Mit 30 Jahre alten Songs: Die St.Galler Rockband Owen Kane veröffentlicht ihr erstes Album 

Die St.Galler Band Owen Kane tauft am Freitagabend in der Grabenhalle ihr Debütalbum. Die Songs sind aber schon über 30 Jahre alt. Auf der Bühne kommt es zu einem Wiedersehen mit vielen alten Bekannten.

David Gadze
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Sänger Urs Schiess mit den ehemaligen den ehemaligen The-Shell-Migliedern Sacha Leuenberger (Gitarre), Michael Frommenwiler (Bass) und Roger Cadalbert (Schlagzeug) bei der Probe. (Bild: Michel Canonica/5. Juni 2019)

Sänger Urs Schiess mit den ehemaligen den ehemaligen The-Shell-Migliedern Sacha Leuenberger (Gitarre), Michael Frommenwiler (Bass) und Roger Cadalbert (Schlagzeug) bei der Probe. (Bild: Michel Canonica/5. Juni 2019)

Am Freitagabend steht in der Grabenhalle ein spezielles Konzert auf dem Programm: Die St.Galler Rockgruppe Owen Kane tauft
ihr Debütalbum «Planet Rock ’n’ Roll» – es wird ihr erster Auftritt sein, zumindest in dieser Besetzung. Das allein wäre noch nicht so besonders, gäbe es die Musik nicht seit über 30 Jahren. Jetzt erwacht sie zu neuem Leben.

Owen Kane entstanden Mitte der 1980er-Jahre als Schülerband an der Kantonsschule am Burggraben. Damals schlossen sich Urs Schiess und zwei andere Klassenkollegen, die ebenfalls in Bands spielten, zusammen. Ihren ersten Auftritt hatten sie 1987 am «Stägäfäscht». Sie schrieben eigene Songs und traten bis in die frühen 1990er-Jahre an diversen Orten in der Ostschweiz auf – unter anderem auch in der Grabenhalle. Doch als die Mitglieder mit dem Studium begannen und in andere Städte zogen, löste sich die Gruppe auf.

In Schweden zu zweit aufgenommen

Zurück blieben ein paar Demo-Aufnahmen aus jener Zeit. «Ich fand unsere Songs immer recht cool», sagt Schiess, der seither als Sänger in verschiedenen anderen lokalen Bands mitgewirkt hat. Vor zwei Jahren entschloss er sich schliesslich, die alten Songs einzuspielen. Allerdings nicht mit den ehemaligen Bandmitgliedern, sondern mit seinem Freund Sacha Leuenberger, dem ehemaligen Gitarristen der St.Galler Indie-Rock-Band The Shell. Dieser wohnt in Schweden im 300-Seelen-Ort Uddebo, «einem Hippiedorf» ohne Restaurant oder Bar, wie Schiess sagt. In seinem Haus hat Leuenberger ein professionelles Studio eingerichtet. Zweimal fuhr Schiess für jeweils zehn Tage zum Aufnehmen nach Uddebo. Zusammen arrangierten die beiden Musiker die Songs neu und spielten sie grösstenteils zu zweit ein. Der Deal: «Ein Monatslohn von mir für einen Monat Arbeit von ihm», sagt Schiess, der beruflich einen grossen Teil seiner Zeit als Kameramann auf Kreuzfahrtschiffen verbringt.

Am Ende kostete ihn das Ganze doch mehr als einen Monatslohn. Als er das zweite Mal nach Schweden fuhr, gab sein erst vierjähriges Auto in Leipzig wegen eines Motorschadens den Geist auf. Die Reparatur hätte mehrere tausend Euro gekostet. Schiess entschloss sich, das Auto zum Verschrotten zurückzulassen. «Ich fuhr mit einem Mietauto weiter und mit dem Zug zurück in die Schweiz.» Kaum war er wieder zu Hause, erhielt er einen Anruf, dass er sein Auto nicht im Ausland verschrotten lassen könne. «Also musste ich einen Abschleppwagen organisieren, der es von Leipzig nach St.Gallen zurückbrachte.»

Knackig und saftig

Entstanden sind neun Rocksongs mit bluesigem Einschlag, die an das Material von AC/DC aus der Bon-Scott-Ära oder an Black Sabbath erinnern. Einige tönten fast gleich wie vor 30 Jahren, andere hätten sich leicht verändert, sagt Schiess. Sein grosses Ziel sei gewesen, aus dem alten Material, das nicht so homogen gewesen sei, ein Album «aus einem Guss» zu kreieren. Das ist gelungen: «Planet Rock ’n’ Roll», das auf Vinyl und als Download erscheint, franst nie aus. Vor allem aber klingen die Lieder kein bisschen angestaubt, sondern knackig und saftig.

Für das Konzert mussten Schiess und Leuenberger eine Band zusammenstellen. An der Plattentaufe werden ihnen die ehemaligen The-Shell-Mitglieder Michael Frommenwiler (Bass) und Roger Cadalbert (Schlagzeug) unter die Arme greifen, womit es zu einer kleinen Reunion der einstigen Hoffnung der lokalen Rockszene kommt. Originalbassist Daniel Pataky und Originalschlagzeuger Ueli Meier werden bei einigen Songs ebenfalls mitspielen. Doch damit nicht genug: Auch The-Darkness-Sänger Justin Hawkins, der in St.Gallen wohnt, gibt sich die Ehre.

Ob und wie es mit Owen Kane nach dem Konzert weitergeht, stehe derzeit in den Sternen, sagt Urs Schiess. Vereinzelte Konzerte seien denkbar.

«Doch nur schon mit dieser Platte und dem Konzert geht für mich und meine ehemaligen Bandmitglieder ein Traum in Erfüllung.»

Plattentaufe «Planet Rock ’n’ Roll» von Owen Kane:

Freitag, 20 Uhr, Grabenhalle;
www.owenkane.bandcamp.com

Der singende Kameramann

GOSSAU. Als Videoproduzent auf Kreuzfahrten reist der Ur-Gossauer Urs Schiess um die halbe Welt. Sein Beruf ist anspruchsvoll, aber erfüllend. Auch mit 49 Jahren will er nicht sesshaft werden. Zu verlockend ist die grosse Freiheit.
Angelina Donati