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Nach Streit um Kulturpreis: Drei Mitglieder der St.Galler Kulturkommission treten zurück

Die umstrittene Vergabe des Kulturpreises 2018 hat personelle Konsequenzen: Sandra Meier und Norbert Möslang sind aus dem Gremium ausgetreten. Auch Karin Bühler hat demissioniert.
Luca Ghiselli
Sein grösstes Projekt in St. Gallen: Milo Rau (ganz links) diskutiert auf dem Podium zu seinem Stück «City of Change» mit Lukas Reimann, Karin Keller Sutter und Cédric Wermuth. (Bild: Ralph Ribi, Lokremise, 28. Mai 2011)

Sein grösstes Projekt in St. Gallen: Milo Rau (ganz links) diskutiert auf dem Podium zu seinem Stück «City of Change» mit Lukas Reimann, Karin Keller Sutter und Cédric Wermuth. (Bild: Ralph Ribi, Lokremise, 28. Mai 2011)

Hat der Stadtrat über den Kopf der Kulturkommission hinweg den Kulturpreis verliehen? Hat er den Vorschlag des Gremiums, den international renommierten Theaterregisseur Milo Rau auszuzeichnen, einfach ignoriert? Und hat der Entscheid gegen Rau und für Sitterwerk-Gründer Felix Lehner gar ein politisches Motiv? War Milo Rau dem Stadtrat eine zu heikle Wahl?

Diese Fragen kreisen über der St. Galler Kulturpolitik, seit im Februar Kritik an der Vergabe des Preises laut wurde. Nun hat der Kulturknatsch Konsequenzen: Mit Sandra Meier, Leiterin des Kinok, und Künstler Norbert Möslang sind zwei Mitglieder der Kommission im Frühjahr zurückgetreten, wie das Kulturmagazin «Saiten» in seiner Online-Ausgabe berichtet. Als Begründung für die Demission führen beide den Entscheid gegen Milo Rau an. Und mit Karin Bühler ist ein drittes Mitglied von der Kommission zurückgetreten.

«So braucht es die Kommission nicht»

Auf Anfrage sagt Sandra Meier: «Ich bin nicht einverstanden mit dem Entscheid.» Der Stadtrat habe zwar das Recht, den Vorschlag der Kulturkommission zu übergehen. «Es kommt aber einem Misstrauensvotum gegen die Arbeit des Gremiums gleich.» Und unter diesen Bedingungen sehe sie keinen Sinn in der Arbeit der Kommission. «Es ist absurd, eine Kommission einzusetzen, nur um sie danach zu desavouieren», sagt Meier. So brauche es das Gremium gar nicht.

Die Formulierung des Stadtrats in der Antwort auf eine Interpellation von Etrit Hasler, er habe sich nicht gegen, sondern für einen Preisträger entschieden, hält Meier für reine Rhetorik. «Felix Lehner ist ein unbestrittener und verdienter Kulturpreisträger», hält sie fest. Es sei aber nicht etwa der Fall, dass die Kulturkommission dem Stadtrat zwei Namen vorgeschlagen habe. «Felix Lehner war im Gespräch. Wir haben uns aber für Milo Rau entschieden und diesen Vorschlag auch klar kommuniziert.»

Kristin Schmidt, Co-Leiterin der städtischen Kulturförderung, bestätigt die Rücktritte auf Anfrage. «Sandra Meier und Norbert Möslang sind beide ohne Angabe von Gründen zurückgetreten.» Laut Schmidt ist auch die Künstlerin Karin Bühler nach neun Jahren im Gremium zurückgetreten. Sie habe im Gegensatz zu Meier und Möslang aber verschiedene Gründe für ihren Austritt aus der Kommission genannt. «Unter anderem hat sie sich auch an den mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten wegen des Kommissionsgeheimnisses gestört», sagt Schmidt. Nun gehe es darum, die entstandenen Vakanzen im zehnköpfigen Gremium zu füllen. «Es laufen bereits erste Anfragen.»

Zudem sei die Kulturförderung derzeit damit beschäftigt, das Kulturkonzept zu überarbeiten. 2020 soll es in Kraft treten. «Da haben wir bereits erste Schritte unternommen.» Die aktuelle Version des Kulturkonzepts aus dem Jahr 2009 erwähnt die Weiterentwicklung der Kulturkommission explizit. Unter anderem wird darin unter dem Titel «Transparenz verbessern – Förderpolitik stärken» empfohlen, die Arbeit und Funktion der Kommission für Kulturförderung zu überprüfen und das Gremium stärker in die Vergabe von Projektbeiträgen einzubeziehen. «Es ist unsere Absicht, die Rolle der Kommission zu überdenken», sagt Schmidt.

Exekutive hat nicht überall das letzte Wort

Dass die Exekutive bei der Vergabe von Kulturpreisen das letzte Wort hat, ist nicht zwingend. Auf kantonaler Ebene ist das Vorgehen bei der Vergabe von Kulturpreisen anders: Der Kanton St. Gallen hat bereits 1985 eine eigenständige Stiftung ins Leben gerufen. Der Stiftungsrat wählt die Preisträger autonom – und mit Martin Klöti sitzt nur ein Regierungsrat im Gremium.

In der Antwort auf die Interpellation von Etrit Hasler verteidigt der Stadtrat sein Vorgehen (Ausgabe vom 16. Mai). Das Geschäft ist für die Sitzung des Stadtparlaments vom kommenden Dienstag traktandiert.

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