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«Es gibt wenig Anmächeliges» – Vier Reaktionen auf die neue ÖV-Visitenkarte der Stadt St.Gallen

Bahnhof und Bahnhofplatz der Gallusstadt präsentieren sich nach fast fünf Jahren Umbauzeit im neuen Kleid. Der ÖV-Knoten funktioniert. Vieles wirkt für St.Galler Verhältnisse zudem ungewohnt grosszügig. In Details gehen die Meinungen – wie immer – auseinander. Das zeigen auch vier Reaktionen auf die Neugestaltung.
Die Rathausunterführung ist durch die Sanierung heller und freundlicher geworden. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Die Rathausunterführung ist durch die Sanierung heller und freundlicher geworden. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Freundliche Unterführung. Der St.Galler Stadträtin und Baudirektorin Maria Pappa gefällt die neue Rathausunterführung. Diese sei nun Teil des städtischen Lebensraums. Pappa ist von politischer Seite für den neuen Bahnhofplatz zuständig. An dessen Planung war sie jedoch noch nicht beteiligt.

Maria Pappa, Stadträtin und Vorsteherin der städtischen Direktion Planung und Bau. (Bild: Benjamin Manser - 8. März 2018)

Maria Pappa, Stadträtin und Vorsteherin der städtischen Direktion Planung und Bau. (Bild: Benjamin Manser - 8. März 2018)



Die heutige städtische Baudirektorin trat ihr Amt erst Anfang 2017 an, als am Bahnhofplatz längst gebaut wurde. Pappa setzte mit ihrer Direktion in erster Linie das um, was ihre Vorgängerinnen vorgespurt hatten: Die Planung des neuen Bahnhofs fiel in die Amtszeit von Elisabeth Béery, beim Baustart war Patrizia Adam Baudirektorin – und die Eröffnung darf nun Maria Pappa feiern.

Zum neuen Bahnhof befragt, erwähnt Pappa zuerst die Rathausunterführung. «Sie ist ein einladender Ort geworden. Man fühlt sich dort wohler als vorher.» Die Unterführung sei im Vergleich zu früher heller und grösser. «Sie ist nun ein Teil des städtischen Lebensraums.»

Verweilen statt vorbeispazieren

Auch der Kornhausplatz gefällt Maria Pappa deutlich besser als vorher, und sie sieht für die Fläche rund um den Lämmlerbrunnen noch viel Entwicklungspotenzial. «Der Platz wird eine andere Rolle spielen als bisher und ein echter Platz sein», zeigt sich die Baudirektorin überzeugt.

Vor der Sanierung waren auf dem Kornhausplatz Velos parkiert, im Pavillon verkauften die Verkehrsbetriebe Bustickets. Sitzmöglichkeiten waren zuletzt kaum mehr vorhanden. «Die meisten Passanten sind einfach über den Platz spaziert oder daran vorbei gelaufen», sagt Pappa. Diese Nutzung werde sich nun ändern.

Heller und freundlicher

Es gebe jetzt mehr Stühle und Bänke, so dass man sich dort setzen könne, «auch ohne etwas zu konsumieren», sagt Pappa. Wie die Rathausunterführung sei auch der Kornhausplatz heller und freundlicher geworden.

«Mein erster Eindruck ist gut. Ich bin gespannt, wie sich das einspielen wird.»

Alles bestens also? Fast. Etwas hätte Maria Pappa nämlich anders gemacht, wenn sie bei der Gestaltung des Bahnhofplatzes freie Hand gehabt hätte. «Bei mir hätte das Grün mehr Platz bekommen», sagt sie und verweist auf die Begrünung des Kornhausplatzes und des Bahnhofpärkleins. Sie betont aber auch, im Moment sei noch schwer abzuschätzen, wie sich die Bepflanzung auf dem Platz entwickeln werde. «Das meiste wächst erst noch.» (rbe)

Auf dem Kornhausplatz steht jetzt wieder der Lämmlerbrunnen. Auf das an seiner Stelle ursprünglich geplante Wasserspiel wurde verzichtet. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Auf dem Kornhausplatz steht jetzt wieder der Lämmlerbrunnen. Auf das an seiner Stelle ursprünglich geplante Wasserspiel wurde verzichtet. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Optik vor Funktionalität. SVP-Politiker Karl Güntzel bekämpfte vor fünf Jahren im Abstimmungskampf die Neugestaltung von Bahnhofplatz und Bahnhof. Das Ergebnis überzeugt ihn jetzt nicht wirklich.

SVP-Kantonsrat Karl Güntzel. (Bild: Regina Kühne - 13. Juni 2017)

SVP-Kantonsrat Karl Güntzel. (Bild: Regina Kühne - 13. Juni 2017)

Die Abstimmung über die Neugestaltung von Bahnhofplatz und Hauptbahnhof vom Juni 2013 schien ein Selbstläufer zu werden. Es gab zwar Kritik an einzelnen Punkten des 120-Millionen-Projekts, an dem sich die Stadt mit 37 Millionen beteiligte. Fundamentalopposition war jedoch nicht auszumachen.

