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Mangel an jungen Gemeinderäten: «Die Parteien sind gefordert»

Eine Studie zeigt: Vielen Deutschschweizer Gemeinden fehlt es an jungen Gemeinderäten. Nur sechs Prozent sind unter 35 Jahre alt. Die Gemeinderäte unserer Region kennen dieses Problem nicht.
Jonas Manser
Bürgerversammlung in Muolen: In kleineren Gemeinden bringen sich die Bürger in der Politik ein. (Bild: Benjamin Manser (Muolen, 25. Januar 2016))

Bürgerversammlung in Muolen: In kleineren Gemeinden bringen sich die Bürger in der Politik ein. (Bild: Benjamin Manser (Muolen, 25. Januar 2016))

Wo sind die Jungen? Es scheint, um die Nachfolger in den Schweizer Gemeindeexekutiven nicht gut zu stehen. Das besagt eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur. Diese fragte bei 602 Deutschschweizer Gemeinden nach, wie es um ihre Nachfolge in den Gemeinderäten steht.

209 Gemeinden gaben an, Mühe bei der Besetzung allgemein zu haben. 409 Gemeinden fällt es schwer, die Exekutive mit jungen Leuten zu besetzen. Nur knapp sechs Prozent der Gemeinderatsmitglieder sind unter 35 Jahren alt. Ein ernstes Problem für das Schweizer Milizsystem, kommen die Autoren der Studie zum Schluss.

Bewohner wollen sich einbringen

«Keine grosse Problematik», «stets gut aufgestellt», «gut funktionierende Parteien»: Das Problem der fehlenden jungen Nachfolger in der Gemeindeexekutive kennen die Gemeinden rund um St. Gallen nicht. Das Milizsystem in den kleineren Gemeinden scheint intakt zu sein.

«Die Einwohnerinnen und Einwohner wollen sich einbringen, sind im politischen Geschehen aktiv dabei», sagt der 35-jährige Sandro Parissenti (CVP). Er ist Gemeindepräsident von Berg und der Jüngste im Gemeinderat. «Dies zeigt sich auch an den Bürgerversammlungen, die stets gut besucht sind.»

Das sei der Vorteil an einer kleineren Gemeinde: Die Leute seien intrinsisch motiviert und sehen die Möglichkeit, etwas beizutragen, so Parissenti. Das Alter ist für ihn ein schwaches Kriterium. «Es ist weder Qualifikation noch Disqualifikation.» Das Interesse und die mitgebrachten Schwerpunktthemen seien wichtiger. Die Fähigkeiten der Gemeinderatsmitglieder sollten sich wenn möglich ergänzen.

Im Gemeinderat in Wittenbach fehlt es nicht an jungen Nachfolgern. Dort drückt Beni Gautschi (CVP) mit Jahrgang 1991 den Durchschnitt nach unten. Er selbst bezeichnet sich als Exoten. «Ich fühle mich sehr wohl und akzeptiert im Gemeinderat», so Gautschi.

Junge haben eine andere Perspektive

Grund für sein Engagement im Rat sei seine Neugier gewesen und die Möglichkeit, die Gemeinde mitzuentwickeln. Die Sichtweise der Jungen sei wichtig. «Sie haben eine andere Perspektive und hinterfragen manchmal auch gewisse Gegebenheiten.» Es gebe viele Faktoren für eine repräsentative Zusammensetzung des Rates. Nicht nur das Alter, sondern auch das Geschlecht sei dabei wichtig.

Junge Ratsmitglieder zu finden sei aber gleich doppelt schwierig. Zum einen gebe es nur wenige, die Interesse zeigten. Zum anderen scheue sich die Bevölkerung, jüngere Ratsmitglieder zu wählen. «Fälschlicherweise haften den Jungen Vorurteile wie Leichtsinn und Naivität an», so Gautschi.

Für Boris Tschirky (CVP), Gemeindepräsident von Gaiserwald, ist klar: «Parteien sind gefordert, ihre Mitglieder zu motivieren und potenzielle Kandidaten für die politischen Ämter zu stellen». Die möglichen Nachfolger sollten durch und von den Parteien systematisch herangeführt werden. Die Gemeinde Gaiserwald habe deshalb auch keinen eigenen Rekrutierungsprozess. Nur im Notfall sollte die Gemeinde selbst eingreifen müssen.

Aber würde es so weit kommen, so könne man bereits von einem gesellschaftlichen Problem sprechen, so Tschirky. In Bezug auf das Durchschnittsalter im Gemeinderat müsse bedenkt werden, dass beispielsweise im Gemeinderat von Gaiserwald einige Mitglieder bereits seit mehreren Jahren dabei sind. Beim Eintritt noch unter 40 Jahren alt, sei ein Mitglied schon in der fünften Legislatur, erklärt Boris Tschirky.

Amtszwang wäre kontraproduktiv

Trotzdem sei das Durchschnittsalter bereits ein wenig höher bei ihnen im Rat. Die Präferenzen der Jungen seien einfach anders. «Sie sind lieber beispielsweise in Vereinen tätig, was nicht weniger wichtig ist.»

Dies sieht Roger Hochreutener (CVP), Gemeindepräsident von Eggersriet, gleich: «Freiwillige Arbeit in den Vereinen sind meistens eher gefragt als in politischen Parteien oder Gremien.» Es wäre wünschenswert, wenn der Gemeinderat die gesellschaftliche Realität widerspiegelte. Aber die Motivation sei entscheidend. Ein Amtszwang wäre kontraproduktiv, so Hochreutener.

Einen Teil des Problems der fehlenden Nachfolge sieht Bernhard Keller (CVP), Gemeindepräsident von Muolen, beim «Karriereweg». Der klassische Weg würde nicht mehr über verschiedene Stationen bei Ortsparteien oder Geschäftsprüfungskommissionen führen, bis man schliesslich im Gemeinderat lande.

Die Durchmischung des Alters im Gemeinderat von Muolen empfindet er jedoch als ausgewogen – die Mitglieder sind zwischen 37 und 58 Jahre alt. Er selbst sei damals mit 27 Jahren zum Gemeindepräsidenten gewählt geworden.

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