Die Stadt Gossau rechnet in den nächsten Jahren aufgrund der Coronakrise mit roten Zahlen

Mindereinnahmen und Mehrausgaben belasten den Gossauer Stadthaushalt. Die Stadt erwartet für 2021 ein betriebliches Minus von knapp zehn Millionen Franken. Stadtpräsident Wolfgang Giella ist überzeugt, dass Gossau unsichere Zeiten mit dunkelroten Zahlen bevorstehen. Er sagt aber auch: «Im Vergleich zu anderen Gemeinden haben wir ein gutes Polster.» Das Stadtparlament berät Anfang Dezember über das Budget.

Perrine Woodtli
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Es war wie erwartet: Auch im Budget der Stadt Gossau für das Jahr 2021 spielt Corona eine grosse Rolle – und wirkt sich negativ aus. Vergangene Woche lag der Integrierte Aufgaben- und Finanzplan, der auch das Budget 2021 enthält, im Briefkasten von Stadtparlamentsmitgliedern und Medien. Am Montag haben Gossaus Stadtpräsident Wolfgang Giella und Finanzchef Heinz Loretini nun Auskunft dazu gegeben.

Für das nächste Jahr erwartet die Stadt eine rote Null im Gesamtergebnis. Im Betriebsergebnis rechnet sie bei einem Gesamtaufwand von 107,5 Millionen Franken mit einem Minus von 9,6 Millionen.

Budget 2021 Stadt Gossau

Zahlen in Millionen Franken
Betriebsergebnis Operatives Ergebnis Reservenbezug Gesamtergebnis
-9,594 –6,024 6,335 0

Durch Finanzerträge und die Auflösung von Reserven soll die Erfolgsrechnung aber ausgeglichen werden. Zum einen werden 4,8 Millionen Franken, die nach der Umstellung auf das neue Rechnungslegungsmodell jährlich aus der Aufwertungsreserve entnommen werden müssen, bezogen. Zum anderen werden 1,3 Millionen aus der Ausgleichsreserve entnommen.

Corona ist Hauptursache für Defizite

Für 2021 erwartet die Stadt knapp 7,2 Millionen Franken Mindereinnahmen und 4,9 Millionen Mehrausgaben. Diese würden den Stadthaushalt «massiv» belasten. Das Coronavirus sei zwar die Hauptursache für die prognostizierten Defizite, sagt Giella. Die Zahlen liessen sich aber nicht alle alleine mit Corona erklären.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau.

Sabrina Stübi

Weniger eingenommen wurde unter anderem wegen der Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) für juristische Personen (1,7 Millionen) und weil die Stadt auf die 1,4 Millionen hohe Gewinnablieferung der Stadtwerke Gossau verzichtet.

Den Stadthaushalt belasten zudem die Mindereinnahmen bei der Einkommenssteuer natürlicher Personen (1,5 Millionen). Gewisse Zahlen habe man erwartet, andere seien unvorhersehbar. Unerwartet seien beispielsweise Mindereinnahmen von 200'000 Franken, die durch Absagen verschiedener Veranstaltungen in Gossau entstanden seien.

Schutzmasken für 10'000 Franken

Bei den Mehrausgaben unterscheidet die Stadt zwischen «unerwartet» und «coronabedingt». Coronabedingt sind unter anderem Hygienemassnahmen im Rathaus in der Höhe von 55'000 Franken, Schutzmasken (10'000) sowie zusätzliche Kosten an den öffentlichen Verkehr (169'000). Zudem musste die Informatik aufgerüstet werden, um den Verwaltungsangestellten das Homeoffice zu ermögliche (20'000).

Zu den wesentlichen Mehrausgaben gehören unter anderem der Transferaufwand (1,3 Millionen) und der Personalaufwand (800'000 Franken). Wie schon dieses Jahr wächst der Stellenplan erneut, und zwar um acht Vollzeitstellen. Erwartet der Stadtrat vom Parlament über diesen Ausbau erneut Verständnis oder rechnet er mit Widerstand? Er gehe davon aus, sagt Giella, dass der Stadtrat diesen Punkt diskutieren und begründen müsse.

