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Interview

«Die Ladenmieten in St.Gallen sind ungesund hoch»: Warum Modeunternehmer Erich Weber dennoch an die Innenstadt glaubt

Allen Unkenrufen zum Trotz: Erich Weber glaubt an die Zukunft der St. Galler Innenstadt. Während andere Häuser dichtmachen, expandiert Mode Weber in der Altstadt an teurer Lage. Erich Weber über horrende Mieten, leere Läden und Mut.
Daniel Wirth
Erich Weber im neu konzipierten Verkaufsraum am Hauptsitz von Mode Weber an der St.-Leonhard-Strasse. (Bild: Hanspeter Schiess (12. März 2019))

Erich Weber im neu konzipierten Verkaufsraum am Hauptsitz von Mode Weber an der St.-Leonhard-Strasse. (Bild: Hanspeter Schiess (12. März 2019))

An bester Lage in der St.Galler Altstadt wird gegenwärtig ein Mietzins von 1200 Franken pro Quadratmeter und Jahr bezahlt, wie eine «Tagblatt»-Recherche an den Tag brachte. Diese horrenden Mieten sind mit ein Grund, weshalb Detailhändler aufgeben und ihre Läden dichtmachen. Einen Gegentrend setzt Mode Weber: Das Familienunternehmen eröffnete im Multertor gerade die Weber Butikk, übernahm 2018 die Boutique von Elisabeth Berger an der Neugasse und führt seit 2011 einen Markenshop an der Spisergasse. Am Hauptsitz an der St.-Leonhard-Strasse wurde ebenfalls investiert.

Sie eröffnen in der St. Galler Altstadt einen Laden nach dem anderen. Die horrenden Mieten an allerbester Lage scheinen Sie nicht zu stören.

Erich Weber: Die Mieten sind zum Teil tatsächlich horrend, und sie sind ein erheblicher Bestandteil unserer Kosten. Obschon die gegenwärtigen Mieten ungesund hoch sind, müssen wir damit leben. Wir versuchen mit den Vermietern einen vernünftigen Mietzins auszuhandeln. Der Verhandlungserfolg ist allerdings nicht an allen Orten gleich gross.

Hand aufs Herz: Wie oft sind Ihnen die Vermieter in St.Gallen bei Verhandlungen entgegengekommen?

Vereinzelt. Wir haben das Glück, einen Teil unserer Ladenflächen in Liegenschaften zu haben, die in unserem Besitz sind. Bei den gemieteten Flächen haben wir langjährige Verträge mit akzeptablen Konditionen. Ein grosser Teil der Häuser in der Altstadt gehören Versicherungen, Pensionskassen und Immobilienfirmen. Der Druck, die Mieten zu senken, ist bei diesen Institutionen noch nicht so gross.

Zur Person

Der 57-jährige Erich Weber ist Verwaltungsratspräsident von Mode Weber. Er führt das 1919 im Toggenburg gegründete Modehaus in dritter Generation. Weber studierte an der Universität St. Gallen Marketing. Nach dem Studium arbeitete er kurz für den niederländisch-britischen Verbrauchsgüterkonzern Unilever, ehe er im Familienunternehmen tätig wurde. In sieben Mode-Weber-Filialen in Mels, Rapperswil-Jona, Rorschach, St. Gallen, St. Margrethen, Wattwil und Wil und in 13 Markenshops in der Ostschweiz beschäftigt Mode Weber derzeit 224 Mitarbeitende, rund zehn Prozent davon sind Lehrlinge. (dwi)

Die St.Galler Innenstadt wird oft schlechtgeredet. Sie liege auf dem Sterbebett. Was bestärkt Sie in ihrem Glauben an die Innenstadt?

Es bedarf einer gründlichen Analyse. Der Onlinehandel und die preisgünstigere Konkurrenz im nahen Euroraum, um nur zwei Faktoren zu nennen, lösen bei uns einen Rückgang der Frequenzen aus. Jetzt könnten wir uns einschachteln und bloss ein bisschen reden und uns beschweren über die schwierigen Umstände, oder wir können ihnen proaktiv begegnen. Das machen wir. Wir versuchen, die Verweildauer unserer Kundinnen und Kunden in den Läden zu verlängern; zum einen mit einem selektiven Markenangebot, zum anderen mit zeitgemäss eingerichteten Stores und gut geschultem und kompetentem Personal.

Moderne Läden, gute Marken, geschultes Personal. Das reicht, um in St. Gallen Business zu machen?

Damit heben wir uns ab von international tätigen Mitbewerbern, deren Filialen in Biel, Chur, Solothurn oder wo auch immer exakt gleich dahergekommen. Und ja: Das Personal ist das A und O. Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer können Kundinnen und Kunden beraten. Es gibt ganz viele Leute, die wollen und können ihre Kleider nicht selber aussuchen. Sie sind unsicher, brauchen Rat.

