SOB hat Pläne für Sitterviadukt und Sturzeneggtunnel: Die Rekordbrücke muss saniert werden

Der Sitterviadukt der Schweizerischen Südostbahn (SOB) zwischen dem Bahnhof Haggen und Herisau ist für seine 110 Jahre zwar immer noch gut in Schuss. Jetzt haben die Brücke und der dahinter folgende Sturzeneggtunnel aber eine Totalsanierung nötig. Die Bauarbeiten starten im Februar.

Reto Voneschen
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Das Sitterviadukt der Schweizerischen Südostbahn (SOB) mit Blick Richtung Herisau. Gleich nach der Brücke verschwindet der Zug im Sturzeneggtunnel. (Bild: SOB)

Das Sitterviadukt der Schweizerischen Südostbahn (SOB) mit Blick Richtung Herisau. Gleich nach der Brücke verschwindet der Zug im Sturzeneggtunnel. (Bild: SOB)

Er ist imposant, der 365 Meter lange Eisenbahnviadukt, der den Sittergraben beim Gübsensee überspannt. 1907 bis 1910 für die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) aus Natursteinen und Stahl konstruiert, ragt er 99 Meter in die Höhe. Der Sitterviadukt, der heute zum Streckennetz der Schweizerischen Südostbahn (SOB) gehört, ist damit immer noch die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz, aber auch das höchste Bauwerk in Stadt und Region St.Gallen.

Erheblich weniger spektakulär, für den reibungslosen Bahnbetrieb zwischen St.Gallen und Herisau aber mindestens genau so wichtig, ist der unmittelbar westlich der Brücke liegende Sturzeneggtunnel. Er ist 244 Meter lang, und auch er wurde 1910 gebaut

Kunstbauen für vierzig bis sechzig Jahre fit machen

Viadukt wie Tunnel sind in die Jahre gekommen. Zwar können sie immer noch sicher betrieben werden. Damit dies aber langfristig möglich bleibt, haben die beiden Kunstbauten wieder einmal eine Totalsanierung nötig. Grössere Unterhaltsarbeiten am Viadukt wurden letztmals 1979/80, am Tunnel letztmals 1989 ausgeführt.

Mit einem kombinierten Sanierungsprojekt, dessen Umsetzung voraussichtlich 19,7 Millionen Franken kosten wird, will die SOB die Bauwerke jetzt fit für die nächsten vierzig bis sechzig Jahre machen. Am Mittwochabend informierten die Projektleiter Beat Burgherr und Christian Traub das Bruggen-Quartier über die Bauarbeiten, die von Februar 2019 bis Frühling 2021 dauern sollen.

Der Voralpen-Express auf dem SOB-Sitterviadukt. Blickrichtung von der Sturzenegg Richtung Haggen und Stadt St.Gallen.

Der Voralpen-Express auf dem SOB-Sitterviadukt. Blickrichtung von der Sturzenegg Richtung Haggen und Stadt St.Gallen.

Die Hauptarbeiten an Brücke und Tunnel werden diesen Sommer ausgeführt. Dafür muss der Bahnbetrieb zwischen den Bahnhöfen Haggen und Herisau zum einen während den Nächten eingeschränkt und während der fünf Sommerferienwochen vollständig eingestellt werden.

Ein rekordverdächtiger «Fischbauch»

Der Sitterviadukt ist eine dreiteilige Konstruktion. Die Vorlandbrücken links und rechts sind aus Natursteinen gebaut. Zwischen diese Steinkonstruktionen ist ein sogenannter Halbparabel-Fachwerkträger mit Fischbauchform aus Stahl gelegt. Dieses aus grossen und kleinen Einzelstücken zusammengenietete, 1000 Tonnen schwere Teilstück war bis vor einigen Jahren das längste Stahlteil in einem Schweizer Bauwerk; heute hält diesen Rekord gemäss SOB-Projektleiter Beat Burgherr eine Brücke im Wallis.

