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Die Stadt St.Gallen will in der E-Mobilität zulegen

Noch fahren erst 213 Elektroautos auf den Stadtsanktgaller Strassen. Doch am Elektroantrieb führe kein Weg vorbei, sagt Stadtrat Peter Jans. Auch wenn es schwierig werden dürfte, die Tausender-Marke in allzu naher Zukunft zu knacken.
Interview: Roger Berhalter
Besitzt selbst kein Auto, fährt aber Mobility: Stadtrat Peter Jans. (Bild: Michel Canonica)

Besitzt selbst kein Auto, fährt aber Mobility: Stadtrat Peter Jans. (Bild: Michel Canonica)

Peter Jans, fahren Sie selber elektrisch?

Wir haben privat kein Auto. Ich fahre aber ab und zu Mobility. Wenn die Carsharing-Parkplätze am Gaiserbahnhof wieder in Betrieb sind, werde ich wieder elektrisch fahren.

In der Stadt St. Gallen sind nur 213 Elektrofahrzeuge unterwegs. Sind Sie mit dieser Zahl zufrieden?

Ich würde mir natürlich wünschen, dass sich die Technologie schneller durchsetzt. Wie zum Beispiel in Norwegen. Dort investiert der Staat viel in die Förderung von Elektrofahrzeugen und der nötigen Infrastruktur.

Auch Sie fördern die Elektromobilität seit 2015 mit Geld aus dem Energiefonds. Wer ein Elektroauto kauft, erhält von der Stadt bis zu 5000 Franken. Wirkt diese Massnahme?

Wir sind nicht schlecht unterwegs. Auch wenn es schneller gehen dürfte. Bei unserer Fördermassnahme handelt es sich um eine Anschubfinanzierung. Wir wollen das Umsteigen von Benzin- auf Elektroantrieb belohnen.

E-Mobilität ist in St. Gallen immer noch eine Nische. Nicht einmal jedes hundertste Auto in der Stadt fährt mit Elektroantrieb. Tun Sie zu wenig?

Wir tun, was wir können. Man muss sehen, dass unser Handlungsspielraum als Stadt beschränkt ist. Ich bin aber überzeugt, dass die Entwicklung hin zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen unumkehrbar ist. Die Technologie steht noch am Anfang, aber an der Schwelle zum Massenmarkt. Der Verbrennungsmotor wird früher oder später verschwinden.

Warum setzen Sie auf Elektromobilität? Sie wird nicht alle Verkehrsprobleme lösen. Auch Elektroautos brauchen Platz und stecken im Stau.

Ja, deshalb gilt es nach wie vor, den ÖV zu fördern. Elektroautos verursachen aber viel weniger Emissionen als fossilbetriebene Fahrzeuge – vorausgesetzt natürlich, der Strom stammt aus erneuerbaren Energien. Woher kommt der Strom? Das ist die entscheidende Frage. Deshalb unterstützen wir auch nur jene Autobesitzer, die von den Stadtwerken Ökostrom beziehen. Wir müssen aber unbedingt beim Verkehr ansetzen, wenn wir die CO2-Emissionen reduzieren und die Ziele des Energiekonzepts 2050 erreichen wollen. Heute ist 96 Prozent des Verkehrs noch fossil betrieben.

Auch in der Stadtverwaltung setzen Sie auf elektrische Autos. Wie viele Mitarbeiter sind schon so unterwegs?

Der Anteil ist gering. Die Stadtverwaltung hat derzeit 20 Elektroautos in Betrieb. Sieben davon kamen im vergangenen Jahr dazu.

Wer fährt in der Stadt St. Gallen sonst noch Elektroauto?

Das wissen wir nicht im Detail. Etwa einen Drittel aller Elektroautos haben wir mit unseren Fördergeldern vergünstigt. Von diesem Bestand ist ein Viertel in Privatbesitz, drei Viertel sind Firmenfahrzeuge.

Viele scheuen sich noch davor, ein Elektroauto zu kaufen. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Staatliche Zuschüsse hin oder her: Elektroautos sind teuer.

Wer genau rechnet, für den ist der Preis kein Hindernis. Ja, der Anschaffungspreis eines Elektroautos liegt höher als bei einem mit Verbrennungsmotor. Dafür sind die Betriebskosten sehr tief, und auch der Unterhalt ist sehr günstig. Über den ganzen Lebenszyklus gesehen, sind Elektroautos heute schon gleichwertig.

Mit einer Batterieladung kommt man aber nicht weit. Ist die geringe Reichweite ein Nachteil?

Auf den ersten Blick ja. Aber wann fährt man im Alltag schon länger als 200 Kilometer am Stück? Gravierendere Nachteile finde ich die immer noch kleine Auswahl an Fahrzeugmodellen. Oder die Entsorgung und Wiederverwertung der Batterien, das ist noch nicht gelöst. Aber wer jetzt genüsslich alle Nachteile der Elektromobilität aufzählt, tut dieser Technologie unrecht.

Warum?

Das ist, als würde man den Verbrennungsmotor von 1900 zum Massstab nehmen. Seither hat sich die Technologie entscheidend weiterentwickelt, und auch beim Elektroantrieb wird es eine solche Entwicklung geben.

Bis Ende 2020 wollen Sie in St. Gallen 1000 Elektroautos auf die Strasse bringen. Ist dieses Ziel realistisch?

Das könnte schwierig werden. Um in St. Gallen auf 1000 zu kommen, müssen wir noch um einiges zulegen. Das Ziel basiert aber auch nicht auf konkreten Berechnungen, sondern gibt vor allem die Richtung vor, und die ist klar. Elektrofahrzeuge verursachen kaum Emissionen, sind sehr effizient und machen keinen Lärm.

Auch die Stadtbusse sollen bald ohne Diesel fahren. Wann ist es soweit?

Bei den alternativen Antrieben ist derzeit vieles im Fluss. Es ist unmöglich zu sagen, welche Technologie für uns in fünf Jahren die sinnvollste sein wird. Derzeit brauchen wir die Dieselbusse noch als Reserve, damit wir im Betrieb flexibel bleiben. Im Moment ist auch noch nicht vorstellbar, dass unsere Busse auf den längeren Strecken einen ganzen Betriebstag lang mit nur einer Batterieladung. Wir werden aber immer längere Strecken ohne Fahrleitungen zurücklegen können. Und bald erhalten wir den ersten Batteriebus, dann können wir Erfahrungen sammeln.

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