Die Säntis Käserei Linden aus Wittenbach feiert 2020 ihr 125-Jahr-Jubiläum: «Säntis-Spezialitäten» legen den Grundstein für weitere erfolgreiche Jahre

Die Säntis Käserei Linden stand nach der Jahrtausendwende kurz vor dem Konkurs. Trotz Höhen und Tiefen feiert das Wittenbacher Traditionsunternehmen nun sein 125-jähriges Bestehen – und hegt Expansionspläne.

Theepan Ratneswaran
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Der Verwaltungsratspräsident Albert Etter (rechts) und der Geschäftsführer Heinz Fraefel stehen vor dem Wittenbacher Traditionsunternehmen Säntis AG.

Der Verwaltungsratspräsident Albert Etter (rechts) und der Geschäftsführer Heinz Fraefel stehen vor dem Wittenbacher Traditionsunternehmen Säntis AG.

Bild: Michel Canonica (19. November 2020)

Die Säntis AG, oder schlicht Säntis-Chäsi, schaut auf eine lange Tradition zurück. Bereits seit 1895 wird in Wittenbach Käse produziert. Trotz vieler Höhen und Tiefen in den letzten 125 Jahren wird in der Käserei beim Presseapéro am Donnerstag auf weitere viele Jahre angestossen.

Die Coronakrise trübt allerdings das Jubiläumsjahr. Viele Publikumsanlässe wie der Tag der offenen Tür mussten abgesagt werden. In diesem Jahr werde aber eher mehr Käse verkauft, sagt Säntis-AG-Verwaltungsratspräsident Albert Etter.

«Käse bleibt auch während Corona ein Schweizer Verkaufsschlager.»

Käserei stand kurz vor dem Ende

Käse ist ein Schweizer Kulturgut. Im Jahr 2002 ist das nicht anders. Jedoch erlebt die Käserei Linden vor 18 Jahren die turbulentesten Zeiten seit ihrer Gründung.

Die Käsereigenossenschaft Linden ist seit 16. März 1946 an den Milchverband St. Gallen-Appenzell verpachtet. Aus dem Milchverband St. Gallen-Appenzell wird die Säntis Holding AG, welche 1998 mit der Toni Holding AG fusioniert.

Die neue Swiss Dairy Food AG ist damals einer der grössten Milchverarbeitungsbetriebe der Schweiz. 2002 geht diese Firma jedoch pleite. Die Produktion in der Käserei Linden muss kurz vor Weihnachten aufgegeben werden. Den Mitarbeitern wird auf Frühjahr 2003 gekündigt.

Neuer Geschäftsführer schafft die Wende

Die Käsereigenossenschaft Linden prüft verschiedene Optionen für die Eigenproduktion und Eigenvermarktung ihrer bisher hergestellten Käsesorten wie den St. Galler Klosterkäse, ihr Raclette, den Säntis-Gourmet oder den Tilsiter. Am 1. März 2003 ist es dann so weit. Die Käserei Linden produziert als alleinige und einzige Käserei unter der Marke «Säntis».

Die Käserei Linden produziert als einzige unter der Marke «Säntis».

Die Käserei Linden produziert als einzige unter der Marke «Säntis».

Bild: Michel Canonica (19. November 2020)

Nach anfänglicher Euphorie steckt die Käserei Linden ab 2006 jedoch wieder in der Krise. Wechselnde Geschäftsführer und ein fehlendes einheitliches Konzept bringen das Traditionsunternehmen erneut in die Bredouille. Im Dezember 2007 wird deshalb Heinz Fraefel als neuer Geschäftsführer installiert.

Säntis-Chäsi schreibt schwarze Zahlen

Fraefel ist bei «Säntis» kein Unbekannter. Ab 2002 hat er bei der Käserei eine Beraterfunktion inne. Seit 13 Jahren steht der Käsersohn nun an der operativen Spitze. Er habe seine Consultingfirma aufgegeben, sagt Fraefel.

«Ich stecke mein ganzes Herzblut und 200 Prozent in die Arbeit bei der Säntis Käserei Linden.»

Das Engagement aller Mitarbeiter bei der Säntis-Chäsi schlägt sich auch in den Büchern nieder. Aus roten Zahlen werden über die Jahre schwarze. Was ist das neue Erfolgsgeheimnis der Käserei in Wittenbach?

Bild: Michel Canonica

Liberalisierung fordert Innovation

Die Käsebranche durchlebt seit den 1980er-Jahren eine Liberalisierung. Die Käsesorten sind nicht mehr normiert. Jeder Käseproduzent kann seine eigene Kreation an die Kunden bringen. Gleichzeitig werden die Bedürfnisse der Menschen immer individueller. Es entbrennt ein Verdrängungskampf der Käseproduzenten um jeden einzelnen Kunden, sagt Fraefel.

«Wer die Wünsche der Kunden nicht trifft, muss den Laden schliessen.»

Für kleine Käsereien sei es schwierig, im Markt zu bestehen, sagt Fraefel. Die Produktionskosten seien zu hoch und der Ertrag zu klein. Ohne ständige Innovation und spezielle Käsesorten gehe es deshalb nicht, sagt der Geschäftsführer.

Die Säntis AG als «grosse kleine Käserei» produziert zum Beispiel den eckigen Raclette in verschiedenen Variationen: Nature, Pfeffer, Speck, Chili oder Trüffel. Mit neuen Sorten ist es jedoch nicht getan. Seit einigen Jahren sei man für den russischen Markt zertifiziert, sagt Fraefel. Rund 100 Tonnen Käse pro Jahr werden dort abgesetzt.

Die Säntis AG produziert den eckigen Raclette in verschiedenen Variationen.

Die Säntis AG produziert den eckigen Raclette in verschiedenen Variationen.

Bild: Michel Canonica (19. November 2020)

Die Marke «Säntis» stärken

Rund 50 Prozent des Käses der Säntis AG gehen ins Ausland. Wer in der übrigen Schweiz nach Ostschweizer Käsesorten gefragt wird, nennt als Erstes den Appenzeller. Der St. Galler Bärenkäse oder Klosterkäse ist für viele noch kein Begriff, was auch Fraefel bestätigt. Man kenne die Säntis-Sorten eher im süddeutschen Raum, wo der Berg Säntis ennet des Bodensees auch ein Begriff sei.

«In den nächsten fünf Jahren möchten wir erreichen, dass auch die Zürcher den Säntis-Käse kennen.»