«Einmal kaufte der Walter-Zoo einen Töff für einen Affen»: Die Störis schliessen ihr Velogeschäft in Gossau

Nach über 40 Jahren ist Schluss: Heidi und René Störi schliessen ihr Velo- und Motorradgeschäft in Gossau und gehen in Pension. Doch zuvor erwartet das Paar noch eine anstrengende Zeit.

Elena Fasoli
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René und Heidi Störi verkaufen noch bis Ende April Velos in ihrem Geschäft in Gossau. (Bild: Michel Canonica)

René und Heidi Störi verkaufen noch bis Ende April Velos in ihrem Geschäft in Gossau. (Bild: Michel Canonica)

«Loslassen ist immer schwierig», sagt Heidi Störi. Mehrere Jahrzehnte lang führte sie gemeinsam mit ihrem Mann René Störi das Fahrrad- und Motorradgeschäft René Störi AG in Gossau. Nun stehen die beiden kurz vor ihrer Pensionierung und schliessen den Laden Ende April.

Seit er 18 Jahre alt war, betreibt René Störi ein Velogeschäft. Sein Vater führte damals selber einen Laden in Gossau und verkaufte Velos. René Störi eröffnete 1972 eine Filiale, die zusätzlich auch Motorräder im Sortiment hatte. Schon damals trieb ihn die Leidenschaft für Motorräder an. «Weil das Geschäft immer besser lief, brauchten wir mehr Platz», sagt der heute 64-Jährige.

1986 folgte der Umzug an die St. Gallerstrasse 197, wo der Laden seither steht. Damals begann auch Heidi Störi, die sich ihr Wissen über Velos erst noch aneignen musste, im Geschäft zu arbeiten. «Mein Mann arbeitet gerne in der Werkstatt, mir liegt der Verkauf.» Ihr gefalle der Kontakt zu den Leuten, besonders zu den Stammkunden.

«Väter, die bei uns ihr Motorrad gekauft haben, kommen mit ihren Söhnen, um ein Velo auszusuchen.»

Zwei Wochen Ferien im Jahr

Die Freude haben Heidi und René Störi nie verloren. Doch beide seien froh, bald mehr Zeit für die Familie zu haben. Im Velogeschäft stehen sie zurzeit jeden Tag. Denn geöffnet haben Störis sechs Tage die Woche. «Sonntags ist mein Mann in der Werkstatt und abends kommt er meistens gegen 23 oder 24 Uhr nach Hause.» Früher hatten sie sogar sieben Tage die Woche geöffnet. «Ferien hatten wir, wenn überhaupt, zwei Wochen im Jahr.» Heidi Störi ist froh, alltägliche Dinge bald ohne grosse Planung erledigen zu können. «In Zukunft kann ich ohne Zeitdruck einkaufen gehen und in Ruhe einen Arzttermin vereinbaren.»

Vieles habe sich seit den Anfangszeiten der René Störi AG verändert. «Früher war es normal, abends um 22 Uhr noch ein Motorrad zu verkaufen», sagt René Störi. Mit dem Internet sei der Verkauf anspruchsvoller und aufwendiger geworden. Schliesslich würden die Kunden erwarten, dass auch dort das Angebot ausgeschrieben werde. «Wir haben durch das Internet mehr Konkurrenz.» Ebenso haben sich die Velos weiterentwickelt. «Früher hatte ein Velo drei Gänge und von einer Scheibenbremse oder einer Vollfederung konnte man nur träumen», sagt Heidi Störi.

Zeit für das Haus, die Hunde und die acht Enkel

Störis erinnern sich an so manche Anekdote aus den vergangenen Jahrzehnten. «Der Walter-Zoo kaufte einmal einen Yamaha-Kindertöff mit Seitenwagen für einen Affen», sagt René Störi lachend. Der Affe durfte bei ihnen im Geschäft Probe fahren. Das Mini-Motorrad sei dann für Vorführungen genutzt worden. Heidi Störi erinnert sich an einen Glückstag, als ihr Mann spätabends gleich drei Motorräder verkaufte. Weniger erfreulich waren die insgesamt drei Einbrüche. Das Paar weiss nicht mehr genau, was gestohlen wurde, doch sie hätten Glück gehabt. «Über die Jahre wurde aber so manches Velo geklaut», sagt René Störi.

Einige Kunden wünschen Störis bereits jetzt eine schöne Zeit. «Dabei wird es für uns noch einmal anstrengend.» Der Ausverkauf laufe bisher besser als erwartet. «Vergangenen Samstag war es wie ein Jahrmarkt», sagt René Störi. Sie hätten keinen Platz für Probefahrten gehabt, weil so viele Autos im Weg gestanden seien. Bis Ende April dauert der Ausverkauf noch. Was mit dem Laden an der St. Gallerstrasse geschieht, ist noch nicht sicher. «Wir haben Interessenten, doch noch ist alles in der Schwebe», sagt Heidi Störi.

«Ab Mai werden wir unser Haus, unsere zwei Hunde und acht Enkel geniessen.»

Ausserdem will das Paar reisen. Konkrete Pläne gebe es jedoch noch nicht. «Bevor wir etwas Neues starten, beenden wir diesen Abschnitt.»