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Die Stadtluft in St.Gallen wird nur langsam sauberer

Seit vier Jahren ist die Stickstoffdioxid-Belastung in St.Gallen rückläufig. Dies ist aber noch kein Grund zum Aufatmen.
Sandro Büchler
Am Blumenbergplatz liegen die Stickstoffdioxid-Werte im Jahresmittel noch immer über dem gesetzlichen Grenzwert. (Bild: Urs Bucher)

Am Blumenbergplatz liegen die Stickstoffdioxid-Werte im Jahresmittel noch immer über dem gesetzlichen Grenzwert. (Bild: Urs Bucher)

Eigentlich wäre die Nachricht ein Grund zur Freude: Der Anteil von Stickstoffdioxid in der St.Galler Stadtluft sinkt tendenziell. Zum Beispiel an der stark befahrenen Blumenbergkreuzung: Nach einem Anstieg 2015 sind dort die Schadstoffwerte seither rückläufig. Mit 40 Mikro­gramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter ist der Schadstoffwert auf dem Blumenbergplatz aber noch immer über dem gesetzlichen Grenzwert von 30 Mikrogramm (siehe Grafik). Auch bei den Messstationen an der St.Georgen-Strasse und an der Ludwigstrasse im Rotmonten-Quartier sind die Werte in den vergangenen Jahren langsam gesunken.

Hinweis: Der Messstandort an der Rorschacher-Strasse wurde 2014 aufgehoben.

Hinweis: Der Messstandort an der Rorschacher-Strasse wurde 2014 aufgehoben.

Weniger Stickoxide in der Luft, das freut Dominik Noger, Sektionsleiter Luftqualität des Kantons St.Gallen. Auch wenn der Grenzwert an stark befahrenen Orten weiter überschritten werde, sei der Rückgang positiv, sagt Noger. «Die Luft ist klar sauberer.» Den Abwärtstrend erklärt er sich mit der 2014 von der Europäischen Union eingeführten Euro-6-Norm, die für alle neu zugelassenen Lastwagen auch in der Schweiz gilt.

«Durch die neue Motorentechnologie nimmt der Schadstoffausstoss ab.»

Nun kämen diese Normen langsam zum Tragen und seien in den Messwerten sichtbar, die von Ostluft, der gemeinsamen Luftqualitätsüberwachung der Ostschweizer Kantone, erhoben werden.

Augenmerk auf schädlichem Feinstaub

Auch Harry Künzle, Leiter der Dienststelle Umwelt und Energie der Stadt St.Gallen, sieht in den «umweltfreundlicheren» Lastwagen den Hauptgrund für die sinkenden Schadstoffwerte. Von «gesunder Luft» sei man aber noch immer weit entfernt. «Der Feinstaub beeinträchtigt die Luftqualität mittlerweile weitaus stärker als das Stickstoffdioxid», sagt Künzle. Denn Feinstaub ist gemäss wissenschaftlichen Erkenntnissen wesentlich gesundheitsschädlicher als Stickstoffdioxid.

Die Unterschiede an den verschiedenen Messstationen in der Stadt hätten zwei Gründe, sagt Künzle. «Die Ludwigstrasse ist auf dem Berg, da trägt der Wind die NO2-Partikel davon.» Wenn sich im Sommer hingegen auf dem Blumenbergplatz die Hitze zwischen den Häuserzeilen staue, kämen auch die Schadstoffe in der Luft nicht weg. Der zweite Grund für den Unterschied ist offensichtlicher: «Auf dem Rosenberg hat es ganz einfach weniger Verkehr.»

«Es könnte schneller gehen»

Künzle erwähnt die Errungenschaften, die St. Gallen in den vergangenen 30 Jahren zur Verbesserung der Luftqualität erreicht habe. «Früher waren Öl- und Gasheizungen wahre Stickoxid-Schleudern.» Die hohen Emissionen seien aber als Folge der in den 1980er-Jahren eingeführten Luftreinhalteverordnung markant gesunken. Zwar heizten in der Gallusstadt 2018 noch immer 20 Prozent mit Öl. Doch mehr und mehr Haushalte werden ans städtische Fernwärmenetz angeschlossen oder ersetzen die alte Heizung durch eine Wärmepumpe, sagt Künzle. «Jede Heizung, die man so wegbringt, hilft der Luftqualität in der Stadt und im Quartier.»

Was man punkto Ersatz der Heizungen in den vergangenen Jahrzehnten erreicht habe, sei eine grosse Leistung. Ein grosses Problem bleibe aber der Verkehr. Auf die individuelle Fahrzeugwahl habe die Stadt laut Künzle wenig Einfluss – Ausnahme sei der Stadtbus. Mit der Erneuerung der Dieselflotte der VBSG-Busse durch Elektrofahrzeuge könne die Stadt viel zur Verbesserung der örtlichen Luftqualität beitragen.

Doch die sich jetzt abzeichnenden rückläufigen Schadstoffwerte seien noch kein Grund für Euphorie, fügt Künzle zum Schluss hinzu. Der Trend gehe zwar in die richtige Richtung. «Aber es könnte schneller gehen.»

«Ostluft» überwacht die Luftqualität

In der Ostschweiz wird unter dem Namen Ostluft die Luftqualität überwacht. Zu Ostluft gehören die Kantone Glarus, St.Gallen, Schaffhausen, Thurgau, Zürich, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden und das Fürstentum Liechtenstein sowie Teile des Kantons Graubünden. In diesem Gebiet wird an über 20 Standorten die Luftqualität anhand der Leitschadstoffe Stickstoffdioxid (NO2), Feinstaub PM10 und Ozon (O3) mit automatischen Messstationen erfasst. Seit 2001 werden die Daten gemeinsam erhoben, ausgewertet und die gewonnenen Erkenntnisse veröffentlicht.

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