Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die St.Galler Kultpunks Tüchel feiern sich selbst

Die St.Galler Punkband Tüchel ist längst eine Institution der Ostschweizer Musikszene. Morgen feiert sie am Kulturfestival ihren 25. Geburtstag. In dieser Zeit stand die Gruppe mehrmals vor einer unsicheren Zukunft.
David Gadze
Proben für die grosse Party: Bassist Roy Fankhauser und Sänger Matthias Howald in der Grabenhalle. (Bild: Benjamin Manser)

Proben für die grosse Party: Bassist Roy Fankhauser und Sänger Matthias Howald in der Grabenhalle. (Bild: Benjamin Manser)

Am Unteren Graben befindet sich derzeit der vermutlich grösste Proberaum der Stadt St.Gallen. Der Zuschauerbereich der Grabenhalle ist vollgestellt mit diversen Requisiten wie Verstärkern oder Leuchten. Und dort, wo sonst die Bühne steht, stehen Tüchel. Die St.Galler Urpunks bereiten sich hier mehrere Tage lang auf einen speziellen Auftritt vor: Am Freitag spielen sie am Kulturfestival ein Konzert zu ihrem 25-Jahr-Jubiläum. Dass sie dafür ihren Proberaum verlassen haben, um die leere Grabenhalle mit ihrer Musik zu tapezieren, hat einen simplen Grund: Für dieses Konzert hat die fünfköpfige Gruppe zusätzliches Personal rekrutiert – und braucht mehr Platz.

So leidenschaftlich wie eh und je

25 Jahre also. 25 Jahre, in denen Tüchel rund 200 Konzerte in der ganzen Schweiz gespielt haben, in denen sie mehrmals auf Tourneen nach Osteuropa aufgebrochen sind, in denen sie es auf die Hauptbühne des Open Airs St.Gallen geschafft haben, in denen sie aber auch immer wieder vor einer ungewissen Zukunft standen. Trotzdem sei dieses Jubiläum «eigentlich nichts Besonderes», sagt Bassist Roy Fankhauser, neben Peter Huesmann (Gitarre) das einzige verbliebene Originalmitglied. Diese Aussage mag durchaus zutreffen, wenn man sie darauf reduziert, dass sich Tüchel in all der Zeit treu geblieben sind und ihren schnörkellosen, explosiven Punkrock noch mit derselben Leidenschaft zelebrieren wie vor einem Vierteljahrhundert.

Und doch ist es keine Selbstverständlichkeit, dass es die Gruppe bis heute gibt. Etwas mehr als zehn Jahre ist es her, seit ihre Zukunft an einem seidenen Faden hing. Nach dem Ausstieg von Sascha Vujcin 2005 standen Tüchel ohne Schlagzeuger da – und verschwanden daraufhin fast drei Jahren in der Versenkung. Die Suche nach einem neuen Drummer entwickelte sich zu einer Odyssee, deren Ende nicht absehbar schien. Erst als vor sechs Jahren Marin Dora, die nie zuvor in einer Band spielte, zu Tüchel stiess, nahm die Gruppe wieder richtig Fahrt auf. Dora war damals 21 – gerade mal halb so alt wie einige der übrigen Mitglieder. Der Altersunterschied war aber nicht die grösste Herausforderung: «Ich war ein Metal-Schlagzeuger und musste den neuen Stil zunächst lernen.» Wer Tüchel seither live gesehen hat, weiss, dass sie zu einer Einheit zusammengewachsen sind.

Zwei Tage pro Woche sind für Tüchel reserviert

Doch selbst in jener Zeit voller Ungewissheiten trafen sich die vier verbliebenen Bandmitglieder zweimal pro Woche im Proberaum. «Montags, um zu proben, und freitags, um zu trinken», wie sie erzählen. Ein Rhythmus, der sich für den einen oder anderen Bewerber um den Job an den Trommelfellen als zu schnell erwies. Doch diese zwei Termine sind der Band bis heute heilig. «Grundsätzlich sind die beiden Abende für Tüchel reserviert. Mit der Freundin muss man halt an einem anderen Tag ausgehen», sagt Sänger Matthias «Doppelmeter» Howald. Es ist auch einer der Gründe, dass die Gruppe bis heute überlebt hat. Das Festhalten an der Band, die improvisierten Proben zu viert, all das hat dazu beigetragen, die Bande über all die Jahre und selbst in schwierigen Zeiten zu stärken. Oder wie Gitarrist Michael Wagner sagt:

«Einige von uns haben in dieser Zeit Beziehungen beendet, aber Tüchel gibt es immer noch.»

Dennoch ist vieles anders als 1993, als sich Tüchel aus den Überresten der beiden Gruppen Koradz und X-cess gründeten. Die Bandmitglieder haben Jobs, einige haben Familien gegründet, Dora hat ein Studium in Zürich begonnen.

Zuletzt sind Tüchel wieder von der Bildfläche verschwunden. Seit mehr als eineinhalb Jahren waren sie nicht mehr live zu sehen. Der Grund ist diesmal ein erfreulicher: Die Band hat sich ins Studio zurückgezogen, um eine neue Platte aufzunehmen – nach der EP «Mala Vida» (2012) und der Single «Better Day» (2014) ist es der erste «richtige» Longplayer seit «Drive» (2002). Das neue Werk soll diesen Herbst erscheinen. Vier der zehn Songs werden Tüchel morgen spielen. Und wie es sich für eine Feier gehört, haben sie Gäste eingeladen: Als Vorgruppen treten Catalyst und die Delilahs auf, zu denen Tüchel seit Jahren eine Freundschaft pflegen. Und es soll noch ein paar Überraschungen geben – sowie «eines der längsten Konzerte der Bandgeschichte».

25 Jahre Tüchel: Freitag, 20.00, Kulturfestival, Innenhof Historisches und Völkerkundemuseum. Support: Delilahs und Catalyst

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.