Er betont aber, dass es sich bei etwas mehr als vier Stellen um solche im Schulbereich handelt. Auf diese habe man keinen Einfluss. Für die Stadtverwaltung seien es etwas mehr als drei Stellen. Mit diesem würden vor allem Teilpensen aufgestockt.

Die Stadt Gossau budgetiert für 2021 neue Stellen im Schulbereich, aber auch in der Verwaltung. Unter anderem für das Grundbuchamt, für das Betreibungsamt, für den Stadtrat und für das Tiefbauamt.

Die Stadt Gossau budgetiert für 2021 neue Stellen im Schulbereich, aber auch in der Verwaltung. Unter anderem für das Grundbuchamt, für das Betreibungsamt, für den Stadtrat und für das Tiefbauamt.

Urs Bucher

«Haben im Vergleich zu anderen Gemeinden ein gutes Polster»

In den vergangenen Jahren stand die Stadt zum Zeitpunkt der Jahresrechnung immer wesentlich besser da, als budgetiert. Könnte das trotz allem auch 2020 der Fall sein? Giella geht davon aus, dass das die Rechnung etwas besser sein könnte, als budgetiert, da nicht alle Ausgabe aus dem Budget ausgelöst worden seien. Man habe wie in den letzten Jahren «konservativ und vorsichtig» budgetiert. Ein budgetiertes Minus von 800'000 Franken und dann ein Plus von 10 Millionen werde es so aber nicht mehr geben, sagt Giella. «Das würde mich erstaunen.»

Die Stadt Gossau weist derzeit ein verfügbares Eigenkapital von 53 Millionen auf. Giella sagt:

«Wenn das mit Corona weitergeht, haben wir im Vergleich zu anderen Gemeinden ein gutes Polster.»

Unklar, wie lange die Unsicherheit noch andauert

Dennoch wolle man so nicht allzu lange wirtschaften müssen. Man wisse nicht, wie lange das Virus die Gesellschaft noch beschäftigen werde. Über die Dauer der finanziellen Unsicherheit sind sich Wolfgang Giella und Heinz Loretini uneins. Der Leiter des Gossauers Finanzamtes geht von zwei bis drei Jahren aus, Giella von fünf Jahren. Der Stadtpräsident sagt:

«Ich neige mehr zum Finanzpessimismus. Wir wissen nicht, wie lange Corona noch nachwirken wird.»
Heinz Loretini, Leiter Finanzamt Gossau.

Heinz Loretini, Leiter Finanzamt Gossau.

Urs Bucher

Weshalb ist Loretini da optimistischer? Die einfache Steuerkraft sei in den letzten 20 Jahren sukzessive gestiegen, sagt Loretini, der das Finanzamt bereits seit 2001 leitet. Nur in den Jahren 2003/2004 und 2008/2009 habe es zweimal eine kleine Rezession gegeben. «Bei uns waren die Auswirkungen nicht riesig», sagt Loretini. Ein Grund dafür sei unter anderem, dass in Gossau die Lebensmittelindustrie ansässig sei.

Dem stimmt Giella zu. «Das ist schon ein sicherer Part. Falls alles zusammenbricht, gibt es bei uns diverse Firmen und Grossverteiler, die trotzdem weiterarbeiten und so einen gewissen Umsatz generieren.»

Budget kommt im Dezember ins Parlament

Für 2021 rechnet die Stadt beim Betriebsergebnis mit einem Minus von 9,6 Millionen Franken. «Danach wird es röter», sagt Giella. Man prognostiziere für die Jahre 2021 bis 2025 im operativen Ergebnis immer ein Defizit. Ab 2022 rechnet die Stadt auch mit Defiziten im Gesamtergebnis.

Was die Parlamentarierinnen und Parlamentarier zum Budget der Stadt sagen, wird sich im Dezember an der Parlamentssitzung zeigen. Dann werden die Fraktionen wie üblich ausführlich über die Zahlen debattieren und entscheiden, ob sie das Budget durchwinken oder zurückweisen.