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Die Stadt St.Gallen befindet sich bezüglich Solarenergiepotenzial noch nicht auf der Sonnenseite

St.Gallen nutzt das Solarenergiepotenzial unterdurchschnittlich, sagt der WWF. Die Stadt rechnet anders.
Diana Hagmann-Bula
Die Solarenergieanlagen in der Stadt produzieren Strom für fast 3000 Haushalte. Noch besteht aber viel Potenzial. (Bild: Benjamin Manser)

Die Solarenergieanlagen in der Stadt produzieren Strom für fast 3000 Haushalte. Noch besteht aber viel Potenzial. (Bild: Benjamin Manser)

Wie viel Potenzial für Solarenergie besteht in der Schweiz? Und welche Gemeinde nutzt es bisher am besten? Diesen Fragen geht der Umweltverband WWF in einer neuen Studie nach. Die Stadt St.Gallen liegt demnach im Mittelfeld, aber unter dem landesweiten Durchschnitt: Rund 3 Prozent der geeigneten Dachflächen sind in der Schweiz mit Fotovoltaikanlagen versehen. In der Stadt St.Gallen liegt die Quote bei 2,5 Prozent. Der kantonale Spitzenreiter Wartau bringt es auf 15,96 Prozent, Schlusslichter wie Quarten auf 0,3 Prozent.

Stadtrat Peter Jans lässt sich seinen grünen Optimismus von der Erhebung nicht nehmen. «In kleinen Gemeinden müssen nur ein paar Scheunendächer genutzt sein und schon steigt die Quote nach oben. In einer Stadt mit 80000 Einwohnern braucht es schon mehr», relativiert er die Studie. Und fügt an: «Wir berechnen das Potenzial etwas anders und glauben uns auf gutem Weg, auch wenn das Ziel noch weit weg liegt.»

Bis 2050 will die Stadt zehnmal mehr Solarstrom produzieren als heute. Auf Stadtgebiet seien momentan knapp 10 Prozent des Solarenergiepotenzials genutzt. «Wir haben realistisch und pragmatisch gerechnet», sagt Jans. Objekte, die unter Denkmalschutz stehen, oder bedingt geeignete Dächer – etwa solche mit vielen Fenstern, welche eine Anlage stark verteuern würden – hat die Stadt gar nicht erst einbezogen. Der WWF dürfte bei der Auswahl potenzieller Objekte grosszügiger vorgegangen sein.

Zwei neue Anlagen in Winkeln

Der WWF hat das Nutzungspotenzial auch nach Postleitzahl aufgeschlüsselt. Am besten schneidet das Neudorf mit 4,46 Prozent ab. «Möglicherweise weil es dort Industriedächer hat, die sich für Solarenergieanlagen gut eigenen», sagt Jans. Bald schon könne jedoch ein anderer Stadtteil an der Spitze liegen: In Winkeln (2,94%) entstehen auf den Dächern der DGS Druckgusssysteme AG und der Schläpfer Altmetall AG zwei neue bedeutende Fotovoltaikanlagen; Betreiber sind die St.Galler Stadtwerke. «Diese Projekte sind in den WWF-Berechnungen noch nicht berücksichtigt.»

Strom für 3000 Haushalte

In der Stadt St.Gallen waren Ende Juni 320 Fotovoltaikanlagen in Betrieb. Sie produzieren in sonnigen Spitzenzeiten 11000 Kilowattstunden Strom, pro Jahr sind das 11000 Megawattstunden Strom. «Damit lassen sich fast 3000 Haushalte in der Stadt versorgen. Der Strom fällt aber vor allem im Sommer an», sagt Stadtrat Peter Jans.

Rotmonten (3,41%) liegt auf Platz zwei der städtischen Solarenergierangliste, gefolgt von St.Georgen (3,03%). Beides sonnenverwöhnte Gebiete mit bildungsnaher Bevölkerung, die offen fürs Thema Umweltschutz ist und die finanziellen Mittel hat, sich eine Solaranlage leisten zu können, so eine mögliche Interpretation. Peter Jans sagt: «In diesen Gebieten mit vielen Einfamilienhäusern lässt sich der Solarstromentscheid einfacher fällen als etwa in Heiligkreuz mit seinen vielen Mehrfamilienhäusern.» Nur der Hausbesitzer müsse zustimmen und nicht gleich eine ganze Stockwerkeigentümerschaft. Im Heiligkreuz beträgt das genutzte Solarenergiepotenzial denn auch nur 1,72 Prozent und damit leicht weniger als im Riethüsli (2,05%).

Tiefer ist die Quote nur in Bruggen (1,27%) und in der Innenstadt (1,17%). «Ich habe Verständnis dafür, dass im Gebiet rund um unser Kulturerbe das optische Interesse höher wiegt als jenes für Solaranlagen», sagt Jans. Zwar sind unterdessen ziegelrote Solarpanels erhältlich, die denkmalgeschützte Gebäude weniger verschandeln sollen als die bisherigen dunkel gefärbten Modelle. Jans erachtet den Einsatz in der Innenstadt vorerst dennoch für unangebracht: «Weshalb sollten wir Altstadtdächer mit Solarpanels versehen, solange es noch viele brachliegende Dächer in anderen Gebieten gibt, die man bestücken kann – ohne in Konflikt mit denkmalschützerischen Bedenken zu geraten?»

Ein Dach muss noch 20 Jahre halten

In den Industriegebieten im Osten und Westen der Stadt sieht er viel Potenzial. «Die grossen Dächer ermöglichen grosse Anlagen mit grosser Leistung zu guten Preisen. Das bringt schnelle Fortschritte», sagt er. Doch auch in sämtlichen anderen Quartieren würden noch viele geeignete Dächer freiliegen. Nur dauere es bei Privathäusern oft länger, bis sich eine Verbesserung abzeichne. Ein Dach müsse mindesten noch für 20 Jahre funktionstüchtig sein, damit sich der Einbau von Fotovoltaikpanels lohne, sagt der Direktor der Technischen Betriebe. «Meist geht der Bau einer Anlage darum mit einer Sanierung oder Erneuerung einher.»

Die Zeit sei gerade gut für grünen Strom, ist Jans überzeugt. «Öko» liegt im Trend. Ausserdem sind die Preise für Fotovoltaikanlagen stark gesunken.

«Nicht mehr nur für umweltbewusste Menschen, sondern auch für solche, die vor allem wirtschaftlich denken, ist Solarstrom plötzlich ein Thema.»

Hinzu kommt, dass der Bund die Bestimmungen gelockert hat: Für Solarstrom, den man selber verbraucht, fallen keine Netznutzungsgebühren mehr an.

Ein weiterer Anreiz: Die Stadt schiesst Privaten die Einspeisevergütung des Bundes wegen langer Wartezeit vor. Möglichkeiten, Solarstrom zu beziehen, gibt es immer mehr. Die 2012 gegründete Genossenschaft Solar, über deren Grossanlagen Genossenschafter Solarstrom beziehen können, zählt unterdessen 150 Unterstützer. Darunter befinden sich viele Mieter, aber auch Hausbesitzer, deren Dach schon verbaut ist. Und ab September ermöglicht die städtische Solargrossanlage Solar Community Einwohnern, für 300 Franken eine Solarstromeinheit einzukaufen.

Wer trotzdem unter die Eigenproduzenten gehen will: Wie geeignet ein Dach für eine Fotovoltaikanlage ist, verrät der Dachkataster der Stadt.

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