Erst etwas mehr als einen Monat vor der Abstimmung formierte sich Widerstand: Ein Komitee unter Federführung von SVP-Kantonsrat Karl Güntzel, dem auch Gewerbe- und Hauseigentümerverband sowie die städtische SVP angehörten, versuchte, das Projekt zu Fall zu bringen. Der Hauptkritikpunkt: Die Neugestaltung sei viel zu teuer. Ausserdem seien Funktionalität und Sicherheit ungenügend.

Sogar eine Stimmrechtsbeschwerde reichte das Komitee ein mit dem Antrag, die Abstimmung zu verschieben. Vergebens. Am Ende sagten die Stimmbürger im Juni 2013 mit rund 54 Prozent Ja zum Projekt.

St.Gallen als «kleines Seldwyla»

Er sei auch heute noch der Meinung, dass «ein Wahnsinnsbetrag» verbaut worden sei, sagt Karl Güntzel. Er könne aber nicht belegen, dass die Neugestaltung auch günstiger zu haben gewesen wäre. In der Schweiz könne man nun mal nicht günstig bauen, und wenn der Staat baue, werde es halt noch teurer.

Dass dann auch noch die Busanzeigetafel in der Ankunftshalle für teures Geld verschoben worden sei, nennt Güntzel «ein kleines Seldwyla». Überhaupt gefällt Güntzel die Gestaltung der Ankunftshalle und des Aufgangs aus der Rathausunterführung nicht besonders gut. Auch die binäre Uhr sei «fragwürdig».

«Vieles wirkt steril»

Zur Ästhetik des Bahnhofplatzes will sich der SVP-Kantonsrat nicht gross äussern. Es gebe wenig «Anmächeliges», vieles wirke steril. Das Wichtigste sei ohnehin die Funktionalität. Diese werde sich vermutlich erst nach einiger Zeit richtig beurteilen lassen.

Er habe den Eindruck, dass sich Busse und Fussgänger gegenseitig behinderten, sagt Karl Güntzel. Deshalb hätte er eine durchgehende Unterführung bis zum Kornhausplatz befürwortet. Zufrieden zeigt er sich mit der Tatsache, dass statt des geplanten Wasserspiels auf dem Kornhausplatz der Lämmlerbrunnen zurückgekehrt ist. «Das Wasserspiel wäre zu einer Stolperfalle geworden, zumal der Platz nun noch belebt werden soll.» (dag)

In der Begegnungszone Bahnhofplatz dürfen sich Fussgängerinnen und Fussgänger kreuz und quer bewegen. Fahrplanstabilität und Sicherheit ist das allerdings nicht immer zuträglich. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

In der Begegnungszone Bahnhofplatz dürfen sich Fussgängerinnen und Fussgänger kreuz und quer bewegen. Fahrplanstabilität und Sicherheit ist das allerdings nicht immer zuträglich. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Fussgänger klarer lenken. Der «neue» Bahnhof befriedigt Bruno Eberle zu 75 Prozent. Mit dem Bahnhofplatz ist er zur Hälfte zufrieden. Bruno Eberle vertritt als Präsident von Pro Bahn Ostschweiz die Interessen der ÖV-Reisenden. Der ehemalige Lokalpolitiker des Landesrings der Unabhängigen beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Verkehrspolitik. Wer ihn kennt, weiss, dass er eine dezidierte Meinung zum «neuen» Bahnhof und Bahnhofplatz hat.

Bruno Eberle, Präsident Pro Bahn Ostschweiz. (Bild: Urs Bucher - 6. Dezember 2016)

Bruno Eberle, Präsident Pro Bahn Ostschweiz. (Bild: Urs Bucher - 6. Dezember 2016)

Eberle findet viele Neuerungen im Bahnhof und auf dem Bahnhofplatz gut, sieht aber auch viel Potenzial für Verbesserungen. Der Bahnhofsumbau ist für den Präsidenten von Pro Bahn Ostschweiz zu 75 Prozent gelungen. Die Rathausunterführung findet er gut. Darin Geschäfte anzusiedeln, die den SBB Einnahmen bescherten, sei legitim. In der westlichen Personenunterführung sind für Bruno Eberle Velofahrer, die nicht absteigen, das grösste Problem:

«Das ist für ältere Personen ein gefährlicher Zustand.»

Neues WC: Zweckmässig und im Sinne des Reisenden

Bei der Toilettenanlage ist Eberle hin und her gerissen: Das Bahnhof-WC sei einst ein Ort gewesen, der in Romane Eingang gefunden habe. Es sei aber im Sinne des Reisenden, wenn ihm heute eine saubere und sichere Toilette angeboten werde. Die Benützung dürfe etwas kosten.

Die alte Schalterhalle ist für Eberle gut gestaltet. Sie sei aber mit nur zwei Restaurants massiv unternutzt. Hier fehlten zudem umfassende Informationen zum Fahrplan von Bus und Postauto. Das neue SBB-Reisezentrum hingegen sei zu beengt, kritisiert Bruno Eberle.

