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St. Gallen lockt als Arbeitsort, gewohnt wird aber lieber auswärts

Die Erwerbstätigen, die in der Stadt arbeiten und anderswo wohnen, werden ständig mehr. Die Zahl der Einwohner dagegen stagniert, ja sie sinkt sogar leicht. Diesem Trend will der Stadtrat entgegenwirken.
Daniel Wirth
Das Bleicheli nahe der Altstadt mit dem Raiffeisen-Hauptsitz: Hier sind in den vergangenen Jahren nach und nach Hunderte neue Arbeitsplätze entstanden, wo zuvor Wohnraum war. (Bild: Urs Bucher (3. November 2017))

Das Bleicheli nahe der Altstadt mit dem Raiffeisen-Hauptsitz: Hier sind in den vergangenen Jahren nach und nach Hunderte neue Arbeitsplätze entstanden, wo zuvor Wohnraum war. (Bild: Urs Bucher (3. November 2017))

Fast 60 Prozent der Frauen und Männer, die in der Stadt St. Gallen arbeiten, kommen von auswärts. Die Funktion der Kantonshauptstadt als Arbeitsort steht im Vordergrund. Das geht aus einer Erhebung vom Mai dieses Jahres der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen hervor. Die Zahl der Erwerbstätigen, die in St. Gallen wohnen und anderswo ihr Geld verdienen, ist wesentlich kleiner; nur jeder Dritte pendelt für die Arbeit von der Stadt weg.

Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin. (Bild: PD)

Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin. (Bild: PD)

Stadtpräsident Thomas Scheitlin kennt diese Zahlen. Sie beunruhigen ihn nicht, wie er sagt. Dieser Entwicklung könnten sich auch andere Schweizer Städte nicht entziehen. Scheitlin bezieht sich auf den Städtevergleich Mobilität aus dem Jahr 2015. Darin werden über einen Zeitraum von vier Jahren vergleichende Betrachtungen der Städte Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich angestellt, auch zu den Pendlerströmen.

Das Verhältnis zwischen Beschäftigten und Einwohnern im Alter zwischen 15 und 64 Jahren wird mit der sogenannten Arbeitsplatzdichte ausgewiesen. In St. Gallen gab es im Jahr 2014 auf einen Beschäftigten 1,53 Arbeitsplätze; das entspricht im Vergleich zu 2011 einer Zunahme von ungefähr zwei Prozent.

Bern, Zürich und Basel haben eine höhere Arbeitsplatzdichte

Im gleichen Zeitraum nahm die Arbeitsplatzdichte in Winterthur ebenfalls um zwei Prozent zu auf einen Wert von 0,95. Zum Vergleich: In Basel kletterte der Wert um ein Prozent auf 1,62 Beschäftigte pro erwerbsfähigen Einwohner. Noch höher ist die Arbeitsplatzdichte in Zürich (1,65) und in der Hauptstadt Bern (2,01). Allerdings ist dieser Wert in Zürich, Basel und Bern leicht rückläufig, während er in Luzern bei 1,44 stagniert.

Die grössten Deutschschweizer Städte haben eines gemeinsam: Sie locken Pendler an. St. Gallen liegt im Vergleich der Pendlerströme im Mittelfeld. «Wir haben in den vergangenen Jahren viel investiert in die Standortförderung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze», sagt Thomas Scheitlin. Als Beispiele nennt er «Startfeld» für Jungunternehmer oder das Branchennetzwerk «IT St. Gallen rockt!». In der Stadt sind viele Dienstleister niedergelassen, etwa die Hauptsitze zweier Banken (Raiffeisen und St. Galler Kantonalbank), grosse Versicherungen und IT-Unternehmen.

Es sind Hunderte neuer Arbeitsplätze entstanden

Im Bankensektor, in der Informatik und bei den Versicherungen seien neue Arbeitsplätze entstanden, sagt Scheitlin. Der Städtevergleich unterstreicht das: 2011 gab es in St. Gallen 76'400 Beschäftigte (Teilzeit und Vollzeit), 2014 waren es 80'200; das entspricht einer Zunahme von fünf Prozent in vier Jahren und ist der Spitzenwert im Vergleich der grössten Städte in der Deutschschweiz.

Dass die Hauptstadt als Arbeitsort Pendler anlockt, ist für den Stadtpräsidenten kein negativer Trend, wie er sagt. Nur: Zupendler zahlen in der Stadt keine Steuern. Dessen ist sich Scheitlin bewusst, sagt aber: «Wir haben auch Steuererträge von Unternehmen.» In der Rechnung 2017 werden diese mit rund 41 Millionen Franken ausgewiesen.

Zum Vergleich: Die Steuererträge von natürlichen Personen lagen im vergangenen Jahr bei 227 Millionen Franken oder 2,8 Millionen unter den Erwartungen. Demnach geht die Funktion der Stadt als Wohnort zurück. «Das haben wir erkannt: Die Schere sollte nicht weiter aufgehen», sagt Scheitlin. St. Gallen soll auch als Wohnort wieder attraktiver werden – und dies trotz eines im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden hohen Steuerfusses von 144 Prozentpunkten.

Um herauszufinden, welcher Wohnraum in der Stadt fehlt und gefragt ist, hat der Stadtrat der Direktion Planung und Bau eine Wohnraumstrategie in Auftrag gegeben (Tagblatt vom 12. März). Im nächsten Jahr wollen die Stadtplaner konkrete Handlungsfelder aufzeigen.

Auch Gossau und Wil haben mehr Zu- als Wegpendler

Auch im innerkantonalen Vergleich ist St. Gallen nicht die einzige Stadt, die mehr Zu- als Wegpendler hat – aber die mit der grössten Differenz. Gossau zählte in den Jahren 2014 bis 2016 durchschnittlich rund 7500 Zupendler oder etwa 1800 mehr als zur Jahrtausendwende. Die Zahl der Wegpendler entwickelte sich ungefähr parallel dazu. Ähnliches Bild in Wil: Dort arbeiteten auf Stadtgebiet zwischen den Jahren 2014 bis 2016 im Durchschnitt knapp 8600 Frauen und Männer, die anderswo wohnten. Die Zahl der Wegpendler lag in Wil bei knapp 6900.

Rund ein Viertel aller Pendelnden im Kanton St. Gallen wählt für den Weg zur Arbeit oder zur Ausbildung öffentliche Verkehrsmittel. In und um die Stadt St. Gallen liegt dieser Wert bei über zwei Dritteln ohne Langsamverkehr.

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