Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die letzte Käserei in Gossau schliesst

Das Käser-Ehepaar Edith und Emil Amacker tritt in wenigen Monaten in den Ruhestand. Für die Käserei Niederdorf bedeutet dies das Aus. Die Genossenschafter haben lange um den Entscheid gerungen.
Perrine Woodtli
Sie verarbeiteten drei Millionen Kilogramm Milch im Jahr: Emil und Edith Amacker im Keller, wo 3500 Käseleiber reifen. (Bild: Urs Bucher)

Sie verarbeiteten drei Millionen Kilogramm Milch im Jahr: Emil und Edith Amacker im Keller, wo 3500 Käseleiber reifen. (Bild: Urs Bucher)

Im Keller der Käserei Niederdorf ist es kühl und feucht. Nur so kann der Käse ideal reifen. In den Regalen reihen sich Käselaibe aneinander. In zehn Monaten werden diese Regale leer sein. Die Käserei an der Flawilerstrasse schliesst Ende April 2019. Edith und Emil Amacker treten in den Ruhestand. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.

«Die Chäsi ist alt und muss saniert werden», sagt Emil Amacker. Am besten wäre es gemäss dem Käsermeister, wenn das Gebäude mit der Produktionshalle, dem Laden und dem Keller sowie dem Stall nebenan einem Neubau weichen würde. «Vor allem ein grösserer Keller müsste her», sagt Amacker. Das Untergeschoss bietet Platz für rund 3500 Käselaibe. Besser wären 15 000.

Ein Nachfolger müsste entsprechend viel Geld in die Hand nehmen. Über den Daumen gepeilt, dürften sich die Kosten laut Amacker auf sechs Millionen Schweizer Franken belaufen. «Die jungen Leute sind aber nicht bereit, so viel zu investieren und ein solches Risiko einzugehen.»

Ehepaar wohnt weiterhin in der Käserei

Die Käserei ist Teil der Käsereigenossenschaft Niederdorf, die 1867 gegründet wurde. Zur Genossenschaft gehören heute noch acht Landwirtschaftsbetriebe, die der Käserei täglich Milch liefern. «Wir haben uns den Kopf darüber zerbrochen, wie es weitergehen soll», sagt Genossenschaftspräsident und Landwirt Peter Schlauri.

Man habe mehrere Käsereien angefragt bezüglich einer Zusammenarbeit – erfolglos. Schliesslich seien die Bauern und das Pächterehepaar zum Entschluss gekommen, die Käserei nach dessen Pensionierung zu schliessen. Damit wird 2019 die letzte noch produzierende Käserei in Gossau eingestellt.

Ob es eine gute Lösung sei, könne man erst in ein paar Jahren beurteilen, sind sich Amacker und Schlauri einig. «Momentan denken wir, dass es so richtig ist.» Die Bauern werden nach der Schliessung ihre Milch der Käserei Hardegger in Jonschwil liefern. «Uns Bauern war es wichtig, dass wir alle gemeinsam zu einem Betrieb gehen», sagt Schlauri.

Das Käser-Ehepaar wird im Wohnhaus oberhalb der Käserei wohnen bleiben. Die anderen Räume sollen laut Schlauri untervermietet werden. Und dann ist da noch die Mikrobrauerei «Giz ais» von Stefan Amacker, Marius Bettenmann und Samuel Weishaupt, die weiterhin ihr Bier in der Chäsi brauen werden.

Tüftler mit Leidenschaft

Emil und Edith Amacker übernahmen die Käserei am südwestlichen Stadtrand im Jahr 2000. Bereits von 1982 bis 1987 waren sie dort tätig, als Emil Amacker als Betriebsleiter der Säntis Molkerei arbeitete. Weil er und seine Frau sich selbstständig machen wollten, zog es sie damals ins thurgauerische Tuttwil, wo sie eine Käserei führten.

Eines Tages hörte Edith Amacker, dass die Käserei Niederdorf frei werde. Kurze Zeit später kehrte das Paar mit den vier Kindern zurück nach Gossau. Emil Amacker, der Sohn eines Käsers, hat sein Leben bereits als 15-Jähriger der Milchverarbeitung verschrieben. Auch 50 Jahre später liebt er seinen Beruf noch.

Vor allem das Ausprobieren neuer Käsesorten bereitet ihm Freude. Amacker ist ein Tüftler. «Ich habe einfach das Flair dafür», sagt er. Und meint dazu: «Kleine Käsereien müssen sich mit Eigenkreationen von den grossen Detailhändlern abheben.» Ausser dem Appenzellerkäse, der in die Handlung geliefert wird, verkaufen Amackers ihre rund zehn Sorten im eigenen Laden.

Gemeinsame Zeit nachholen und Kochen lernen

Emil Amacker glaubt, dass die Zeit bis Frühling schnell verstreiche und freut sich auf die Pension. Darauf, am Morgen aufzustehen und «nichts zu müssen». «Wir haben unsere Leistungen gebracht und sind froh, es bald ruhiger nehmen zu können», sagt Amacker.

Die neu gewonnene Zeit will er mit Enkeln und Frau verbringen. Vor allem das Paar hat einiges nachzuholen. «In all den Jahren konnten wir fast nie gemeinsam verreisen.» Zudem will er seine dritte Modelleisenbahn aufbauen. «Dafür werde ich etwa zehn Jahre brauchen», sagt Amacker.

Und er hat ein weiteres Projekt:

Käse machen kann ich. Vielleicht lerne ich bald auch kochen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.