«Todsünde» auf dem Bahnhofplatz

Eine «Todsünde» ortet der Präsident von Pro Bahn Ostschweiz auf dem Bahnhofplatz, der ihn nur zur Hälfte befriedigt: Kritisch sei die Querung von Platz und Bushof durch Fussgängerinnen und Fussgänger. Hier mache sich bemerkbar, dass man von der Stadtpolitik her alles unternommen habe, um die in der Abstimmung vom Juni 2013 dann auch verworfene Verlängerung der Unterführung bis zum Kornhausplatz schlechtzureden.

Die Situation mit kreuz und quer laufenden Personen sei für die Fahrplanstabilität in Stosszeiten und auch bezüglich Sicherheit heikel. Hier wünscht sich Bruno Eberle eine klarere Personenführung – auch zur Entlastung der ÖV-Chauffeure.

Kornhausplatz nicht unnötig möblieren

Ebenfalls unbefriedigend findet er im Bushof die Info-Stelen bei den Wartebereichen im Bushof, die den Perron unnötig einengten und damit den Personenfluss behinderten. Der Kornhausplatz ist für Bruno Eberle gut «aufgeräumt». Es bestehe jetzt aber die Gefahr, dass man ihn – unter anderem mit Gartenbeizen – rasch und unnötig voll stelle. (vre)

Die behindertengerechten Busperrons haben eine erhöhte Haltekante. Sie anzufahren erfordert viel Geschick, um Blechschäden zu vermeiden. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Die behindertengerechten Busperrons haben eine erhöhte Haltekante. Sie anzufahren erfordert viel Geschick, um Blechschäden zu vermeiden. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Obacht bei den Perrons. Die erhöhten Haltekanten der Perrons im neuen Bushof stellen VBSG-Chauffeure vor neue Aufgaben. Gefordert ist oft Millimeterarbeit.

Sandro Näf, Teamleiter und Buschauffeur bei den VBSG. (Bild: Seraina Hess - 29. August 2018)

Sandro Näf, Teamleiter und Buschauffeur bei den VBSG. (Bild: Seraina Hess - 29. August 2018)

Neben dem Depot an der Steinachstrasse ist er der wichtigste Dreh- und Angelpunkt für VBSG-Teamleiter Sandro Näf: der neue Bushof auf dem Bahnhofplatz. Auf den Busperrons beginnen und enden oft die Schichten der Chauffeure. Im Bahnhofgebäude vis-à-vis, über dem Wartesaal, befinden sich Büros und Pausenraum der Verkehrsbetriebe St.Gallen.

Sandro Näf sitzt häufig am Bussteuer und weiss, welche Vorteile der neue Bahnhofplatz für seine Berufskollegen mit sich bringt – vor allem nach langer Zeit mit provisorischen Haltestellen beim Neumarkt. Der Bushof sei heller geworden, freundlicher, grosszügiger. Am meisten schätzt der Chauffeur die kurzen Standzeiten, die sich ergeben, weil der Zeitausgleich wegfällt.

Einige Fahrzeuge bereits beschädigt

«Trotz aller Vorteile gibt es für uns aber auch einige Tücken auf dem neuen Bahnhofplatz», sagt der 45-Jährige. Dazu gehört beispielsweise die Zone zwischen den Perrons, in der Fussgänger – oft ins Smartphone vertieft – unterwegs sind. Sie verlangen den Chauffeuren besonders viel Aufmerksamkeit ab.

Millimeterarbeit haben die VBSG-Mitarbeiter zu leisten, wenn sie den Bus vom Perron wegfahren wollen, sich direkt vor dem Fahrzeug aber ein weiterer Bus befindet. Beim Einlenken zum Überholen kann es vorkommen, dass das Heck die erhöhte Haltekante streift. Diese ist zu hoch, als dass der Bus darüber rollen könnte wie bei einem Trottoir. «Die Absenkleiste mehrerer Busse wurde so bereits beschädigt», sagt Näf.

Glücklich mit den neuen Bushof

Genauso ungünstig sei es, wenn der Chauffeur sein Fahrzeug vor einem bereits abgestellten Bus anhalten will. In diesem Fall sei es kaum möglich, den hinteren Teil des Fahrzeugs gleich nah ans Perron zu fahren wie den vorderen. An diesem Umstand können weder Chauffeure noch Ingenieure etwas ändern. Anders sieht das bei der Lichtsignalsteuerung der Bahnhofsausfahrt Richtung Westen aus. Diese werde derzeit optimiert, um die Wartezeiten beim Nadelöhr zu verkürzen.

«Grundsätzlich sind wir glücklich mit dem neuen Bushof», sagt Sandro Näf. «Gespannt bin ich aber, ob er in 20 bis 30 Jahren noch gross genug sein wird, um den erhöhten ÖV-Frequenzen standzuhalten.» (seh)

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