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Die Stadt St.Gallen kauft sich ein Naturjuwel

Nach langen Bemühungen kann St.Gallen das Areal der Burgweier erwerben. Der Kauf ist schon unter Dach und Fach. Kurzfristig soll die grösste innerstädtische Grünfläche für die Bevölkerung geöffnet werden. Was darauf langfristig geschehen soll, wird Gegenstand von Studien sein.
Reto Voneschen
Blick über den einen der Burgweier zum Tröckneturm. Der 1828 erstellte Holzturm ist ein wichtiger Zeuge der Stadtsanktgaller Textilgeschichte: Aussen und innen wurden hier einst Stoffbahnen, die in der benachbarten Färberei bearbeitet worden waren, zum Trocknen aufgehängt. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

Blick über den einen der Burgweier zum Tröckneturm. Der 1828 erstellte Holzturm ist ein wichtiger Zeuge der Stadtsanktgaller Textilgeschichte: Aussen und innen wurden hier einst Stoffbahnen, die in der benachbarten Färberei bearbeitet worden waren, zum Trocknen aufgehängt. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

Schon die Einladung zur Medienorientierung war vergangene Woche eine handfeste Überraschung: Die Stadt St.Gallen kann das Areal der Burgweier am Westrand des Lachen- und des St.Otmar-Quartiers von Hans Jörg Schmid und seiner Sperlina AG kaufen. In den vergangenen 100 Jahren gab’s bereits einige, nie von Erfolg gekrönte Anläufe in dieser Richtung.

Die letzte grosse Auseinandersetzung um die Burgweiher liegt 15 Jahre zurück. Im Herbst 2004 musste das städtische Stimmvolk zu einer Umzonung Stellung nehmen. Sie wollte durch das Schliessen einer Baulücke in der Ecke Burg- und Fürstenlandstrasse die finanziellen Voraussetzungen für eine Öffnung und ökologische Aufwertung des Burgweiher-Areals schaffen. Diese Umzonung scheiterte damals an der Abstimmungsurne, worauf das Areal im Dornröschenschlaf versank.

Areal «teilweise geschenkt»

Stadträtin Maria Pappa und ihr Stabschef Matthias Fuchs können mit dem Kauf der Burgweier jetzt eine unendliche Geschichte zu einem glücklichen Ende bringen. Politisch ist der Kauf der Burgweier durch die Stadt bereits unter Dach und Fach. Die dafür zuständige Liegenschaften- und Baukommission (LBK) des Stadtparlaments hat dem Geschäft vergangene Woche einstimmig zugestimmt.

Darüber, wie viel die Stadt für die neun Hektaren grosse Fläche mit den beiden Weihern und dem historisch wertvollen Tröckneturm bezahlt, wurde im Kaufvertrag Stillschweigen vereinbart. Die Finanzkompetenz der LBK gibt aber einen ersten Rahmen für den Kaufpreis vor: Er liegt zwischen 500'001 und sechs Millionen Franken.

Der Preis, den die Stadt tatsächlich bezahle, sei angesichts der Grösse und der Bedeutung des Areals aber nicht hoch angesetzt, versicherte Stadträtin Maria Pappa am Montag an der Medienorientierung im Tröckneturm. Man dürfe sicher davon sprechen, dass Hans Jörg Schmid das Gebiet der Stadt teilweise geschenkt habe.

Für Eigentümer Hans Jörg Schmid ein Kopfentscheid

Für den langjährigen Eigentümer der Grünfläche war der Verkauf an die Stadt ein Kopfentscheid. Die Initiative dazu sei von Bausekretär Matthias Fuchs ausgegangen, der – nach früheren Kontakten – vor etwa zwei Monaten wieder auf ihn zugekommen sei. Er habe sich dann Bedenkzeit ausbedungen und das Thema auch mit seiner Familie besprochen.

Medienorientierung vom Montagmittag im Tröckneturm (von rechts nach links): Verkäufer Hans Jörg Schmid, Stadträtin Maria Pappa und Bausekretär Matthias Fuchs informieren über den Erwerb des Areals der Burgweier durch die Stadt. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

Medienorientierung vom Montagmittag im Tröckneturm (von rechts nach links): Verkäufer Hans Jörg Schmid, Stadträtin Maria Pappa und Bausekretär Matthias Fuchs informieren über den Erwerb des Areals der Burgweier durch die Stadt. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

«Der Bauch» habe Nein zum Verkauf gesagt, schliesslich habe sich aber «der Kopf» durchgesetzt, sagte Hans Jörg Schmid am Montag vor den Medienschaffenden. Er selber habe bei einem gescheiterten Bauprojekt am Burgweier erleben müssen, dass Neid und Missgunst in St.Gallen Vieles verhindere. Das zeige ihm, dass eine Privatperson keine Chance habe, das Burgweier-Areal weiterzuentwickeln. Bei der Stadt sehe das anders aus: Sie könne hier eine sinnvolle bauliche Entwicklung anstossen.

