Die St.Galler Denk-Bar lanciert Crowdfunding, um sich zu retten

Um die Finanzen der Denk-Bar steht es schlecht. Zur Rettung braucht es mindestens 40'000 Franken.

Marlen Hämmerli
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Genossenschaftspräsidentin Agnes Haag: «Wir brauchen das Geld als Polster.» (Bild: Benjamin Manser)

Genossenschaftspräsidentin Agnes Haag: «Wir brauchen das Geld als Polster.» (Bild: Benjamin Manser)

Zwölf Prozent sind finanziert, rund 35'000 Franken fehlen noch: Die Denk-Bar hat ein Crowdfunding lanciert, mit dem sie sich retten will. Seit der Eröffnung 2016 hat sich die Denk-Bar etabliert. Wegen verschiedener Faktoren, etwa der Platzverhältnisse im Bistro, steht es aber schlecht um die Finanzen.

Die Finanzierungsschwelle des Crowdfundings liegt bei 40'000 Franken, das Ziel sind aber 60'000 Franken. «Das Geld ist überlebensnotwendig. Wir benötigen es als Polster», sagt Genossenschaftspräsidentin Agnes Haag. «Aber auch, damit wir uns mal etwas leisten können, zum Beispiel eine Kühltheke.» Derzeit stehen in der Denk-Bar an der Gallusstrasse elf warme Speisen und Desserts auf der Karte, aber noch kaum Speisen für die Verpflegung unterwegs. Das soll sich ändern.

Längere Öffnungszeiten sollen mehr Gäste anlocken

Zudem hat die Denk-Bar ab heute länger offen: von Dienstag bis Samstag, 10 bis 19 Uhr. Haag hofft, dass auch abends Leute im Bistro einkehren und ein Glas Wein oder ein Bier trinken. Die zwei Monate seit der Generalversammlung (GV) waren zwar «stark», wie Haag sagt. «Aber in der kurzen Zeit konnten wir noch nichts ansparen. Es gelang knapp, das Geld für die Löhne und die Miete zu erwirtschaften.»

Trotzdem zeigen die Massnahmen, die der Vorstand eingeleitet hat, Wirkung. Alle Mitglieder waren und sind aufgerufen, ihr Beziehungsnetz spielen zu lassen. Das hat laut Haag dazu geführt, dass mehr Anlässe in der Denk-Bar durchgeführt wurden und mehr Gäste kamen. Zwei Stiftungen haben Beiträge gesprochen; der Vorstand will weitere anschreiben.

Ausserdem helfen laut Haag heute «deutlich» mehr Freiwillige in der Denk-Bar. «Es dürften sich aber noch ein paar mehr melden.» Ihr Ziel ist es, dass künftig auf zwei bezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine freiwillige Person kommt. Ein Konzept, dass manche Mitglieder an der GV kritisierten. Dazu sagt die Genossenschafterin und ehemalige SP-Kantonsrätin: «Wir zahlen denen einen Lohn, die darauf angewiesen sind.»

Derzeit engagieren sich 20 Personen für die Denk-Bar. «Auch ihnen zuliebe wollen wir, dass es weitergeht», sagt Haag, die derzeit drei Tage die Woche unentgeltlich für die Genossenschaft arbeitet.

Denk-Bar ist ein 
Gegengewicht zur Kirche

Ursprünglich sollte die Denk-Bar im Sommer wegen Bauarbeiten einige Wochen schliessen. Der Einbau einer Lüftung hat sich nun aber verzögert und soll während der Herbstferien geschehen. Die Lüftung ist nötig, damit das Bistro mehr Speisen anbieten kann. Die Stadt St. Gallen als Vermieterin hat sich bereit erklärt, diese einzubauen. «Die Stadt ist uns wirklich wohlgesinnt», sagt Haag. «Sie sehen uns am Klosterplatz als gutes Gegengewicht zur männerdominierten Kirche.»

Die Genossenschaft Denk-Bar veranstaltet Lesungen, Konzerte, Künstlertreffs oder Diskussionen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf feministischen Themen. «Im Monatsprogramm hat es immer etwas für jede und jeden», sagt Haag. «Und die Kulturanlässe sind unterstützungswürdig.»

Das denkt auch der Toggenburger Peter Roth. In einem Video zum Crowdfunding schwärmt der Musiker und Komponist von der Atmosphäre und der Nähe, die er spürte, als er in der Denk-Bar ein Konzert spielte.

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