Kommentar

Die Richtung stimmt, das Tempo ist zu langsam: Warum der St.Galler Stadtrat beim Klimaschutz einen Gang höher schalten muss

Der Trend zeigt in die richtige Richtung. Seit 2015 konnten die Klimagasemissionen und der Verbrauch fossiler Brennstoffe in St.Gallen deutlich gesenkt werden. Trotzdem erreicht die Stadt mit diesem Tempo ihr Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, nicht.

Luca Ghiselli
Drucken
Teilen
Luca Ghiselli, Reporter Stadt St.Gallen.

Luca Ghiselli, Reporter Stadt St.Gallen.

Bild: Hanspeter Schiess

Fernwärme, Wasserkraft, Fotovoltaikanlagen, Gebäudesanierungen, Förderung der E-Mobilität: Auch die grössten Kritiker können der Stadt St.Gallen nicht vorwerfen, in den vergangenen Jahren nichts gegen den Klimawandel unternommen zu haben. Im Gegenteil: Viel wurde ausprobiert, einiges – zum Beispiel die Geothermie – scheiterte, anderes gelang.

Und was bringt das alles? Um zehn Prozent ist der Verbrauch fossiler Brennstoffe zwischen 2015 und 2018 zurückgegangen, wie der aktuelle Umweltbericht zeigt. Daraus lässt sich einerseits schliessen, dass die Massnahmen greifen. Andererseits stellen diese Zahlen aber auch unter Beweis, dass die Anstrengungen bei weitem nicht ausreichen.

Reduzieren die Stadtbewohner in diesem Tempo Emissionen und Energieverbrauch weiter, verursacht jeder einzelne Einwohner 2050 immer noch zwei Tonnen Kohlenstoffdioxid-Emissionen pro Jahr. Die Richtung stimmt also, das Tempo lässt jedoch zu wünschen übrig. Zumal Stadtrat und Parlament die Messlatte jüngst noch höher gelegt haben.

Der Klimaartikel ist kein Lippenbekenntnis

Sowohl die Exekutive als auch die Legislative (praktisch einstimmig) wollen einen Klimaartikel in die Gemeindeordnung aufnehmen und damit das Ziel einer klimaneutralen Stadt bis 2050 in der Stadtverfassung verankern. Dabei handelt es sich nicht um ein vages Lippenbekenntnis. Es braucht einschneidende und weitreichende Massnahmen, soll das gelingen.

Den Verantwortlichen ist klar: Wenn sie ihr Ziel bis 2050 erreichen wollen, müssen sie an Tempo zulegen. Die Fernwärme muss schneller und umfassender erschlossen werden, die E-Mobilität sowie der Fuss- und Veloverkehr stärker gefördert werden.

Parlament und Stadtrat sind sich einig: Es muss viel mehr getan werden. Auch die städtische Stimmbevölkerung wird kaum widersprechen. Alles andere als ein deutliches Ja zum Klimaartikel am 27. September wäre eine faustdicke Überraschung. Dann müssen Taten folgen – und das ist für gewöhnlich der schwierigere Teil.

Mehr zum Thema