St.Galler sind die besten Töggeler Europas

Die Stadt ist seit dem Sieg des Tischfussballvereins St.Gallen in der Champions League das Töggeli-Mekka.

Christoph Renn
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Die Gründer des Tischfussballclubs St.Gallen, Thomas Ziegler (links) und Pascal Nater, halten den Pokal.

Die Gründer des Tischfussballclubs St.Gallen, Thomas Ziegler (links) und Pascal Nater, halten den Pokal.

Bild: Benjamin Manser

Das Spiel ist schnell und verlangt eine ausgezeichnete Reaktionsfähigkeit. Beim Tischfussball sind sowohl Technik als auch die richtige Taktik entscheidend. Die Spieler des Tischfussballclubs St.Gallen haben das perfekte Rezept gefunden. Sie haben den Coup geschafft: Gegen den Topfavoriten Eintracht Frankfurt haben sie Ende November den Final der Champions League im slowenischen Bled gewonnen. An diesem Turnier duellierten sich die Klubmeister der besten europäischen Ligen. Neben der Weltmeisterschaft ist es der wichtigste Titel, den es im Tischfussball zu gewinnen gibt, und vergleichbar mit dem gleichnamigen Turnier im Fussball. Somit beheimatet St.Gallen zumindest für ein Jahr den besten Tischfussballclub Europas.

Im Sommer 2017 hat sich ein solcher Erfolg für die Spieler um Captain Pascal Nater noch nicht abgezeichnet.

«Wir haben uns bei der Gründung des Vereins zwar hohe sportliche Ziele gesetzt.»

Eines der Ziele war der Gewinn der Schweizer Meisterschaft. Deshalb wurde eine schlagkräftige Truppe erfahrener Spieler aus der ganzen Schweiz und Österreich zusammengestellt. Dass aber nur zwei Jahre nach dem Aufstieg in die höchste Schweizer Liga gleich der Gewinn der Schweizer Meisterschaft und der Champions-League-Titel nach St.Gallen geht, grenzt an eine sportliche Sensation.

In der Schweiz gibt es kein Geld für die Profis

Der Erfolg in Bled kommt für Pascal Nater und sein Team zwar etwas überraschend, ist aber mit viel Einsatz verbunden. Seit der Qualifikation für die Champions League haben sie ihr Trainingspensum deutlich erhöht. «Wir sind zur Vorbereitung mindesten 15 bis 20 Stunden pro Woche am Tisch gestanden», sagt Nater. Für einige Spieler aus Deutschland oder Amerika sei dies Alltag. Doch im Unterschied zu den erfolgreichen St.Gallern verdienen sie mit dem Tischfussball Geld.

«Unsere Spieler arbeiten nebenbei alle 100 Prozent.»

Deshalb seien sie auf der Suche nach Sponsoren, um wenigstens einen Teil der Reisekosten decken zu können. Der Tischfussballclub St.Gallen ist im O-five-Pub sowie im Lutzifer-Pub in Arbon zu Hause. Dort treffen sie sich zum Training und führen Workshops für Neulinge durch. «Unser oberstes Ziel ist es, den Sport in der Schweiz bekannter zu machen», sagt Nater. Erfolge wie der Gewinn der Champions League würden dabei natürlich helfen. Und auch, dass Tischfussball seit dem vergangenen Jahr in der Schweiz als offizielle Sportart gilt. Dies bringe den Spielern jedoch keine finanziellen Vorteile. Eine Änderung hat es aber gegeben: Jetzt müssen die Spieler der obersten Liga zu Dopingtests antraben. Doch brauche es weiter viel ehrenamtliche Arbeit, um die Sportart voranzutreiben.

Schon als Kind fasziniert von der Sportart

Ein erfolgreiches Projekt zur Steigerung des Tischfussballs in der Stadt St.Gallen ist «Fordere». Dabei spielen 48 Teams in sechs verschiedenen Stärkeklassen in verschiedenen Bars um den Titel. Für Nater sind es solche Projekte, welche die Stadt St.Gallen zu einer Schweizer Töggeli-Hochburg machen. «Im Vergleich zu anderen Städten gibt es viele Orte, wo man töggelen kann», sagt er. Und es gebe sehr viele gute Spieler.

«Ich bin immer wieder überrascht, wie viel talentierte Tischfussballer es in der Region St.Gallen gibt.»

Für viele sei es jedoch nur ein Hobby. «Um auf professionellem Niveau spielen zu können, braucht es viel Training.» Diese Zeit wollen nicht alle investieren. Pascal Nater hat schon im Elternhaus sehr oft Tischfussball gespielt. Bei einem Ausflug mit meinem Lehrbetrieb zum Tischfussballlokal Tablesoccer Switzerland - damals in Herisau zu Hause war und heute in Goldach - habe er erfahren, dass es Clubs gibt. Sofort sei er dem Verein beigetreten und habe dort gespielt. Im Sommer 2017 hat er dann zusammen mit Thomas Ziegler und Michael Sätteli den TFC St.Gallen gegründet. Und seither eine Erfolgsgeschichte nach der anderen geschrieben. Doch zufrieden ist Nater noch lange nicht. «Das wohl grösste Ziel jedes Profitöggelers ist der Gewinn der Weltmeisterschaft.» Aber vor allem die Konkurrenz aus Amerika sei sehr stark. Da müssten er und das Nationalteam einen perfekten Tag erwischen, um mit den bezahlten Profispielern mithalten zu können.

Hinweis
www.tfcsg.ch