Die Stadt vertröstet das Riethüsli: Bis zum Schulhausneubau müssen die Kinder zur Tagesbetreuung an die Oberstrasse

Das Quartier bekommt für die Tagesbetreuung kein Provisorium. Die Stadt hält definitiv am Entscheid fest.

Christoph Renn
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Eltern lauschen gespannt den Ausführungen bezüglich Tagesbetreuung im Riethüsli.

Eltern lauschen gespannt den Ausführungen bezüglich Tagesbetreuung im Riethüsli.

Bild: Michel Canonica

«Diese Lösung ist aber nicht optimal»: So kommentiert eine Mutter die Ausführungen von Stadtrat Markus Buschor, Vorsteher der Direktion Bildung und Freizeit. Er hat im Eingangsbereich des Schulhauses Riethüsli interessierte Bewohner über die Zukunft des Horts im Quartier informiert. Buschor hat sich an diesem Mittwochabend in die Höhle des Löwen gewagt. Denn seit bekannt ist, dass der private Hort im Riethüsli Ende Schuljahr geschlossen wird, hat das Quartier beim Stadtrat Druck gemacht.

Nun hat Markus Buschor zusammen mit Tanja Rissle, Leiterin der Abteilung Tagesbetreuung, eine Nachfolgelösung präsentiert. «Es handelt sich dabei um eine Übergangslösung», wie beide an diesem Abend mehrmals betonen. Deshalb könne sie auch nicht optimal sein. Eines schickt Tanja Rissle ihrer Rede am Informationsabend voraus:

«Obwohl ich auf der Verwaltung arbeite, bin ich eine Gestalterin.»

Und ihr liegen die Kinder der Stadt am Herzen. Wohl spürt sie schon die kritischen Blicke der anwesenden Mütter und Väter. Zu Beginn präsentiert Rissle nochmals die harten Fakten fürs Riethüsli: Der private Hort schliesst Ende Schuljahr, die Stadt verzichtet bis zum Bau des neuen Schulhauses auf ein Provisorium, geeignete Räumlichkeiten für den Betrieb der Tagesbetreuung im Quartier gibt es nicht.

Doch gebe es auch positive Neuigkeiten: «Wir haben ein Konzept erarbeitet, das den Eltern und Kindern ein besseres und günstigeres Angebot als bisher zur Verfügung stellt.» Anders gesagt: Ab dem kommenden Schuljahr garantiert die Stadt, wie in allen anderen Quartieren, auch für die Kinder des Riethüslis ein Betreuungsangebot von 7 bis 18 Uhr.

Räume mit den Schülern des «St.Leonhard» teilen

Die Übergangslösung hat jedoch einen entscheidenden Haken: Die Kinder müssen für die Nachmittagsbetreuung an die Oberstrasse. Dort teilen sie dann die Räumlichkeiten mit den Schülerinnen und Schülern des Schulhauses St.Leonhard.

Nur die Betreuung zwischen 7 bis 8 Uhr und der Mittagstisch sind im Quartier möglich. Dazu nutzt die Stadt die Räumlichkeiten an der Teufener Strasse 146/148, wo sie bereits einen Mittagstisch betreibt, und den Pavillon, wo bis im Sommer der private Hort untergebracht ist. «Für die Stunden am Nachmittag erfüllen diese Räume jedoch die Anforderungen, welche die Stadt für die bedarfsgerechte Tagesbetreuung festgelegt hat, nicht», sagt Rissle. So bräuchten die Gebäude unter anderem eine grosse Küche, Büroräume und ein grosses Lager. Erste enttäuschte Kommentare füllen nach diesen Ausführungen den Eingangsbereich des Schulhauses Riethüsli.

Tanja Rissle setzt ihre Ausführungen jedoch unbeirrt weiter und stellt klar, dass die Stadt für den begleiteten Transport der Kinder vom Riethüsli an die Oberstrasse Verantwortung trage. «Es kommt auch in anderen Quartieren vor, dass einige Kinder mit dem Bus zur Tagesbetreuung chauffiert werden müssen.»

Der Entscheid pro Oberstrasse hätten sie vor allem deshalb getroffen, weil es in den Räumlichkeiten an der Teufener Strasse keine Möglichkeit gibt, draussen zu spielen, und sie auch verkehrstechnisch nicht optimal seien. Rissle sagt:

«Aus unserer Sicht ist es besser, vier Minuten mit dem Bus fahren zu müssen, als den ganzen Tag drinnen zu verbringen.»

Wie der Transport dann im Detail aussehe, müsse man dann mit den Betroffenen im Einzelnen besprechen.

Neu gibt es auch ein Angebot während der Ferien

Insgesamt bietet die Stadt mehr Betreuungsplätze an, als es bisher im Riethüsli gibt. Zudem gibt es ab dem neuen Schuljahr ein Ferienangebot und auch eine Betreuung am Mittwochnachmittag. Trotzdem könne es sein, dass es nicht genügend Plätze für alle geben werde. «Wie will ich mein Leben planen, wenn ich nicht weiss, wann und ob mein Kind in die Tagesbetreuung kann?», fragt eine besorgte Mutter Tanja Rissle. Eine mögliche Warteliste sei im Notfall leider nicht zu verhindern, antwortet diese ehrlich. Doch nun gelte es einmal zu starten und die Anmeldungen abzuwarten. Deshalb bitte sie um Vertrauen in ihre Arbeit.

Kommentar

Geduldsprobe für das ganze Quartier

Frühestens ab dem Schuljahr 2025/2026 wird das neue Schulhaus im Riethüsli bezugsbereit sein. Bis dahin müssen Eltern mit einer Übergangslösung leben, was die ausserfamiliäre Betreuung ihrer Kinder angeht – eine schier unendliche Geschichte.
Daniel Wirth