Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Massive Kritik an neuer Pflästerung: Die St.Galler Metzgergasse probt den Aufstand

Die Pläne des Stadtrats für die Pflästerung der Metzgergasse stossen bei sämtlichen Betroffenen auf massiven Widerstand. Sie wollen gegen das Projekt lobbyieren und es im Parlament zu Fall bringen. Oder mit Einsprachen.
David Gadze
Die Stadt will die Metzgergasse im nächsten Jahr pflästern. Anwohner kritisieren aber die Art und Weise. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Die Stadt will die Metzgergasse im nächsten Jahr pflästern. Anwohner kritisieren aber die Art und Weise. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Seit Jahren wartet die Metzgergasse auf eine neue Pflästerung. Nun könnte es aber schnell gehen: Die Vorlage soll noch im Juni ins Parlament kommen, sodass die Stadt das Neugestaltungsprojekt nach den Sommerferien öffentlich auflegen könnte. Das sagte Stadtingenieur Beat Rietmann am Mittwochabend an der Hauptversammlung der Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest. Sollten keine Einsprachen eingehen, könnten noch diesen Winter die Werkleitungsarbeiten durchgeführt und in der ersten Jahreshälfte 2020 die Pflästerung in Angriff genommen werden.

Ob die Stadt diesen Zeitplan einhalten kann, scheint aber höchst fraglich. Denn gegen die Pflästerung gibt es massiven Widerstand. Der Grund: Der Stadtrat hatte den vom Tiefbauamt mit allen Betroffenen ausgehandelten Kompromiss abgelehnt. Dieser sah in der Metzgergasse eine gebundene Pflästerung – also mit verschlossenen Fugen, wie an der Goliathgasse – sowie einen breiten Mittelstreifen für Gehbehinderte vor. Für die Engelgasse hingegen war eine ungebundene Pflästerung geplant, also mit Fugen, die mit Sand verfüllt sind. Der Stadtrat forderte aber auch für die Metzgergasse eine ungebundene Pflästerung.

Argumente des Stadtrats kommen nicht an

Schuldirektor Markus Buschor, der als Gast an der Hauptversammlung anwesend war, verteidigte das Vorgehen des Stadtrats. Es gebe mehrere Gründe für die ungebundene Pflästerung. Einer davon seien die tieferen Baukosten, ein anderer der einfachere Unterhalt, weil etwa auch Frostschäden ausblieben. Auch ökologische Überlegungen sprächen dafür: Der grösste Vorteil sei dabei nicht die Versickerung, sondern der Feuchtehaushalt. Dieser trage zu einem besseren Klima in der Gasse bei. Ausserdem wolle die Stadt bei der Pflästerung der nördlichen Altstadt einen Kontrastpunkt setzen zu jener in der südlichen Altstadt.

Buschor: «Wir lassen uns auf keine Experimente ein»

Der Stadtrat lasse sich jedenfalls auf keine Experimente ein, betonte Buschor. Bei der ungebundenen Pflästerung handle es sich um die Regelbauweise, die auch in anderen Schweizer Städten zum Einsatz komme – und zwar schon seit Jahrhunderten. Deshalb habe der Stadtrat dem Tiefbauamt den Auftrag erteilt, unter den gleichen Rahmenbedingungen, also auch bezüglich der Behindertengerechtigkeit, Lösungen für die ungebundene Pflästerung zu suchen. «Es gibt immer mehrere überzeugende Lösungen für dieselbe Aufgabestellung.»

Stadtrat Markus Buschor verteidigte die Pflästerung. (Bild: Urs Bucher)

Stadtrat Markus Buschor verteidigte die Pflästerung. (Bild: Urs Bucher)

In der anschliessenden Diskussion zeigte sich jedoch schnell, dass die über 30 anwesenden Mitglieder der Gassengesellschaft diese Lösung keinesfalls als überzeugend erachten. Sie wollten von den Argumenten des Stadtrats jedenfalls nichts wissen. Regina Albers vom Albers Hörinstitut zitierte aus einem externen Gutachten, wonach die ungebundene Pflästerung für die Metzgergasse ungeeignet sei.

Als wichtige Verbindung zwischen dem Unteren Graben und dem Marktplatz müsse sie höheren Anforderungen genügen als eine normale Gasse. So müsse man sie im Winter schwarz räumen können, was bei der ungebundenen Pflästerung aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht möglich sei. Beim Befahren mit schweren Anlieferungsfahrzeugen drohten sich die Pflastersteine, abzusenken. Und da die Gasse steil sei, würde Regen den Sand ausspülen.

Auch andere negative Stimmen gab’s zu hören: An der Kirchgasse, die ebenfalls ungebunden gepflästert ist, hätten fast alle Gebäude feuchte Keller und der Sand verschmutze die Läden. Bei der Neugestaltung der Goliathgasse habe sich die Stadt auch für die gebundene Pflästerung entschieden. Das sei inkonsequent.

«Informationspolitik ist traurig und bedenklich»

Auch Markus Alder von der Behindertenorganisation Procap St. Gallen-Appenzell, die bei der Erarbeitung des Kompromisses ebenfalls beteiligt gewesen war, sparte nicht mit Kritik. Zum einen sei die Informationspolitik der Stadt «traurig und bedenklich». Man sei zum wiederholten Mal über einen Entscheid nicht informiert worden.

Uwe Albers, Präsident der Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest. (Bild: PD)

Uwe Albers, Präsident der Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest. (Bild: PD)

Zum anderen gebe es Normen, nach denen die ungebundene Pflästerung nicht behindertengerecht sei. Alder kündigte an, dass Procap gegen eine solche Lösung mit Einsprachen ankämpfen werde, was das ohnehin bereits um Jahre verzögerte Neugestaltungsprojekt auf unabsehbare Zeit in die Länge ziehen könnte. Markus Buschor entgegnete, es könne ja nicht sein, dass andere Städte die ungebundene Pflästerung verwendeten, wenn sie nicht den Normen entspreche.

Uwe Albers, Präsident der Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest, rief die Anwesenden auf, bei Mitgliedern des Stadtparlaments zu lobbyieren, um die Vorlage zu versenken. Sollte dies nicht gelingen, werde die Gassengesellschaft die Einsprache von Procap unterstützen, auch finanziell.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.