Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die Häggenschwiler Ritterburg verwittert

Das Mauerwerk ist lose, das Fundament unterhöhlt. Die Ruine Ramschwag verfällt rasant. Und wird zum Risiko für Besucher. Eine Sanierung scheiterte bisher an den Bürgern.
Noemi Heule
Steil fällt das Gelände neben der Ruine Ramschwag zur Sitter hin ab. Ein Teil der Burg droht ins Tobel zu stürzen. (Bild: Bilder: Benjamin Manser)

Steil fällt das Gelände neben der Ruine Ramschwag zur Sitter hin ab. Ein Teil der Burg droht ins Tobel zu stürzen. (Bild: Bilder: Benjamin Manser)

Die Ruine Ramschwag empfängt ihre Besucher mit einer Warnung. «Betreten auf eigene Gefahr», heisst es, kurz bevor der Trampelpfad steil zum Torbogen führt. «Achtung Gefahr Steinschlag» doppelt ein Schild unter der Burgmauer nach. Mit Holzlatten sind einzelne Partien abgesperrt. Denn die einst stolze Ritterburg, Stützpunkt für Raubzüge der Herren von Ramschwag, wird zum Risiko für Besucher.

Innert drei Jahre hat sich der Zustand der Ruine stark verschlechtert, wie es in einem Gutachten heisst. 2014 liess die Gemeinde Häggenschwil, Besitzerin der Ruine, das tausendjährige Mauerwerk erstmals auf Schäden prüfen. Deren Liste ist lang: bröckeliger Mörtel, Hohlräume im Mauerwerk, lose Steinbrocken und ganze Mauerpartien, die sich ablösen. Im Frühling wurde erneut eine Bestandesaufnahme durchgeführt. Als besonders gefährlich wird die Mauer oberhalb der Feuerstelle beurteilt. Sie weist brüchige Stellen auf und wurde deshalb ebenfalls hinter Holzbalken verriegelt. Schliesslich ist die Feuerstelle entlang des Sitterstrandwegs während der Sommerferien rege in Betrieb.

Ein loser Steinbrocken und zwei Fehltritte

Just als sich zwei Spaziergänger bei der Burg aufhielten, löste sich 2014 ein Steinbrocken und donnerte in deren Nähe nieder. Ein derartiger Vorfall hat sich seither zum Glück nicht wiederholt. Glück im Unglück hatten im vergangenen Jahr auch zwei Besucher, die ins Tobel stürzten. Beide aus Leichtsinn, mit dem Zustand der Ruine hatten die Unfälle nichts zu tun. Wohl aber das unwegsame Gelände.

Den Standort der Burg wählten die Erbauer nicht von Ungefähr. Im Norden und Westen ist sie durch Tobel und Sitter, im Osten durch Gräben geschützt. Der Steilhang wurde im 15. Jahrhundert den damaligen Bewohnern zum Verhängnis. Der südliche Burgteil stürzte in die Sitter, worauf die Adelsfamilie weiterzog. Dasselbe Schicksal ereilte der Legende nach zuvor einen Festsaal. Die Bauern hatten ihn unterhöhlt, um sich an den grausamen Ramschwag-Rittern zu rächen.

Teile der Burg drohen auch heute ins Tobel zu stürzen. Die südwestliche Mauer sei durch Erosion stark unterhöhlt, heisst es in einem geologischen Bericht. «Ein Einstürzen der Aussenmauer ist in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich.» Ein Riss über dem Torbogen wurde mit Gips versiegelt. Sollten sich dort erneut Risse zeigen, zeugt dies von Bewegungen im Untergrund.

Der Ramschwag-Bub und seine Mission

Dieses Siegel ist deshalb der wohl meistfotografierte Fleck der Ruine. Jeden Monat schiesst Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring ein Foto der Stelle, um Veränderungen zu dokumentieren. Daneben prangt eine Steintafel von 1931. Damals wurde die Ramschwag unter Bundesschutz gestellt und kurz zuvor umfassend saniert. Weitere kleinere Arbeiten folgten in den 1990er-Jahren. Nun steht die nächste an. Ein schwieriges Unterfangen für Eisenring, der sich selber als Ruinen-Fan und Ramschwag-Bub bezeichnet, ist er doch um die Ecke aufgewachsen.

Im 1,6 Kilometer entfernten Häggenschwil sind nicht alle angetan von ihrer Hausburg. Als Steinhaufen wird sie verspottet, oder als Geldfresser. 300 000 Franken kostet eine Sanierung, die die nächsten 20 Jahre überdauert. Sollte sie für Generationen halten, wären es zusätzlich 450 000. Dank Zuschüssen von Bund und Kanton müsste die Gemeinde für ein Drittel aufkommen. Immer noch zu viel für viele Bürger. «Die Ruine ist kein Renditeobjekt», sagt Hans-Peter Eisenring, «sondern Kulturgut». 2014 hatte die Gemeinde die Ramschwag für den symbolischen Betrag von 35 000 Franken erworben. Sie nun einfach verfallen zu lassen, wie einige Bürger unverfroren fordern, das komme nicht in Frage. Nicht nur für den Gemeindepräsidenten, sondern auch für den Denkmalschutz. Dennoch, die Zeit sei nicht reif, sagt Eisenring. Noch sei Überzeugungsarbeit nötig. Er sucht nach privaten Geldgebern, welche die Gemeinde entlasten. Eisenring ist überzeugt, an Burgenfans mangelt es nicht, auch nicht in Häggenschwil.

Bis dahin müssen sich die Besucher der Ruine in Acht nehmen. Nicht vor den Geistern der einstigen Raubritter, die dort angeblich, in stürmischen Nächten, mit Kugeln und Kegeln spielen. Sondern vor herunterfallenden Steinbrocken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.