Der Voralpen-Express auf dem SOB-Sitterviadukt. (Bild: Urs Bucher - 6. Mai 2016)

Der Voralpen-Express auf dem SOB-Sitterviadukt. (Bild: Urs Bucher - 6. Mai 2016)

Die Totalsanierung der Brücke umfasst einmal die Erneuerung des Korrosionsschutzes bei den Stahlteilen. Dafür müssen vier alte Anstriche, darunter der giftige Grundanstrich, entfernt und 25 Tonnen Farbe neu aufgebracht werden. Weiter wird das Gleisbett über die ganze Länge der Brücke samt Schienen und Fahrleitungen erneuert und dabei um zehn Zentimeter angehoben. An den Vorlandbrücken werden punktuell das Mauerwerk und einzelne Steine saniert.

 Doppelstöcker sollen passieren können

Der Sturzeneggtunnel wird ebenfalls total saniert. Die Spritzbetonschalen am Tunnelgewölbe werden ersetzt. Damit den Tunnel dereinst Doppelstockzüge passieren könnten, wird die Sohle um 25 Zentimeter abgesenkt. Einige Felsteile, die in den Tunnel ragen, werden abgefräst.

In die Tunnelsohle wird eine Betonplatte samt neuer Entwässerung und neuem Kabelkanal eingebaut. Zudem wird die Fahrleitung im Tunnel und nach Osten rund 200 Meter über den Viadukt hinaus Richtung Haggen erneuert.

Ein komplexe Grossbaustelle

Die Organisation der Baustelle zur Sanierung des Sitterviadukts und der Sturzeneggtunnels der SOB: Vier Installationsplätze erlauben, parallel an mehreren Stellen gleichzeitig zu arbeiten.

Die Organisation der Baustelle zur Sanierung des Sitterviadukts und der Sturzeneggtunnels der SOB: Vier Installationsplätze erlauben, parallel an mehreren Stellen gleichzeitig zu arbeiten.

Bei den Arbeiten stellt nicht nur die grosse Höhe der Brückenbaustelle eine Herausforderung dar. Das Arbeiten bei laufendem Bahnverkehr, der Zeitdruck und die Koordination der gleichzeitig auszuführenden Arbeiten an Brücke und Tunnel erschweren die Aufgabe. Um diesen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, sieht eine Kette von Installations- und Lagerplätzen vor, dass die Arbeiter an möglichst vielen Stellen gleichzeitig tätig werden können.

Ein Sommer ohne Zug

Die Totalsanierung des Sitterviadukts und des Sturzeneggtunnels der SOB dauert von Februar 2019 bis Frühling 2021. Der Grossteil der Arbeiten wird zwischen Ende April und Ende September dieses Jahres ausgeführt. Danach wird bis Frühling 2021 noch am Korrosionsschutz der Stahlteile des Sitterviadukts gearbeitet.

Im laufenden Jahr wird es während der Bauarbeiten drei Phasen mit Einschränkungen für den Zugsverkehr geben. Vom 28. April bis 5. Juli und erneut vom 15. bis 27. September wird der Bahnverkehr am Abend eingeschränkt. In den Nächten von Sonntag auf Montag bis Donnerstag auf Freitag fallen die Züge von 22.15 bis 5.15 Uhr aus. In dieser Zeit verkehren Bahnersatzbusse zwischen St.Gallen, Haggen und Herisau.

Vom 6. Juli bis 9. August, also in den fünf Sommerferienwochen, wird der Bahnbetrieb zwischen St.Gallen und ­Herisau vollständig unterbrochen. Auch in dieser Phase verkehren Bahnersatzbusse zwischen St.Gallen, dem Bahnhof Haggen und Herisau.

Die Reisezeit mit den Bahnersatzbussen ist zwischen 13 und 17 Minuten länger als normalerweise mit dem Zug. Für alle Phasen mit Einschränkungen im Bahnverkehr werden die Online-Fahrpläne aktualisiert. Die Züge zwischen dem Bahnhof Haggen und St.Gallen verkehren während der Teil- und Vollsperrung nach Regelfahrplan. (vre)

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