Zu Gast in St.Gallen: Rosewita Katsande ist die starke Frau aus der Township

Frauenrechtsaktivistin Rosewita Katsande fördert junge Frauen in Simbabwe. Sie unterstützt sie dabei, an der Universität zu studieren und ihren eigenen Weg zu gehen. Am Dienstag erzählt sie davon im Palace.

Diana Hagmann-Bula
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Diese Frauen fordern, gegen Ungleichheit demonstrieren zu können, ohne danach Gewalt befürchten zu müssen.

Diese Frauen fordern, gegen Ungleichheit demonstrieren zu können, ohne danach Gewalt befürchten zu müssen.

Bild: PD

Dieses Lachen! Wie viel Kraft in ihm steckt. «Meine positive Einstellung ist mein grösster Erfolgsfaktor», sagt Rosewita Katsande. Ihrem Optimismus verdanke sie, dass sie nicht mehr in der Township wohne, in der sie aufgewachsen ist. Und sie ihre Energie in ihre Karriere als Frauenrechtsaktivistin stecken könne – statt ins Wasserholen.

Rosewita Katsande.

Rosewita Katsande.

PD

Roswita Katsande ist 38 Jahre alt, wohnt mit Mann und Kind in Harare, der Hauptstadt Simbabwes. Die Politikwissenschafterin ist Direktorin des Youth Em­powerment and Transformation Fund (YETT), einem nationalen Netzwerk von Jugendorganisationen. Sie fördert Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren. Damit ihnen gelingt, was sie selber geschafft hat: die patriarchalischen Strukturen überwinden und an der Universität studieren, obwohl die Gesellschaft ein Leben im Haus mit Kindern für sie vorgesehen hat.

Vorgesehen war: Heiraten statt studieren

Katsande wächst mit vier Schwestern und zwei Brüdern auf. «Meine Mutter durfte erst aufhören mit Kinderbekommen, als Buben da waren. Söhne zählen immer mehr als Mädchen in Simbabwe.» Das habe sie geärgert. Aber auch motiviert, um noch fleissiger zu lernen in der Schule. Und zu zeigen:

«Eine Frau kann überall genial sein, nicht nur daheim.»

Als ihr Vater seine Anstellung in einem Restaurant verliert, fehlt das Geld für die Studiengebühren. Nicht so schlimm, sie werde bald heiraten, heisst es. Doch für Rosewita Katsande geht eine Welt unter. Die Mutter erträgt den Anblick der traurigen Tochter nicht, beginnt, irgendwelche Sachen zu verkaufen, um die Summe für die Uni doch zusammenzubringen. «Typisch für Simbabwe, die Frauen halten das Land am Funktionieren», sagt Marcel Dreier, Geschäftsführer von Fepa, einem Fonds für Entwicklung und Partnerschaft in Afrika. Er holt Rosewita Katsande für ein Referat am Dienstag, 19.30 Uhr, nach St.Gallen.

Schwierige Zeiten, um für Gleichberechtigung zu kämpfen

Rosewita Katsande erzählt jungen Frauen immer wieder, wie sehr das Studium ihr Leben bereichert hat. Gleiche Chancen auf Bildung, fordert sie dann. Und kritisiert, dass viele Frauen zwar auf Farmen arbeiten, ihnen aber kaum eine gehört. Dass sie um fünf Uhr aufstehen, um Wasser für die Familie zu holen, während der Mann liegen bleibt. Wegen der Dürre seien Quellen versiegt. Der Weg zum Wasser, den die Frauen zu gehen haben, wird immer länger. «Das bietet Gelegenheit für Vergewaltigungen», sagt sie. Auch häusliche Gewalt gibt es oft in dem Land. Aber da sind noch viele andere Probleme: Teenagerschwangerschaften, Kinderehen, Frauen, die sich keine Verhütungsmittel leisten können und dann mit Kindern dastehen, die sie nicht haben wollten.

Die Wirtschaft serbelt, die Arbeitslosigkeit ist hoch, das Gesundheitssystem kollabiert. Der vergangenes Jahr verstorbene Robert Mugabe, einst Befreiungskämpfer, letztlich machtgieriger, langjähriger Alleinherrscher, hat dem Land stark geschadet. Nachfolger versprachen Besserung, verschärften die Misere aber nur. Simbabwe ist gebeutelt. Menschen kämpfen Tag für Tag ums Überleben, sind auf Zustupf von ausgewanderten Verwandten angewiesen. Keine guten Zeiten, um über Gleichberechtigung zu reden.

Rosewita Katsande tut es trotzdem. Sie bietet etwa Leadership-Kurse an, fordert die Teilnehmerinnen auf, ihre Rechte und sich selbst kennen zu lernen. «Nur dann wissen sie, wohin ihr Weg führt und wie sie die Gemeinschaft mit modernen Gedanken beeinflussen können.» Sie erfreut sich an kleinen Erfolgen, wenn Teilnehmerinnen selbstsicherer aus dem Kurs gehen. Und noch mehr an grossen. Eine Absolventin ihres Programms habe es ins Parlament geschafft, eine andere baue eine eigene Organisation auf, um Frauen zu helfen.

Sie will neue Ideen in die Heimat bringen

Beneidet sie die Schweizer Frauen um deren Freiheit? Sie sei nicht hier, um eifersüchtig zu werden, sondern um ihre Geschichte zu erzählen und neue Ideen in ihre Heimat zu bringen. «Wenn ich mich das nächste Mal über meine Schwiegerfamilie ärgere, die meint, ich sollte mehr kochen, waschen, zum Kind schauen, denke ich daran, dass auch in der Schweiz noch nicht alles ausdiskutiert ist.» Und wieder ertönt es, ihr kraftvolles Lachen. Es sagt anderen Frauen: Kostet euer Leben aus, euer Potenzial. «Nichts ist stärker als eine Frau, die sich entschliesst, sich zu befreien.»