Frau aufgewachsen ist, besitzen wir ein Haus.»

Somit bedeutet das Aus von Zorbas gleich einen doppelten Abschied: 50 Jahre lang habe er in der Schweiz gelebt. In den 1960er-Jahren sei er in die Schweiz gekommen und habe sich als 18-Jähriger eine neue Existenz aufgebaut. Bald schon verbringt er seinen Lebensabend in der Nähe des Meeres. Ouzo wird es weiterhin geben. «Jamas», sagt Loudas und gönnt sich einen Schluck.

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