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Die Stadt St.Gallen wird zum E-Velo-Eldorado

Die Nachfrage nach E-Bikes wächst ungebrochen. Doch der Trend setzt die Velohändler der Stadt auch unter Druck.
Christoph Renn
E-Bikes erobern St.Gallen im Sturm. Eine Velostadt ist sie deswegen aber noch nicht. Bild: Benjamin Manser

E-Bikes erobern St.Gallen im Sturm. Eine Velostadt ist sie deswegen aber noch nicht. Bild: Benjamin Manser

Erstmals in der Geschichte hat die Branche im vergangenen Jahr mehr Umsatz mit Elektrofahrrädern erwirtschaftet als mit herkömmlichen Velos. Branchenkenner Urs Rosenbaum beziffert im «Marktbulletin 2018» den Gesamtumsatz aus dem Fahrzeugverkauf auf 1,086 Milliarden Franken, wie die NZZ schreibt. 58,5 Prozent entfielen dabei auf motorisierte, 41,5 Prozent auf unmotorisierte Velos. Diesen Trend spüren auch die lokalen Velohändler der Stadt. Die Nachfrage steige jedes Jahr, sind sie sich einig.

Einer der ersten, der in der Stadt auf E-Bikes gesetzt hat, ist Bruno Pfiffner, Inhaber von Velo Pfiffner. Ich habe die ersten Modelle schon im Jahr 1993 angeboten. Und er mag sich noch genau erinnern: «Damals wurde wir belächelt», sagt er. Die elektrifizierten Velos von damals könnten jedoch nicht mit den modernsten Fahrrädern verglichen werden. «Die Technologie der Batterien hat in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung erlebt.» Trotz des Booms um E-Bikes sei das Geschäft für ihn aber nicht einfacher geworden: «Am Anfang waren wir noch drei Anbieter in St.Gallen. Heute sind es rund 25 Velohändler.»

Die Kundschaft wird immer jünger

Verändert hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur die Technologie, sondern auch die Kundschaft. «Heute ist sie sehr durchmischt», sagt ein M-Way-Mitarbeiter. Die Kundinnen und Kunden seien jünger geworden. Diese Entwicklung beobachtet auch Bruno Pfiffner.

«Am Anfang waren es vor allem Stromfans, die ein E-Bike gekauft haben.»

Als Flyer im Jahr 2003 den ersten Tiefeinsteiger auf den Markt brachte, hätten sich primär ältere Leute für die neuen Velos interessiert. Von Jahr zu Jahr seien die Kundinnen und Kunden jünger geworden. «Für viele ist das E-Bike heute ein Autoersatz», sagt er. Mit den elektrifizierten Fahrrädern könnten auch der wöchentliche Grosseinkauf erledigt oder die Kinder im Anhänger transportiert werden.

Die meisten nutzen die E-Bikes laut Bruno Pfiffner auch heute noch für den Arbeitsweg. «Ich kenne einen, der pendelt seit dem Kauf des E-Velos jeden Tag zwischen Wil und Zürich.» Aber auch Strecken von Arbon, Rorschach oder Heiden nach St.Gallen können mit der elektrischen Unterstützung nun mit dem Velo zurückgelegt werden. «Und das, ohne dass man total verschwitzt zur Arbeit kommt.» Auch für Mountainbiker eröffnen die elektrifizierten Fahrräder neue Möglichkeiten. «Mit den E-Bikes können ungeübte Fahrer Strecken und Trails nutzen, die früher zu streng für sie waren», sagt der Mitarbeiter von M-May. Mit den elektrifizierten Mountainbikes interessieren sich auch immer mehr junge Leute für die neue Technologie.

«Das Velo bleibt ein Velo und ist kein Töff»

Mit gemischten Gefühlen verfolgt René Barth von Velo Stern die Entwicklung: «Wir haben bis Ende 2017 keine E-Bikes verkauft», sagt er. Für ihn sei ein Velo immer noch ein Velo und kein Töff, auch wenn dieser elektrisch betrieben sei. Doch auch er musste mit dem Trend gehen, weil die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Velos immer grösser wurde. Ihm gehe es immerhin um seine Existenz.

«Ich habe das Gefühl, dass in der Stadt nur noch E-Bikes unterwegs sind.»

Je länger er sich jedoch mit der Technologie auseinandersetzte, desto spannender werde die Thematik für ihn. «Ich bin sehr gespannt auf die neuen Modelle der kommenden Saison.» Denn bei den Veloanbietern habe ein regelrechtes Wettrüsten begonnen.

Bei einem Punkt sind sich alle Velohändler einig: Die neuen E-Velos bringen neue Möglichkeiten, aber auch Gefahren. «Unabhängig des Könnens der Fahrer sind alle schnell unterwegs», sagt René Barth (siehe Zweittext). Die Anzahl E-Bike-Unfälle mit Verletzten steigt Jahr für Jahr an. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen der Unfallstatistik 2018 des Kantons: Während 2014 noch 26 E-Bike-Fahrer verunfallten, hat sich die Zahl 2018 mit 66 Unfällen mehr als verdoppelt. Alleine in der Stadt waren es in diesem Jahr bereits acht Unfälle.

Noch ist St.Gallen keine Velostadt

Trotz mehr Velos auf dem städtischen Strassennetz ist St.Gallen noch keine Velostadt. «Mit dem E-Bike ist es zwar kein Problem mehr nach St.Georgen oder Rotmonten zu radeln», sagt Bruno Pfiffner. Doch die neue Technologie alleine reiche nicht, damit sich St.Gallen zu einer Velostadt entwickle: «Auf den Strassen gibt es zu wenig Platz für Fahrräder.» Er hält der Stadt aber zugute, dass sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan habe.

Der städtische Verkehrsplaner Christian Hasler. (Bild: Ralph Ribi)

Der städtische Verkehrsplaner Christian Hasler. (Bild: Ralph Ribi)

Der städtische Verkehrsplaner Christian Hasler bestätigt, dass ein gewisser Nachholbedarf bezüglich Veloinfrastruktur besteht. «Auf der Rorschacher und der Zürcher Strasse haben wir auf vielen Abschnitten Radstreifen eingerichtet.» Aufgrund der engen Platzverhältnisse sei jedoch immer ein Abwägen, welche Bedürfnisse wie viel Platz erhalten. «Wir versuchen dabei im Sinne des Mobilitätskonzeptes Verbesserungen für den Langsamverkehr zu schaffen», sagt Hasler.

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