Zahlreiche Unfälle bei der Autobahnausfahrt in Gossau: Doch die Sicherheit muss warten

37 Unfälle in knapp sechs Jahren: Die Autobahnausfahrt in Gossau gilt als Unfallschwerpunkt. Das weiss die Stadt. Dennoch könne sie vorerst nichts dagegen unternehmen.

Perrine Woodtli
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Vergangenen Samstag wurden fünf Menschen bei einer Frontalkollision in Gossau verletzt. (Bild: Kapo SG)

Vergangenen Samstag wurden fünf Menschen bei einer Frontalkollision in Gossau verletzt. (Bild: Kapo SG)

Eine Woche ist es her, als es bei der Autobahnausfahrt gekracht hat. Am Samstagmorgen sind auf der Querverbindung zur A1 zwei Autos frontal zusammengestossen. Eine 20-Jährige fuhr von Gossau Richtung Autobahn. Gleichzeitig fuhr ein 37-jähriger Mann mit seiner Familie in die Gegenrichtung. Die 20-Jährige bog links zur Autobahn Richtung St.Gallen ab. Dabei prallte ihr Fahrzeug ins entgegenkommende Auto, beide überschlugen sich. Der Mann und die Kinder wurden leicht verletzt, die Frauen schwer.

Es war nicht der erste Unfall beim westlichen Ortseingang Gossaus. Zahlen des Bundesamts für Strassen (Astra) zeigen, dass sich auf jener Querverbindung seit 2013 37 Unfälle ereignet haben, meistens am Tag und unter normalen Verkehrsbedingungen. Es handelte sich mehrheitlich um Einbiegeunfälle und Auffahrunfälle. Nahezu alle Unfälle ereigneten sich an einer Verzweigung.

Keine Getöteten und kaum Schwerverletzte

Im Juni etwa sind ein Auto und ein Motorrad zusammengestossen. Eine 56-Jährige fuhr auf der A1 von St. Gallen Richtung Gossau und verliess die Autobahn über die Ausfahrt. Auf der Querverbindung beabsichtigte sie, nach links abzubiegen, missachtete das Vortrittsrecht des Motorradfahrers, der ebenfalls abbiegen wollte, und sie kollidierten. Der 20-Jährige wurde leicht verletzt. Leicht verletzt hatten sich unter anderem auch ein 20-Jähriger und ein 58-Jähriger, als sie Ende 2017 in einem ähnlichen Szenario zusammenstiessen.

Ums Leben gekommen ist bei den 37 Unfällen niemand. Auch Schwerverletzte gab es bis letzten Samstag keine. 16 Verunfallte konnten den Unfallort leicht verletzt verlassen. Darunter werden in der Regel geringe Beeinträchtigungen, etwa Schürfungen, verstanden. Zudem kann der Verunfallte den Ort aus eigener Kraft verlassen. Als schwer verletzt gilt eine Person, die sichtbare Beeinträchtigungen hat und aufgrund ihrer Verletzungen etwa nicht gleich wieder arbeiten kann.

Stadt will Massnahmen ausarbeiten

Gaby Krapf-Gubser, Gossauer Stadträtin

Gaby Krapf-Gubser, Gossauer Stadträtin

37 Unfälle in knapp sechs Jahren: Das ist auch der Stadt Gossau bewusst. «Die Ein- und Ausfahrten ab der Autobahn auf die Autostrasse sind seit langer Zeit als Unfallhäufungsschwerpunkt definiert», sagt Stadträtin Gaby Krapf-Gubser. Sicherheitsmassnahmen seien fürs Agglomerationsprogramm der dritten Generation 2019-2022 angemeldet. Sie sollen die Gefahrenpunkte entschärfen. Konkrete Massnahmen wurden noch keine definiert. Die Umsetzung ist dann Aufgabe des Astra.

Ob dies aber bis 2022 umgesetzt werden könne, sei fraglich. «Das Agglomerationsprogramm zweiter Generation verzögert sich und wurde bis 2027 verlängert. Es ist also gut möglich, dass die möglichen Massnahmen weiter auf sich warten lassen», sagt Krapf. Dies sei unglücklich und frustrierend.

Hinzu komme, dass man abhängig vom Gebiet Sommerau sei. Zwischen dem Autobahnzubringer Gossau-Arnegg und der Bahnlinie Gossau-Sulgen soll ein Gewerbeareal entstehen. Die Stadt will das Gelände mit einer Strasse vom Autobahnzubringer her erschliessen. An der Kreuzung zur vorgesehenen Erschliessungsstrasse und an den beiden Auffahrten zur Autobahn sind Lichtsignale geplant, um den Verkehr besser regeln zu können. Realisiert werden diese aber erst, wenn das Areal überbaut wird. Wann das sein wird, ist unklar.

«Die Sicherheitsmassnahmen bei der Autobahnausfahrt müssen auf die Erschliessung des Gebiets Sommerau abgestimmt sein», sagt Gaby Krapf. Sie betont, dass für die Stadt Gossau die Behebung des Unfallhäufungsschwerpunkts aber Priorität habe. 

«Jeder weitere Unfall ist tragisch.»