Die Ruckhalde wird zur Nagelprobe für die neue Wohnraumstrategie der Stadt St.Gallen

Der Stadtrat hat am Montag die neue Wohnraumstrategie vorgestellt. Diese soll unter anderem innovative Wohnformen, also alternative Siedlungen, fördern. Für die Ruckhalde gibt es bereits Vorschläge, die mehr oder weniger stark in diese Richtung gehen.

Marlen Hämmerli
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Die Ruckhalde zwischen Oberstrasse und Riethüsli: Sie ist die letzte zentrumsnahe Baulandreserve in der Stadt.

Die Ruckhalde zwischen Oberstrasse und Riethüsli: Sie ist die letzte zentrumsnahe Baulandreserve in der Stadt.

Bild: Ralph Ribi (8. August 2019)

Die neue Wohnraumstrategie der Stadt ist noch keine 24 Stunden bekannt, schon wird erste Kritik daran laut. In einer Medienmitteilung verurteilt der der Hauseigentümerverband (HEV) der Stadt St.Gallen die Strategie scharf. Erste Reaktionen von der Politik fallen hingegen positiv aus. Kritik wird kaum laut, auch weil das Papier noch jung ist.

Aber worum geht es? Die Stadt St.Gallen möchte künftig vor allem Wohnraum für junge Familien fördern sowie alternative Siedlungen. Hier setzt sich die Stadt das Ziel, bis 2030 je ein Projekt zu realisieren für Wohnen im Alter, Mehrgenerationenwohnungen und Urbanes Wohnen.

SP: Genossenschaftliches Bauen steckt noch in den Kinderschuhen

Für diese Projekte bietet sich die geplante Überbauung an der Ruckhalde an, die damit zur Nagelprobe für die neue Wohnraumstrategie wird. Zwei unterschiedliche Interessengemeinschaften haben Ideen vorgelegt, wie das 5,5 Hektaren grosse Grundstück überbaut werden könnte. Die IG Ruckhalde möchte, dass der Hang zwischen Oberstrasse und Riethüsli genossenschaftlich überbaut wird. Ein vielfältiges, sozial gut durchmischtes Quartier solle hier entstehen.

Peter Olibet, Präsident der städtischen SP und Teil der IG Ruckhalde, sieht das Vorhaben der IG durch die Wohnraumstrategie unterstützt. Sie stärke Anliegen, die ihnen auch wichtig seien: andere Wohnformen, genossenschaftliches Bauen und Freiräume.

«Beim genossenschaftlichen Bau steht die Stadt noch nirgends.»

Die SP begrüsse es, dass der Stadtrat aktive Bodenpolitik betreiben wolle. «Hier hinkt St.Gallen im Vergleich zu anderen Städten nach.» Zudem fehle es an attraktivem Wohnraum für Familien und an verschiedenen Wohnraumformen.

Peter Olibet, Präsident der SP Stadt St.Gallen und Mitglied der IG Ruckhalde.

Peter Olibet, Präsident der SP Stadt St.Gallen und Mitglied der IG Ruckhalde.

Bild: Ralph Ribi (8. März 2020)

Der Kritik des HEV kann Olibet wenig abgewinnen. Dessen Haltung sei nicht zukunftsgerichtet. «Der HEV ist in den 1970er-Jahren stecken geblieben, als Wohnbaueigentum extrem gefördert wurde.»

FDP stellt Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund

Inhaltlich kann Oskar Seger, Präsident der städtischen FDP, noch nicht viel sagen zur Wohnraumstrategie. Die FDP werde sich in den nächsten Wochen mit dem Papier auseinandersetzen. «Uns ist es wichtig, dass es ein umfangreiches Wohnangebot für alle Segmente gibt.» Also Mietwohnungen im günstigen und oberen Segment sowie Eigentum.

Oskar Seger, Präsident der FDP Stadt St.Gallen und der IG Zukunft Ruckhalde.

Oskar Seger, Präsident der FDP Stadt St.Gallen und der IG Zukunft Ruckhalde.

Bild: PD

Oskar Seger ist gleichzeitig Präsident der IG Zukunft Ruckhalde. Sie bezweifelt die Machbarkeit des Vorschlags der IG Ruckhalde und fordert deshalb einen Gesamtleistungswettbewerb. Dabei liegt am Ende nicht nur ein Projekt vor, es ist auch belegt, inwiefern dieses wirtschaftlich realisierbar ist.

Zusätzlich zu Genossenschaftswohnungen sollen laut der IG Zukunft Ruckhalde am Hang auch konventionell finanzierte Miet- und Eigentumswohnungen entstehen. Kommt es hier also zum Machtkampf um die Umsetzung der Wohnraumstrategie? Seger:

«Die Direktion Planung und Bau muss merken, dass sie nicht am Markt vorbei regieren kann.»