Die Schwachstellen im Velonetz der Region Rorschach werden weniger: Gerast wird auch auf zwei Rädern

Das Velonetz in der Region am See wird ständig ausgebaut. Zwischen Goldach und Rheineck werden Velowege wenn möglich abseits der Strassen geführt. An einigen Stellen hapert es allerdings noch, vor allem in den Zentren müssen sich Radfahrer ihre Spur selber suchen. Auch die Disziplin einzelner Velofahrerinnen und Velofahrer könnte besser sein.

Rudolf Hirtl
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Zwischen Kornhaus und Hafenplatz in Rorschach dürfen Velofahrer nur fünf km/h schnell fahren: Nicht alle beherzigen allerdings das Geschwindigkeitslimit, was mitunter zu heiklen Situation führt.

Zwischen Kornhaus und Hafenplatz in Rorschach dürfen Velofahrer nur fünf km/h schnell fahren: Nicht alle beherzigen allerdings das Geschwindigkeitslimit, was mitunter zu heiklen Situation führt.

Bild: Rudolf Hirtl

Auch die Velohändler in der Region am See kommen kaum noch nach mit ausliefern. Die durch Corona gehemmte Lust, im Ausland Ferien zu machen, führt zum Veloboom in der Schweiz. Das Fahrrad prägt denn derzeit auch das Bild am See. Vor allem auf der «Tourismusroute» direkt am Seeufer reiht sich Velo an Velo.

Das Fahrverbot beim Kornhaus wurde aufgehoben

Das Fahrverbot für Velofahrer zwischen dem Kornhaus und dem Hafenbahnhof in Rorschach gilt seit Herbst 2018 nicht mehr. Tafeln zeigen an, dass Velofahrer mit fünf Kilometern pro Stunde die Strecke vorsichtig passieren dürfen. Viele halten sich daran oder steigen gar ab und schieben ihr Gefährt vorsichtig über den mit Fussgängern gefüllten Platz.

Nicht zu übersehen, die Tafeln, die auf die Geschwindigkeitsbeschränkung zwischen Kornhaus und Hafenplatz aufmerksam machen.

Nicht zu übersehen, die Tafeln, die auf die Geschwindigkeitsbeschränkung zwischen Kornhaus und Hafenplatz aufmerksam machen.

Bild: Rudolf Hirtl

Markierungen am Boden haben wenig gebracht

Dann sind da aber auch jene Velofahrer, nicht selten mit E-Bikes, die ohne Rücksicht auf Verluste durch die Passanten brettern. Markierung auf Weg und Platz, die Fussgänger und Velofahrer trennen sollten, haben in der Vergangenheit nichts gebracht. Sie werden schlicht nicht beachtet. Verantwortliche der Stadt appellieren an gegenseitige Rücksichtnahme.

Der grosszügig gestaltetet Radweg auf Höhe Badhütte in Rorschach wird gelegentlich als «Rennbahn» missbraucht.

Der grosszügig gestaltetet Radweg auf Höhe Badhütte in Rorschach wird gelegentlich als «Rennbahn» missbraucht.

Bild: Rudolf Hirtl

Seit 2017 ist der Radweg auch im Bereich zwischen Idyll Arion asphaltiert. Der Bodensee-Veloweg weist dort mehrere baulich bedingte Verengungen auf, ist aber dennoch zur «Rennstrecke» mutiert. Wenn Familien mit Kindern dort unterwegs sind, traut man sich gelegentlich kaum hinzusehen, wenn im Einheitstenue gekleidete Rennvelogruppen diese im Höchsttempo passieren. «Wir sind uns dieser heiklen Situation bewusst und werden sie im Stadtrat thematisieren», sagt Stadtpräsident Röbi Raths und verweist auf das ansonsten schon sehr gut ausgebaute Radnetz am See.

In diesen Tagen wurde die neuste Radweg-Etappe zwischen Rorschach und Goldach entlang der Bahnlinie fertiggestellt.

In diesen Tagen wurde die neuste Radweg-Etappe zwischen Rorschach und Goldach entlang der Bahnlinie fertiggestellt.

Bild: Rudolf Hirtl

Zuletzt wurde der Abschnitt zwischen der Klosterstrasse Goldach und der Industriestrasse Rorschach mit einem neuen Fuss- und Radweg versehen. Ähnlich wie entlang der Sulzstrasse zwischen Rorschacherberg und Goldach ist der Radweg vorbildlich von der Strasse getrennt und schafft eine attraktive Verbindung.

Goldacher Zentrum soll velofreundlicher werden

Der Radweg zwischen Rorschacherberg und Goldach verläuft vorbildlich von der Strasse getrennt, doch bei der Dorfeinfahrt von Goldach müssen Velofahrer zurück auf die stark befahrene Strasse.

Der Radweg zwischen Rorschacherberg und Goldach verläuft vorbildlich von der Strasse getrennt, doch bei der Dorfeinfahrt von Goldach müssen Velofahrer zurück auf die stark befahrene Strasse.

Bild: Rudolf Hirtl

Das Manko bei der Sulzstrasse: Bei der Dorfeinfahrt von Goldach werden Velofahrer aus Platzgründen zurück auf die Strasse gezwungen. Mit der Zentrumsüberbauung wird sich laut Gemeindepräsident Dominik Gemperli die Situation auf der Hauptstrasse verbessern. Bauliche Massnahmen würden dort die Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer markant reduzieren. Der Gemeindepräsident sagt:

«Wir sind bestrebt, dem Thema Langsamverkehr grundsätzlich die nötige Beachtung zu schenken.»

Und: «Ich bin gerne mit dem Velo unterwegs. Für mich ist das auch ein Stück Lebensqualität.» Ausbaumöglichkeiten für den Langsamverkehr würden sich immer anbieten. Wobei die Bemühungen auch nicht weniger werden würden, zumal der Verkauf von Velos einen klar steigenden Bedarf ausweisen würde.

Projekt an der Churerstrasse verzögert sich weiter

Die Gemeinde Rorschacherberg hat die Fortsetzung des Rad- und Gehwegs am Bodensee ab der Grenze mit Rorschach im Zusammenhang mit Bauprojekten für das Schlachthof- und das Kopp-Areal projektiert. Entlang der Churerstrasse soll seeseitig ein Geh- und Radweg mit einer Breite von drei Metern erstellt und der südliche Radstreifen Richtung Thal aufgehoben werden. Das kantonale Tiefbauamt wollte bis im vergangenen November einen Entscheid über den Planungsbeginn für das Kantonsstrassenprojekt fällen. Anfang 2020 hat der Kanton die Planung der Kantonsstrasse an die Gemeinde Rorschacherberg übertragen: Sie darf die Gestaltung als Pilotprojekt umsetzen .

Umweg über den Warteggpark

Vorerst gelangen Velofahrer etwas abseits vom See auf dem Weg, den die Gemeinde durch den Warteggpark baute, nach Staad oder umgekehrt. An der mittleren Durchgangsachse hat Rorschacherberg an der ganzen Goldacherstrasse einen Radweg angelegt. Einen Radweg wünschen sich Einwohner auch an der Thalerstrasse, besonders als sicheren Schulweg. Hier laufen Gespräche mit dem Kanton.

Zwischen Rorschacherberg und Staad gibt es einen komfortablen Veloweg. Oft wird aber dennoch die Churerstrasse benutzt.

Zwischen Rorschacherberg und Staad gibt es einen komfortablen Veloweg. Oft wird aber dennoch die Churerstrasse benutzt.

Bild: Rudolf Hirtl
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