Die Stadt Gossau steht besser da als erwartet: Das betriebliche Defizit beträgt «nur» eine Million Franken – budgetiert worden waren 5,9 Millionen

Die Jahresrechnung 2019 der Stadt Gossau weist ein betriebliches Ergebnis von minus 980'000 Franken aus. Damit resultiert auf dieser Stufe zwar ein Defizit, es ist aber deutlich kleiner als budgetiert.

Michel Burtscher
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Vom städtischen Ertragsüberschuss sollen vier Millionen Franken in die Reserve für die geplante Tribüne bei den Sportanlagen Buechenwald fliessen. Im Bild eine Visualisierung des Siegerprojektes Hegi mit Turm.

Vom städtischen Ertragsüberschuss sollen vier Millionen Franken in die Reserve für die geplante Tribüne bei den Sportanlagen Buechenwald fliessen. Im Bild eine Visualisierung des Siegerprojektes Hegi mit Turm.

Visualisierung: PD

Es sei «wider Erwarten ein relativ gutes Ergebnis»: Das schreibt Stadtpräsident Wolfgang Giella in seinem Vorwort zur Jahresrechnung und dem Geschäftsbericht der Stadt Gossau für 2019. Was das konkret bedeutet, und warum das Ergebnis nur relativ gut ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen.

Zuerst zum Gesamtergebnis: Dort weist der Haushalt einen Ertragsüberschuss von 8,2 Millionen Franken aus, budgetiert worden war ein Plus von 1,4 Millionen bei einem Gesamtaufwand von etwas mehr als 100 Millionen Franken. Giella spricht denn auch von einem hohen Überschuss, der «sehr erfreulich» sei. Gleichzeitig warnt der Stadtpräsident:

Wolfgang Giella, Stadtpräsident von Gossau

Wolfgang Giella, Stadtpräsident von Gossau

Ralph Ribi
«Wir dürfen uns aber dadurch nicht in falscher Sicherheit wiegen.»

Denn diese grosse Abweichung ist auf zwei wesentliche Ursachen zurückzuführen, wie es in einer Mitteilung der Stadt heisst: Einerseits seien über 5 Millionen Franken aus den Reserven bezogen worden. Andererseits hätten Verkäufe von Liegenschaften sowie die Neuschätzung von Grundstücken des Finanzvermögens zu Buchgewinnen geführt.

Deutlich höhere Steuereinnahmen

Weniger gut sieht es denn auch beim Betriebsergebnis aus – wenn auch besser als erwartet. Dort resultiert ein Defizit von knapp einer Million Franken. Ausgegangen waren die städtischen Kassenwarte von einem Minus von fast 6 Millionen Franken.

Im Vergleich mit dem Vorjahr ist es trotzdem ein schlechteres Ergebnis: Auch damals war ein negatives Betriebsergebnis budgetiert worden, konkret in der Höhe von 5,4 Millionen. Die Jahresrechnung für 2018 schloss dann aber mit einem Gewinn von fast 1,5 Millionen Franken ab.

Weniger Geld für das Asylwesen

Im Vergleich zum Budget ist das Ergebnis aber besser. Schaut man sich an, welche Faktoren dazu beigetragen haben, springen einige Punkte ins Auge: So fielen die Steuereinnahmen höher aus. Alleine mit den Vermögens- und Einkommenssteuern nahm die Stadt 1,8 Millionen Franken mehr ein als budgetiert. Gleichzeitig lagen die Ausgaben für den Sachaufwand wie Dienstleistungen, den baulichen Unterhalt und Anschaffungen rund 1,9 Millionen tiefer als im Voranschlag.

Weniger gab die Stadt unter anderem auch für das Asylwesen (-223000 Franken im Vergleich zum Budget) oder Kinder in Jugendheimen (-383000) aus. Mehr gekostet haben die Pflegefinanzierung (+640000), die Sozialberatung (+198000) und die Schulgelder (+84000). Diese stetig steigenden Transferaufwendungen – also die Ausgaben für Aufgaben, die Dritte ausführen – scheinen der Stadt Sorgen zu bereiten. Jedenfalls heisst es in der Mitteilung, dass sie eine Herausforderung für künftige Budgets darstellten.

Vier Millionen Franken für die neue Tribüne

Gut sieht es bei den Stadtwerken aus. Dort war im operativen Ergebnis ein Plus von 285000 Franken budgetiert. Das tatsächliche Ergebnis beträgt jedoch 1,14 Millionen. Hierzu hätten wesentliche Mehrerträge in den Sparten Elektrizität und Erdgas beigetragen, heisst es dazu in der Mitteilung der Stadt. Beim Gesamtergebnis war ein Plus von 2,2 Millionen Franken budgetiert. Abgeschlossen hat die Rechnung nun mit einem Ertragsüberschuss von 1,1 Millionen. Grund für diese Abweichung ist ein nicht getätigter Bezug aus den Aufwertungsreserven.

Die grosse Frage ist, was nun mit dem Ertragsüberschuss des Stadthaushaltes geschehen soll. Die Antwort: Der Stadtrat beantragt dem Parlament, 4 Millionen in die Reserve für die geplante Tribüne der Sportanlagen Buechenwald einzulegen. Die restlichen 4,2 Millionen will die Exekutive der Ausgleichsreserve zuweisen.

Reserven von 43,3 Millionen Franken

Damit würde die Reserve auf 43,3 Millionen ansteigen, wie den Dokumenten der Stadt zu entnehmen ist. Diese könne für kurzfristige Schwankungen der Erfolgsrechnung oder für zukünftige Ereignisse gebildet werden. Der Ertragsüberschuss der Stadtwerke soll vollumfänglich in die Betriebsreserve eingelegt werden.