Die neu eröffnete Weber Butikk im Multertor an der Ecke Neugasse/Multergasse befindet sich an allerbester Lage in der Stadt. Entsprechend hoch dürfte die Miete sein, geschätzt über eine Viertelmillion Franken im Jahr. Es scheint, als seien Sie ein mutiger Unternehmer?

Oder ein blauäugiger, ich weiss es nicht. Jedenfalls: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir haben viele Jahre nach einem guten Standort gesucht, viele Jahre ist nichts gegangen. Jetzt wurde uns einer der besten Plätze in der Stadt angeboten, und wir wollten diese Chance nutzen. Es stimmt: Wir müssen einen hohen Mietzins stemmen, dessen sind wir uns bewusst. Wir sind aber auch der Meinung, dass sich das langfristig rechnen lässt.

Andere Modehäuser haben kapituliert und ihre Boutiquen in der Altstadt dichtgemacht. Was machten sie falsch, oder was macht Mode Weber anders als die, die aufgaben?

Wir sind hier verankert. Wir sind nahe bei unseren Filialen, und wir kennen unsere Kundschaft, die schon in St. Gallen nicht die gleiche ist wie im Rheintal oder im Toggenburg. Wir fühlen den Puls der Leute. Das können international tätige Ketten, deren Manager irgendwo auf der Welt ihren Arbeitsplatz haben, nicht. Hinzu kommt, das ist mein Eindruck, dass sie auf dem Platz St. Gallen teilweise schwaches Personal hatten.

Mode Weber expandiert in der Stadt St. Gallen. Gehen der Onlinehandel und der Einkaufstourismus spurlos am Ostschweizer Modehaus vorbei?

Leider nein. Unsere Filiale in Widnau haben wir unlängst geschlossen. Das ist für mich persönlich ein Verlust. Ich bin dort aufgewachsen und war mit dieser Filiale sehr verbunden. Wir hatten in unserem Geschäft im Einkaufszentrum Rhydorf-Center aber Jahr für Jahr Umsatzeinbussen; wir waren gezwungen, zu handeln und uns im unteren Rheintal auf die Filiale im Einkaufszentrum Rheinpark in St. Margrethen zu konzentrieren.

Mode Weber hatte jahrelang auch eine sehr grosse Filiale in der neuen Shopping-Arena am westlichen Stadtrand. Weshalb nicht mehr?

Wir haben dort Fehler gemacht. Wir waren der Ansicht, unser Laden zwischen Ikea und H & M sei ideal für uns. Er war es aber nicht; die Zahlen sprachen eine deutliche Sprache. Darum brachen wir unsere Übung in der Shopping-Arena bald ab. Stattdessen expandierten wir in der St. Galler Altstadt und erneuerten unseren Hauptsitz an der St.-Leonhard-Strasse. Unsere Kundschaft ist hier.

Dann ist ja alles okay, dann braucht es das Projekt «Zukunft St. Galler Innenstadt» der Stadt und den Wirtschaftsverbänden gar nicht?

Doch, das ist eine gute Sache. Die Politik setzt die Rahmenbedingungen für den Detailhandel. Und damit meine ich nicht nur eine genügende Anzahl bezahlbarer Parkplätze und einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr. Es braucht Flaniermeilen; es braucht Museen mit spannenden Ausstellungen; es braucht Gartenwirtschaften. Das Einkaufsverhalten hat sich verändert. Heute wird von den Konsumenten vieles miteinander verbunden. Darauf müssen wir Detailhändler und sollte die Politik rasch reagieren.

Pro City möchte den Abendverkauf am Donnerstag um eine Stunde verkürzen und stattdessen am Samstag die Läden bis 18 Uhr offenhalten. Wie ist ihre Meinung in der Sache?

Ich wurde in der Branche schon angefeindet, weil ich mich gegen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten wehrte. Unser Personal ist schon jetzt arg unter Druck; wir müssen ihm Sorge tragen. Allerdings: Der Abendverkauf ist nicht mehr, was er war. Dafür müssen wir Kunden am Samstag um 17 Uhr aus dem Laden jagen. Das Begehren von Pro City ist darum richtig. Ein guter Tausch.

Die SP wollte Hauseigentümer, die ihre Läden leerlassen anstatt die Miete zu senken, mit einer Strafsteuer belegen. Das Stadtparlament ist nicht darauf eingegangen. Hätte das Parlament das besser tun sollen?

Nein, solche Lenkungsmassnahmen im Kampf gegen das Ladensterben sind ein schwieriges Unterfangen.

Ich denke, der Immobilienmarkt wird sich auch in der Altstadt von selber regulieren

Das wird nicht heute und morgen sein, aber die Mieten werden irgendwann sinken.

Wie stark ärgert Sie, dass die Parkiergebühren in der Innenstadt günstiger sind als am Stadtrand?

Das ist ungerecht. Am allermeisten wundert mich aber, dass die Schranken an den Parkplätzen der Einkaufszentren an der Peripherie regelmässig defekt sind. Oder besser gesagt: Defekt sein sollen.

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