Eine solche sei unbedingt nötig, um die Stadt weiterzubringen: Nach der Textilkrise sei in den vergangenen 99 Jahren in St.Gallen schon viel zu viel verpasst worden. Eine bauliche Entwicklung im Burgweier-Areal, so betonte Hans Jörg Schmid, sei bei gleichzeitigem Schutz des Kerns der Naturoase möglich. Das hätten ihm Gespräche mit Arthur Stehrenberger vom Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung (NVS) nach dem Kauf des Gebiets 1988 gezeigt.

Stadt sieht Burgweier als «naturnahen Leuchtturm»

Was im Areal der Burgweier in dieser Beziehung tatsächlich möglich ist, will die Stadt langfristig ebenfalls prüfen. Im Vordergrund steht dabei eine Randbebauung. Dafür werde man eine Studie unter Beizug auch von Öko-Fachleuten erstellen, versicherte Stadträtin Maria Pappa gestern vor den Medien.

Der obere Burgweier. Im Hintergrund ist knapp die Burg Waldegg zu erkennen, zu der das Areal einst gehörte. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

Der obere Burgweier. Im Hintergrund ist knapp die Burg Waldegg zu erkennen, zu der das Areal einst gehörte. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

Langfristig will die Stadt auf jeden Fall die Grünstrukturen im Areal verbessern und so auch eine Steigerung der Artenvielfalt erreichen. Das Areal soll einerseits «als überregionaler naturnaher Leuchtturm» etabliert werden, anderseits aber auch ein Erholungsraum für die Bevölkerung sein – allerdings ohne intensive Erholungseinrichtungen wie etwa einem Schwimmbad.

So rasch als möglich öffnen

Kurzfristig will die Stadt das Areal der Burgweier für die Bevölkerung öffnen. Das soll gemäss Mathias Fuchs so schnell als möglich nach Abwicklung des Landgeschäfts erfolgen. Dafür sind bauliche und gestalterische Massnahmen nötig. So soll der Zaun ums Areal entfernt werden. Gleichzeitig werden Zugänge erstellt sowie Hecken und einzelne Bäume gepflanzt.

Das Areal der Burgweier ist heute eine landwirtschaftlich extensiv genutzte Naturoase. Die Stadt will das Gebiet längerfristig ökologisch aufwerten und zu einem naturnahen Leuchtturm machen. Gleichzeitig soll er als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung erschlossen werden. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

Das Areal der Burgweier ist heute eine landwirtschaftlich extensiv genutzte Naturoase. Die Stadt will das Gebiet längerfristig ökologisch aufwerten und zu einem naturnahen Leuchtturm machen. Gleichzeitig soll er als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung erschlossen werden. (Bild: Hanspeter Schiess - 16. September 2019)

Ebenfalls geplant sind rund um und zwischen den Weihern Fusswege, Plätze und eine einfache Möblierung. Die Wasserflächen selber werden nicht zugänglich sein, sondern mit einem Holzzaun abgesperrt. Möglichst schon im Winter 2019/20 soll im Areal eine Langlaufloipe präpariert werden.

Zeuge der Textilgeschichte und Naturoase

(vre) Das Areal der Burgweier ist mit neun Hektaren die grösste zusammenhängende Grünfläche innerhalb des Siedlungsgebiets der Stadt St.Gallen. Es besteht aus zwei - von ehemals vier - Weihern. Deren Ufer sind dicht von Hecken und Bäumen bewachsen. Zwischen den Weihern gibt es ein mooriges Feuchtgebiet. Rund um die Weiher erstrecken sich heute landwirtschaftlich extensiv genutzte Wiesenflächen.

Auf dem Areal der Burgweier gibt es noch zwei Gebäude, nämlich den Tröckneturm und eine grosse Scheune. Der Tröckneturm von 1828 wurde vor Jahren grundlegend saniert. Ins Erdgeschoss wurden Räume für öffentliche Veranstaltungen eingebaut. Der Turm wird von der Stiftung Tröckneturm genutzt. Das wird sich mit dem Verkauf des Areals an die Stadt nicht ändern.

Oben im Tröckneturm existiert eine grosse Mauersegler-Kolonie. Die Zugvögel werden hier durch den Ornithologen des Naturschutzvereins Stadt St.Gallen und Umgebung (NVS) betreut. Das Areal der Burgweier ist seit 1972 ein Naturschutzgebiet. Es ist heute im städtischen Zonenplan der Grünzone S zugeteilt und gilt damit als Schutzgegenstand. So ist es insbesondere unmöglich, im Areal neu zu bauen; allfällige Bauparzellen müssten vor der Realisierung von Projekten umgezont werden.

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