Die Riesenkrabbenspinne aus Wittenbach ist das neue Büro-Haustier der Direktorin des Walter-Zoos

Etwa einmal im Jahr kommt es vor, dass die Polizei eine tropische Riesenspinne im Walter-Zoo abgibt. Was passiert mit den Tieren?

Melissa Müller
Drucken
Teilen
Im Walter-Zoo hat die Kapo eine Riesenspinne zur Klassifizierung abgegeben. Hier wird sie liebevoll umsorgt.

Im Walter-Zoo hat die Kapo eine Riesenspinne zur Klassifizierung abgegeben. Hier wird sie liebevoll umsorgt.

Ralph Ribi

In einem Wittenbacher Industriebetrieb krabbelte kürzlich eine graubraune Riesenspinne aus einer Kartonschachtel aus Asien. Die Polizei fing das imposante Exemplar ein und brachte es in den Walter-Zoo. «Eine wohlgenährte Riesenkrabbenspinne», stellte Biologin Leandra Pörtner fest; es handle sich um ein Weibchen mit einer Beinspannweite von rund zwölf Zentimetern.

«Sie kann mit ihren kräftigen Klauen zwar beissen, dass es weh tut, ist aber für Menschen ungefährlich.»
Leandra Pörtner weiss, wie man die Angst vor Spinnen los wird.

Leandra Pörtner weiss, wie man die Angst vor Spinnen los wird.

Michel Canonica

Etwa einmal im Jahr kommt es vor, dass die Polizei eine tropische Riesenspinne im Walter-Zoo abgibt. Meist wurde der blinde Passagier in einer Lagerhalle von Coop oder Migros entdeckt, etwa in einer Bananenschachtel. Mehrmals im Jahr bringt das Veterinäramt zudem Tiere vorbei, die am Zoll beschlagnahmt wurden – wie Schlangen, Echsen und Schildkröten.

Die letzte exotische Spinne, die im Walter-Zoo Asyl fand, wurde an einem Freitag gefunden und Miss Friday getauft. Das neue Krabbeltier kam an einem Mittwoch im Zoo an und heisst Miss Wednesday. «Wir haben einen internen Whatsapp-Chat nach ihr benannt», sagt Zoodirektorin Karin Federer.

Zoo-Direktorin Karin Federer hat auch an Spinnen Freude.

Zoo-Direktorin Karin Federer hat auch an Spinnen Freude.

Mareycke Frehner

Ein feuchtes neues Daheim

Im Büro des Walter Zoos hat Miss Wednesday ihr neues Domizil bezogen: Ein etwa 30 Zentimeter grosser Glaswürfel, gepolstert mit Moos, Erde, einer Pflanze und einer Schale Wasser. «Spinnen mögen es feucht», sagt Biologin Leandra Pörtner. Darum trifft man sie oft im Keller an. Eine Spinne im Haus deute auf ein gesundes Raumklima hin, sagt der Volksmund. «Die Spinne zeigt, dass die Luftfeuchtigkeit gut ist», bestätigt die Biologin. Die meisten Spinnen sind standorttreu. Sie bewegen sich nur wenn nötig vom Fleck, etwa um zu jagen oder sich fortzupflanzen. Wenn es darauf ankommt, können sie aber sehr schnell rennen und springen. Pörtner sagt:

«In freier Wildbahn können Riesenkrabbenspinnen sogar Mäuse und Fledermäuse jagen.»

Die Beute muss lebend sein. Im Terrarium von Miss Wednesday wartet eine Heuschrecke auf einem Grashalm auf ihr letztes Stündchen. Doch die Spinne scheint keinen Appetit zu haben. Sie hat sich hinter einer Baumrinde versteckt, zwei Beine angewinkelt. «Das ist ihre Entspannungspose», sagt die Biologin.

Phobikern die Angst vor Spinnen nehmen

Leandra Pörtner gibt im Walter Zoo zusammen mit Psychologen der Universität Zürich Angstseminare für Spinnenphobiker. Sie hat auch einen Ratgeber über das Thema geschrieben. Viele Besucherinnen und Besucher wollen jeweils wissen, wie man eine Spinne am besten töten kann. Manche greifen zum Staubsauger, um das kleine Biest loszuwerden. Davon rät die Biologin ab. «Die Spinne hat wie jedes Tier eine wichtige Rolle in der Nahrungskette.» Sie vertilgt etwa lästige Mücken und Fliegen und ist ein Leckerbissen für viele Vögel. Manche Naturvölker verehren die Krabbeltiere als helfende Wesen.

Pörnter räumt in ihren Seminaren mit falschen Mythen auf. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass jeder Mensch sieben Mal im Jahr im Schlaf eine Spinne verschlucke. Das sei Unfug:

«Die Spinne hat Angst vor Menschen. Sie nimmt uns als grossen vibrierenden Haufen wahr.»

Spinnen sind mit feinen Sinneshaaren bedeckt, mit denen sie schmecken und riechen können und feine Vibrationen spüren. «Sie nehmen die Welt ganz anders wahr als wir.»

Ein Brautgeschenk, um dem Tod zu entrinnen

Gegen 36000 Spinnenarten sind weltweit bekannt. Ihre Balzrituale unterscheiden sich von Art zu Art, schwärmt Pörtner. Die Männchen der Listspinne bereiten dem Weibchen ein Geschenk, wie eine in Spinnenseide eingewickelte Fliege. Mit Brautgeschenken verhindern männliche Listspinnen, bei der Balz von den Weibchen gefressen zu werden. Andere Männchen klopfen bei ihrem Weibchen ans Netz und zupfen mit den Fäden einen Rhythmus, um die Angebetete für sich zu gewinnen.