Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die S-Bahn steht in der Stadt hinten an

Der Fahrplanwechsel 2019 naht, doch mit Verbesserungen im städtischen S-Bahn-Verkehr ist nicht zu rechnen. Dieser Umstand schadet St.Gallen im schweizweiten Vergleich erheblich, findet ein Stadtparlamentarier.
Seraina Hess
Vom Viertelstundentakt ist der Bahnhof Bruggen weit entfernt. (Bild: Thomas Hary)

Vom Viertelstundentakt ist der Bahnhof Bruggen weit entfernt. (Bild: Thomas Hary)

Die Ernüchterung ist gross, sowohl im Stadtrat als auch im Stadtparlament. Grund dafür ist der S-Bahn-Fahrplan: Noch immer ist in St. Gallen an einigen Stadtbahnhöfen der Halbstundentakt nicht eingeführt – vom Viertelstundentakt, der im Mobilitätskonzept festgehalten wurde, gar nicht erst zu reden.

Die Forderung nach letzterem tat der Stadtrat beim zuständigen kantonalen Amt bereits im Sommer kund. Um die Dringlichkeit des Anliegens hervorzuheben, doppelten drei Stadtparlamentarier nur wenige Tage später nach – mit einer Einfachen Anfrage. Darin weisen Barbara Hächler (CVP), Remo Daguati (FDP) und Sandra Steinemann (SVP, ehemalig) auf die Zustände im öffentlichen Verkehr hin. Der stadträtliche Einsatz für den Viertelstundentakt wird zwar gewürdigt – vorgeworfen wird dem Rat aber, den Leistungsabbau zu vernachlässigen, der mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember bevorsteht.

Beispiele nennen die bürgerlichen Parlamentarier einige: Der erste Zug nach Zürich, der mit der S-Bahn aus Winkeln und Bruggen erreichbar ist, genügt nicht einmal für die ersten Flüge ab Kloten. Zentrumsstädte wie Bern, Basel oder Luzern können frühestens um 8.30 Uhr erreicht werden. Zu wünschen übrig lässt auch die Abstimmung zwischen dem Fernverkehr und den Bussen der VBSG – dies sei vor allem in den Randstunden der Fall.

Arbeitsort muss in maximal 90 Minuten erreichbar sein

Am Bahnhof Haggen verschlechtert sich die Situation: Der Takt reduziert sich mit dem Fahrplanwechsel von drei auf zwei Züge pro Stunde respektive vier auf drei Züge in den Hauptverkehrszeiten. Grund dafür ist die Durchfahrt des neu eingeführten Regio-Express Herisau–Konstanz. Gemäss den drei Parlamentariern beschränken sich die Probleme im S-Bahn-Verkehr aber nicht nur auf den Westen: Auch St. Fiden als Standort des Kantonsspitals – einer der grössten Arbeitgeber der Stadt – werde vernachlässigt, zumal keine S-Bahn von Winkeln und Bruggen direkt dorthin verkehre.

Die Politiker weisen mit Blick auf die wachsenden Quartiere Haggen, Bruggen und Winkeln auf die dringend nötigen Verbesserungen hin. «Den Quartieren hat man immer viel versprochen – gehalten wurde kaum etwas», sagt Remo Daguati (FDP). Der öffentliche Verkehr gleiche einem Flickenteppich: So muss eine Person aus Winkeln nach Einführung des neuen Fahrplans erst nach Osten fahren, um schliesslich die Reise nach Westen antreten zu können. Ein Umstand, der für den Standort St. Gallen weit schlimmere Folgen haben dürfte als die mühsamen Verbindungen an sich: Die Attraktivität der Stadt leide erheblich. «Um heute mit anderen Schweizer Städten mithalten zu können, muss es Hochqualifizierten möglich sein, den Arbeitsort von der Haustüre aus in maximal 90 Minuten zu erreichen», sagt Daguati, einst Leiter der kantonalen Standortförderung. St. Gallen sei in Bezug auf viele Verbindungen weit davon entfernt – und habe damit als Wohn- oder Arbeitsort gegenüber anderen Städten bereits an Terrain verloren. Was Daguati alarmiert: Die Stadt stagniere als einzige in der Schweiz bei der Einwohnerzahl und verliere Arbeitsplätze in unternehmensnahen Dienstleistungen. Ein funktionierendes S-Bahn-Netz sei dringend nötig, um daran etwas zu ändern – ein weiterer Ausbau des Busnetzes hingegen nicht zielführend.

Aus dem Viertelstundentakt wird noch lange nichts

In der Antwort auf die Einfache Anfrage der drei Stadtparlamentarier kann der Stadtrat wenigstens zwei frohe Botschaften verkünden: Die S-Bahn-Linie 850 (S1, Wil–St. Gallen) wird auf den Fahrplanwechsel hin zum durchgehenden Halbstundentakt ausgebaut. Die Linie 852 (S5, Weinfelden–St. Gallen) verkehrt ab dem 9. Dezember ebenfalls halbstündlich, wenn auch nur werktags und mit Ausnahme von vier Kursen am Morgen zwischen 9 und 12 Uhr respektive ab 19 Uhr.

Schlechter steht es um den flächendeckenden Viertelstundentakt. Obschon vom Stadtrat gefordert, will der Kanton kein S-Bahn-Konzept für den Zeithorizont ab 2021 erarbeiten. Dies sieht er erst gegeben, wenn das definitive Fern­verkehrskonzept für den Zeitraum 2030/2035 vorliegt. Derzeit wäre ein S-Bahn-Konzept bei den eidgenössischen Räten und bei den SBB zum Scheitern verurteilt, lautet sinngemäss die Einschätzung kantonaler Fachleute. Ein unlängst von Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Stadträtin Sonja Lüthi eingereichter parlamentarischer Vorstoss auf kantonaler Ebene konnte nichts bewirken.

Forderungen waren schon vor Jahren dieselben

Damit gibt sich der Stadtrat aber nicht zufrieden: Er hat das kantonale Amt für Öffentlichen Verkehr abermals ersucht, schon ab dem Jahr 2021 einen annähernden Viertelstundentakt mit der bestehenden S1 und S5 zwischen Gossau und St. Gallen umzusetzen, inklusive Bedienung der Stadtbahnhöfe Winkeln und Bruggen. Zu prüfen wären lediglich eine veränderte Fahrlage der S5 auf dem Abschnitt Bischofszell und St. Gallen oder eine ergänzende S-Bahn-Verbindung zur S1 zwischen Gossau und St. Gallen.

Fest steht, dass es bis zu den angestrebten Zielen noch Jahre dauern wird. «Der Stadtrat hat im öffentlichen Verkehr vieles verschlafen», sagt Remo Daguati. Parlamentskollegin Barbara Hächler (CVP) hatte schon vor zwei Jahren in einem Vorstoss die Einführung des Viertelstundentaktes der S-Bahnen auf Stadtgebiet gefordert, der noch immer auf sich warten lässt. Sie begrüsst den Einsatz des Stadtrates, den sie in den letzten Monaten vermehrt wahrnimmt: «Die Umsetzung werden wir aber sehr genau beobachten.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.