Die Stadt Gossau will eine eigene Publikation - Anfang Jahr startet die Ausschreibung

Die Stadt budgetiert 100000 Franken für eine eigene Zeitung. Ob diese an die Cavelti AG gehen, ist noch offen. 

Perrine Woodtli
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Ob aus dem Pilotprojekt «Goinside» eine regelmässige Publikation wird, wird sich zeigen.

Ob aus dem Pilotprojekt «Goinside» eine regelmässige Publikation wird, wird sich zeigen.

Bild: Urs Bucher

Am Chlaustag flatterte zum dritten Mal «Goinside» in die Briefkästen der Gossauer und Arnegger. Beim Gratisblatt handelt sich um ein Projekt aus dem Cavelti-Verlag, der mit der Plattform «Gossau24.ch» zusammenarbeitet. «Goinside» solle das Vakuum füllen, das mit der Einstellung der «Gossauer Zeitung» in der Presselandschaft entstanden sei, hiess es Ende August in der ersten Ausgabe.

Mit der dritten endet die Pilotphase. Die Rückmeldungen seien positiv gewesen, sagt Herausgeberin Franziska Cavelti. Man habe sowohl Zuspruch aus der Bevölkerung als auch aus der Politik, dem Stadtparlament und dem Gewerbe erhalten.

«Die zahlreichen Reaktionen zeigen klar, dass sich Gossau eine eigene Plattform wünscht.»

Man habe sich viele Gedanken zu den drei Pilotausgaben gemacht, darüber, was funktioniert habe, was nicht und wie weitere Ausgaben aussehen könnten. Mehr dazu will Cavelti noch nicht sagen. Weitergehende Überlegungen seien jedoch selbstverständlich gemacht, aber abhängig vom Entscheid des Stadtrats.

Stadtrat will Mischung aus Online und Print

Denn wie es mit «Goinside» nun weitergeht, ist unklar. Die Lancierung eines Pilotprojektes sei immer auch ein Wagnis, so Cavelti. Sie machte schon zu Beginn des Projektes klar, dass sich dieses nicht alleine mit Inseraten finanzieren lasse und es eine Trägerschaft brauche. Der Verlag hofft daher, dass «Goinside» von der Stadt mitfinanziert wird.

Ob diese das ebenfalls will, ist offen. Es sei nicht angedacht, für das amtliche Publikationsorgan auf Print zurückzuwechseln, sagt Gossaus Kommunikationsbeauftragter Urs Salzmann. Seit Sommer erscheinen die rechtsverbindlichen amtlichen Publikationen auf der kantonalen Publikationsplattform.

Die Vorstellungen des Stadtrates gingen in Richtung Forumspublikation – eine Kombination aus einer Onlineplattform und einer Druckversion. Online sollen annähernd täglich aktuelle Inhalte aufgeschaltet werden. Zusätzlich soll – ergänzt um vertiefende Berichte – regelmässig eine Printversion erscheinen. Die Publikation würde von der Stadt massgeblich unterstützt, aber nicht von ihr selbst herausgegeben werden, skizziert Salzmann die Pläne des Stadtrats.

Nebst den Mitteilungen der Stadt sollen auch das Parlament, die Parteien, die Vereine sowie andere Organisationen Platz für ihre Infos und Meinungen finden. Diese könnten auch von der Meinung der Stadt abweichen. Daraus sollen Diskussionen entstehen, die Aussenstehenden helfen sollen, eine Meinung zu erlangen.

Wie im integrierten Aufgaben- und Finanzplan der Stadt zu lesen ist, hat der Stadtrat «angesichts der unsicheren Zukunft im Printmedienbereich die notwendigen Mittel für eine allfällige eigene Stadtzeitung budgetiert». Dabei handelt es sich gemäss Salzmann um 100000 Franken. Dieser Betrag beziehe sich aber nicht auf «Goinside».

Angesichts der Entwicklungen im Printmedienbereich habe die Stadt bereits 2018 einen entsprechenden Betrag budgetiert, um im Bedarfsfall handlungsfähig zu sein. «Dies war lange, bevor es ‹Goinside› gab.»

Öffentliche Ausschreibung startet Anfang Jahr

Angesprochen darauf, ob sich «Goinside» als Forumspublikation eignet, zeigt sich Salzmann zurückhaltend. Die drei ersten Nummern seien gut aufgemacht und bieten der Bevölkerung einen guten Mix aus Information und Unterhaltung, schreibt aber Stadtpräsident Wolfgang Giella auf der Website von «Goinside» im Rahmen einer Stellungnahme des Stadtrates. «‹Goinside› hat eine gute Basis gelegt und gezeigt, wo die Reise hingehen könnte.» Die Zeitung sei schon nahe dran an der Vorstellung dessen, was der Stadtrat sich wünsche.

Wegen der finanziellen Dimension ist für die Plattform eine öffentliche Ausschreibung nötig. Der Umfang der städtischen Unterstützung wird laut Salzmann ein Resultat des Vergabeverfahrens sein.

«Aufgrund von Richtofferten ist davon auszugehen, dass die 100000 Franken nicht reichen werden.»

Die Ausschreibung soll Anfang Jahr starten. Man gehe davon aus, dass im Frühling entschieden werde, wer den Zuschlag bekomme. Bereits 2018 hätten sich bei ihnen verschiedene regionale Anbieter gemeldet, die wie die Cavelti AG an einer Zusammenarbeit mit der Stadt interessiert seien.

Cavelti AG denkt über Übergangslösung nach

Bis der Entscheid gefallen ist, wäre für die Cavelti AG ein monatliches Erscheinen denkbar. «Dabei würde es sich um eine Übergangslösung handeln. Das ist aber alles noch theoretisch», sagt Franziska Cavelti. Ob «Goinside» also auch im Januar in den Gossauer Briefkästen liegt, bleibt abzuwarten.

Hat der Cavelti-Verlag einen Plan B, falls aus der finanziellen Unterstützung der Stadt Gossau nichts wird? Dazu will Cavelti nichts sagen. «Zu vieles ist noch ungeklärt.»

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Noemi Heule