Die Region Rorschach bekommt einen Autobahnanschluss: Genugtuung bei den Befürwortern, Gegner erinnern an die Begleitmassnahmen

Die Stimmberechtigten von Rorschach und Goldach haben dem Projekt Autobahnanschluss Plus deutlich zugestimmt. In Goldach, das vom Pendlerverkehr besonders stark belastet ist, ist der Ja-Anteil der Stimmen mit 2123 zu 1148 beinahe doppelt so gross.

Rudolf Hirtl
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Im Sitzungszimmer des Rathauses Rorschach wird das Resultat bekanntgegeben. (Bild: Rudolf Hirtl)

Im Sitzungszimmer des Rathauses Rorschach wird das Resultat bekanntgegeben. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Genugtuung steht Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller am Sonntagmittag ins Gesicht geschrieben, als er im Rathaus das Abstimmungsresultat verkündet. «Das Projekt Autobahnanschluss plus wurde in der Stadt mit 1026 zu 846 Stimmen gutgeheissen», sagt er und ergänzt: «Die Region hat aus den vergangenen Jahren gelernt. Die Umsetzung grosser Projekte muss man dann packen, wenn die Chance dazu da ist.» So habe Müller auch bei jeder Gelegenheit im Nationalrat für den Autobahnanschluss geweibelt: 

«Es lohnt sich vor Ort und auf Augenhöhe mit den Entscheidungsträgern für ein Projekt zu kämpfen.»

Ebenfalls am Tisch Platz genommen haben die Gemeindepräsidenten der Nachbargemeinden. Die klare Zustimmung in Goldach, wo 2123 Ja-Stimmen 1148 Nein-Stimmen gegenüberstehen, gebe den Verantwortlichen in den drei Gemeinden recht, die für die Region zusammengestanden seien und eine gemeinsame Haltung gepflegt hätten, sagt Gemeindepräsident Dominik Gemperli.

Enge Zusammenarbeit der Gemeinden hat sich ausbezahlt

«Mit der Zustimmung von 64,9 Prozent ist eine gänzliche Neuorganisation des Verkehrsregimes hier am See verbunden. Wir freuen uns sehr über das Resultat. Damit können wir Möglichkeiten schaffen, um das Zentrum von Goldach vom Verkehr zu entlasten.»

In den vergangenen Monaten sei sehr emotional diskutiert worden und es hätten sich leider Fronten gebildet, so Goldachs Gemeindepräsident weiter. «Es wird unsere Aufgabe sein, die zum Teil berechtigten Anliegen und Bedenken der Gegner bestmöglich im Projekt zu berücksichtigen.»

Mit freiwilligem Beitrag den Weg geebnet

Rorschacherberg hat bereits an der Bürgerversammlung im Frühling freiwillig 1,5 Millionen Franken für das Projekt beschlossen. «Wir freuen uns sehr, dass nun auch Rorschach und Goldach den Schritt in die Zukunft ermöglichen», so Gemeindepräsident Beat Hirs. Der von Rorschacherberg gesprochene Beitrag habe eine gute Grundlage für die sonntäglich Zustimmung in den Nachbargemeinden geschaffen.

Freuen sich über die Zustimmung: (von links) Sacha Bundi, Leiter Mobilität kantonales Tiefbauamt, Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller, die Gemeindepräsidenten Dominik Gemperli (Goldach), Beat Hirs (Rorschacherberg) und Raphael Frei von der IG-Mobil. (Bild: Rudolf Hirtl)

Freuen sich über die Zustimmung: (von links) Sacha Bundi, Leiter Mobilität kantonales Tiefbauamt, Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller, die Gemeindepräsidenten Dominik Gemperli (Goldach), Beat Hirs (Rorschacherberg) und Raphael Frei von der IG-Mobil. (Bild: Rudolf Hirtl)

Finanzierung durch Kanton und Bund ausschlaggebend

Enttäuscht vom Abstimmungsergebnis zeigt sich der Verein «Kein 3. Autobahnanschluss». Der Autobahnanschluss sei das Weiterführen einer veralteten Verkehrspolitik, die als Antwort auf Verkehrsprobleme vor allem auf zusätzliche Strassen setze.

Damit wird das Hamsterrad weitergedreht, ohne dass das Problem grundsätzlich angegangen wird.

«Den demokratisch zustande gekommenen Entscheid gilt es zu akzeptieren. Der Verein ‹Kein 3. Autobahnanschluss› wird sich dafür einsetzen, dass die Umsetzung optimiert wird und so die Emissionen so klein wie möglich gehalten werden. Entscheidend ist aber auch, dass die durch die Behörden versprochenen Begleitmassnahmen konsequent umgesetzt werden», so der Verein in seiner Stellungnahme.

IG-Mobil begrüsst das klare Votum

«Das Goldach gleich dermassen deutlich Ja sagt, ist eine schöne Bestätigung für unseren Einsatz», so Raphael Frei, Präsident der IG-Mobil. Wenn beinahe zwei Drittel der Stimmbürger aus der Region dem Projekt zustimmten, dann wisse man, auf dem richtigen Weg zu sein.

Auch Sascha Bundi, Leiter Mobilität beim kantonalen Tiefbauamt, freut sich über die Zustimmung. «Wir haben bei diesem Projekt vorbildlich aufgezeigt, dass es nur gemeinsam eine umfassende und gute Lösung gibt.» Nun sei die Finanzierung der wichtigen Infrastruktur gesichert. Dies sei ein klares Signal in Richtung Bern. Der nächste grosse Schritt sei die Projektgenehmigung im Kantonsrat St. Gallen.