Die Tarife für die Bioabfuhr in Gossau geben zu reden

Die erste Bioabfuhr in Gossau ist bereits Geschichte. Fragen zum neuen System gibt es aber noch einige.

Daniel Wirth
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Mit solchen Fahrzeugen sammelt der ZAB Bioabfälle in 17 Gemeinden ein.

Mit solchen Fahrzeugen sammelt der ZAB Bioabfälle in 17 Gemeinden ein.

Bild: PD

Die neuen Tarife seien ein Skandal. Ein Aufschlag von 150 Prozent sei jenseits von Gut und Böse. Und die Begründung, jetzt dürfe man mehr entsorgen, sei ein Witz. Woher soll plötzlich mehr Abfall kommen? Dieser Text erreichte die «Tagblatt»-Redaktion vor Wochenfrist. Einen Tag später ist in der Stadt Gossau zum ersten Mal eine Bioabfuhr durch den Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) durchgeführt worden.

Ist die Gebühr für einen 140-Liter-Container tatsächlich eineinhalbmal so hoch wie vor dem Jahreswechsel, wie vor der Einführung einer Bioabfuhr anstelle einer Grünabfuhr? Die Aussage ist zu relativieren: Im vergangenen Jahr kostete eine Marke, die auf einen leicht gefüllten 140-Liter-Container geklebt werden musste, vier Franken.

Für einen stark gefüllten Container mussten allerdings zwei Marken angebracht werden; die Entsorgung kostete demnach acht Franken. Die Stadtwerke instruierten das mit dem Einsammeln der Grünabfälle beauftragte Unternehmen, bei der Leerung genau auf eine korrekte Etikettierung zu achten und ungenügend etikettierte Container mit einem Vermerk nicht zu leeren. Dies, weil gemäss Patrik Schönenberger, Geschäftsführer der Stadtwerke, einige Gossauerinnen und Gossauer es nicht so genau nahmen mit der Gebühr. Die Folge: Die Stadt Gossau legte Geld drauf.

Grünabfuhr war nicht kostendeckend

Der Stadtrat wusste, dass die Grünabfuhr nicht kostendeckend war, wie er im April 2019 in seiner Antwort auf eine Interpellation aus der Feder Matthias Ebneters (Flig) schrieb. Der Parlamentarier der Freien Liste Gossau war es auch, der die Bioabfuhr anstiess mit seinem Vorstoss. Im November vergangenen Jahres stimmte das Stadtparlament einem neuen Abfallreglement zu, das ihm vom Stadtrat vorgelegt worden war.

Virgile Koster, Logistikchef beim ZAB

Virgile Koster, Logistikchef beim ZAB

PD

Die Tarife für die Bioabfuhr legte nicht der Stadtrat und auch nicht die Stadtwerke fest, sondern der ZAB, wie Logistikleiter Virgile Koster auf Anfrage sagt. Die Gebühren seien in sämtlichen 17 Gemeinden, in denen der ZAB die Bioabfuhr mache, dieselben – und das seit der Einführung vor gut 20 Jahren. Eine Tarifanpassung habe es seither nicht gegeben, sagt Koster.

Auch er relativiert den Preisaufschlag von 150 Prozent beim 140-Liter-Container. Zum einen würden neu nicht nur Grünabfälle wie Laub und Grasschnitt mitgenommen, sondern auch Küchenabfälle und Essensreste, Eierschalen und Rüstabfälle, Blumensträusse und Topfpflanzen – und sogar Kleintiermist.

Koster verweist zudem auf die Jahresabonnements, die für die Bioabfuhr gelöst werden können. Er bleibt beim Beispiel «140-Liter-Container» (das ist das grüne Modell, das vom Jungvolk jeweils im Sommer als Gepäck- und Nahrungsmittelbehälter ins Sittertobel ans Open Air gekarrt wird). Die Jahresgebühr betrage 180 Franken, sagt Koster. Das ergebe bei 44 Abfuhren im Jahr einen Preis von 4,10 Franken pro Container. Ein Aufschlag von zehn Rappen sei dann nicht mehr sehr viel.

Aus den Abfällen entsteht Dünger und Methangas

Patrik Schönenberger, Geschäftsführer Stadtwerke Gossau

Patrik Schönenberger, Geschäftsführer Stadtwerke Gossau

Lisa Jenny

Patrik Schönenberger bestätigt, dass auch bei den Stadtwerken kritische Fragen zu den Gebühren für die Bioabfuhr eingingen. Aber nicht nur: Genauso habe es positive Rückmeldungen gegeben. Viele Gossauerinnen und Gossauer würden es schätzen, dass neu auch die Abgabe von Essensresten, Rüstabfällen und Kleintiermist möglich sei, sagt Schönenberger.

Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid führt die eingesammelten Bioabfälle an die Axpo-Kompogas-Anlage in Niederuzwil, wo daraus durch Vergärung Dünger sowie CO2-neutrales Methangas hergestellt wird. Das Methan wird in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Der ZAB-Betrieb ist auf Kostendeckung ausgerichtet. Defizite werden durch die angeschlossenen Gemeinden gedeckt, ausschlaggebend ist die Einwohnerzahl. Mit Gewinnen werden Reserven geäufnet.