«Die Suche wird schwierig, aber wir geben die Hoffnung nicht auf»: In Grub SG ist die Dorfbeiz «Hirschen» zu haben

Vor sieben Jahren sprangen Ursula und Amedeo Polcari ein, um die Dorfbeiz zu retten. Nun suchen sie Nachfolger.

Laura Manser
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Bruno und Nicole Bischof und das Wirtepaar Ursula und Amedeo Polcari mit Enkeln (von links) im Gasthaus Hirschen.

Bruno und Nicole Bischof und das Wirtepaar Ursula und Amedeo Polcari mit Enkeln (von links) im Gasthaus Hirschen.

Ralph Ribi (25. Januar 2020)

Die Pächter des Restaurants Hirschen im st.gallischen Grub suchen auf den Frühling einen Nachfolger. Bruno Bischof hat die Dorfbeiz an der Oberaustrasse 2013 übernommen und umgebaut, nachdem die vorherige Wirtin verstorben war. Mehr als 100 freiwillige Helfer aus Grub SG und Umgebung haben damals geholfen.

Seine Schwiegereltern, das Ehepaar Polcari, führen das Restaurant seither. «Im Herbst 2018 informierten sie mich, dass sie gerne aufhören würden», sagt Bischof. Altersbedingt wollen sie sich nun zur Ruhe setzen und keine bis zu 20-stündigen Arbeitstage mehr ableisten.

Einige Rückmeldungen hat Bischof auf seinen Ausruf bereits bekommen, jedoch noch keine Zusage. Er hofft darauf, den «Hirschen» mit seiner gutbürgerlichen Küche und seinem Dorfbeizen-Charakter erhalten zu können. Ein Restaurant zu führen ist jedoch mit Einschränkungen verbunden. «Man wird nie reich davon. Aber man verarmt auch nicht», sagt Bischof. Ideal sei die Beiz für ein junges Pärchen, das sich verselbstständigen möchte.

«Die Suche wird schwierig, aber wir geben die Hoffnung nicht auf.»

Ansprüche an den Nachfolger hat Bischof nicht. Er will dem Pächter die Freiheit überlassen, Neues zu gestalten.

Die neue Hängebrücke bringt neue Kundschaft

Seit gut einem Jahr verbindet eine Hängebrücke die Dörfer Grub SG und Grub AR und brachte einige Vorteile mit sich, wie Bischof sagt: «Seither hat es viel mehr Betrieb im Dorf und somit auch mehr Kundschaft für uns.» Junge Kunden kommen jedoch selten in die Beiz. Sie trinken ihr Bierchen zu Hause oder in der Stadt, sagt Bischof.

Aber die Stammgäste sitzen regelmässig und seit vielen Jahren auf ihren Stühlen. Der «Hirschen» ist der Ort, wo man im Dorf zusammenkommt, es ist eine Beiz, die verbindet. «Wenn unsere Stammkunden sehen, dass wir viel zu tun haben, helfen sie manchmal beim Abwasch», sagt Amedeo Polcari.

Als «Gewerbezentrum» von Grub mit einem Coiffeursalon, der Feierabend-Bar, der Beiz selbst, einem Saal und einer kleinen Wohnung bietet das Gebäude einiges. «Es ist ein Wohn- und Geschäftshaus», wie Bischof sagt. Auch viele Anlässe finden in der Dorfbeiz statt: Vom Guggentreffen über das jährliche Preisjassen bis zu Geburtstags- und Sommerfesten – im «Hirschen» ist mehrmals jährlich etwas los.

Über die Folgen, falls sie keinen neuen Pächter finden, hat Bischof noch nicht richtig nachgedacht. «Vielleicht würden wir dann die Feierabend-Bar mehr als einmal pro Monat aufmachen.» Ausserdem hätten ihnen Leute aus der Umgebung schon angeboten, ein- bis zweimal pro Woche zu wirten. Zu viele Gedanken über ein Scheitern der Pächtersuche wolle er sich aber gar nicht machen. Wenn sie dann vor die Tatsache gestellt werden, würde eine Entscheidung aufgrund des Drucks auch leichter fallen, glaubt er.

Mit Kindern keine Beiz führen

Bischof hat anfangs Januar eine eigene Firma gegründet und sich selbstständig gemacht. Als Vater von drei Kindern will er momentan vor allem das Familienleben geniessen. «Ich kann mir nicht vorstellen, mit Kindern eine Wirtschaft zu führen. Und vor allem nicht, wenn sie noch so jung sind.» Neben der Familie und dem Job hat er auch einige Hobbys wie Turnen und Holzkunst. Da bleibt nicht genügend Zeit übrig, um ein Restaurant zu führen. Ausserdem war Bischof im Turnverein einige Male Festwirt. «Ich kann mir nicht vorstellen, jeden Tag zu wirten.»

Vom einen Tag auf den anderen Koch geworden

Amedeo Polcari, der heute in der Küche die Cordon bleus goldbraun anbratet, ist mit 17 Jahren aus Italien in die Schweiz gekommen und hat ein Malergeschäft in Teufen aufgebaut. Vor dem Beizenkauf hatte Polcari nichts mit dem Kochen am Hut. «Er hat höchstens hin und wieder ein Ei gekocht», sagt seine Tochter Nicole Bischof und lacht. Von einem Tag auf den anderen begann er im Restaurant typisch schweizerische Menus zuzubereiten.

Bischof und das Ehepaar Polcari sind glücklich über die Zeit im «Hirschen». «Es waren schöne sieben Jahre. Am Anfang wird uns das Wirten bestimmt fehlen, aber irgendwann muss man einfach aufhören», sagt Ursula Polcari. Mit den langjährigen Stammgästen werden sie bestimmt ab und zu zusammensitzen. Wenn möglich im «Hirschen.»