Gossau reduziert Saalmieten für Vereine: Einmal im Jahr kostet die Unterhaltung einen Bruchteil

Die Abendunterhaltung wird günstiger: Die Stadt Gossau verlangt von den Vereinen nur noch einen Bruchteil für ihre Säle. Der Spartarif gilt aber nur einmal im Jahr. Und es gibt Bedingungen.

Johannes Wey
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Nachwuchs des TV Gossau bei der Turnershow im Fürstenlandsaal: Ziel der Stadt ist, dass 90 Prozent der Jugendlichen Mitglied in einem Verein sind. (Bild: Ralph Ribi (25. November 2017))

Nachwuchs des TV Gossau bei der Turnershow im Fürstenlandsaal: Ziel der Stadt ist, dass 90 Prozent der Jugendlichen Mitglied in einem Verein sind. (Bild: Ralph Ribi (25. November 2017))

Verpflichtungen über mehrere tausend Franken, noch bevor das erste Bier verkauft wurde – dieses Ärgernis für Gossauer Vereine ist bald passé. Der Tarif für städtische Bauten und Anlagen wird auf das neue Jahr hin um die Kategorie V ergänzt. Vereine, die gewisse Bedingungen erfüllen, können so einmal im Jahr den Fürstenlandsaal für maximal 300 Franken pro Tag nutzen. Inbegriffen sind dabei alle Leistungen, vom Zapfhahn über den Licht- und Tontechniker bis hin zur Toilettenreinigung. Marktstübli, Markthalle oder Feuerwehrdepot sind neuerdings für 100 Franken pro Tag zu haben. Dauert der Anlass unter fünf Stunden, sind es teils noch weniger. In vielen Fällen beträgt der neue Sondertarif einen Bruchteil der bisherigen Gebühren.

Die Reduktion angestossen hat Stadtparlamentarier Alfred Zahner (Flig) mit einer Interpellation im November 2017. Im März dieses Jahres dann kündigte Stadträtin Gaby Krapf im Parlament an, eine Reduktion zu prüfen. Da die Vereine den Fürstenlandsaal auch künftig nicht völlig kostenlos nutzen können, mussten nur die Tarife und nicht das Reglement angepasst werden. Damit konnte der Stadtrat und nicht das Parlament abschliessend über das Geschäft entscheiden.

Ausschlusskriterien müssen sich noch bewähren

Bei der Stadt erwartet man durch die neue Regelung Ertragsausfälle von 30000 bis 40000 Franken jährlich, sagt Gaby Krapf. Dies wird sich in der laufenden Rechnung niederschlagen. «Öffentliche Infrastruktur ist nie kostendeckend.» Im Fall des Fürstenlandsaals hätten die Einnahmen von bisher knapp 300000 Franken im Jahr gut die Hälfte der Aufwendungen ausgemacht. Die Stadt sichert sich jedoch auch ab: «Wenn jemand Tabula rasa macht, können wir beispielsweise zusätzliche Reinigungsstunden in Rechnung stellen», sagt Krapf. Mit dem Entgegenkommen wolle man die Wertschätzung gegenüber den ansässigen Vereinen ausdrücken, welche das gesellschaftliche Leben in Gossau bereicherten. «Erklärtes Ziel der Stadt ist ja, dass 90 Prozent der Jugendlichen in einem Verein dabei sind.»

Gewisse Vereine versuchen das Reglement hingegen explizit auszugrenzen. In der Vergangenheit habe es einige Fälle gegeben, in denen Vereine von zumindest halbprofessionellen Veranstaltern eigens dazu gegründet worden seien, vom bereits bisher vergünstigten Tarif 1 zu profitieren. Nun besagt die Tarifordnung: «Es besteht kein Anspruch, in die Tarifgruppe V eingeteilt zu werden. Erfolgte die Gründung lediglich mit dem Zweck, den Tarif V oder 1 zu erhalten, wird der Verein oder die vereinsähnliche Gruppierung nicht anerkannt.»

Vereine, die vom Tarif V profitieren wollen, dürfen keinen gewerbsmässigen Hintergrund haben, müssen mindestens 15 Mitglieder zählen und zudem in Gossau ansässig sein, wozu auch Andwil-Arnegg zählt. «Wir werden sehen, wie sich diese Ausschlusskriterien bewähren», sagt Krapf.

Gratis wäre weniger transparent

Die reduzierten Tarife böten gegenüber einer kostenlosen Nutzung auch mehr Transparenz. «Selbst wenn die Stadt selbst einen Saal nutzt, muss die zuständige Stelle dafür Miete zahlen», sagt Gaby Krapf. Wenn der reduzierte Tarif einen Verein dennoch vor Probleme stelle, oder wenn er mehrere Anlässe pro Jahr durchführen wolle, könne er sich für Sponsoringbeiträge oder Defizitgarantien an den Stadtrat wenden. «Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass die Stadt die Vereine alles andere als stiefmütterlich behandelt», sagt Krapf.