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Die kühlen Temperaturen reduzieren das Feuerbrand-Risiko - die Obstbauern der Region treffen trotzdem Vorkehrungen

Der Feuerbrand beschäftigt die Obstbauern der Region. Denn während der Blütezeit
ist das Infektionsrisiko am grössten. Die aktuellen Temperaturen könnten den Schaden dieses Jahr eindämmen.
Perrine Woodtli
Ein vom Feuerbrand befallener Birnenbaum. Das Krankheitsbild äussert sich unter anderem dadurch, dass Blätter und Blüten sich braun oder schwarz verfärben. Die Pflanze sieht wie verbrannt aus – daher auch der Name. (Bild: Nana do Carmo (17. August 2012))

Ein vom Feuerbrand befallener Birnenbaum. Das Krankheitsbild äussert sich unter anderem dadurch, dass Blätter und Blüten sich braun oder schwarz verfärben. Die Pflanze sieht wie verbrannt aus – daher auch der Name. (Bild: Nana do Carmo (17. August 2012))

Wo man derzeit auch hinschaut: Es blüht. Die Birnenbäume sind am Abblühen oder schon abgeblüht. Die Apfelbäume sind je nach Lage ebenfalls am Abblühen oder in der Blüte. Und die Quittenbäume sind erst am Aufblühen. Doch die Blütezeit ist auch die Saison des Feuerbrands. Der Feuerbrand ist eine durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Pflanzenkrankheit. Sie befällt vor allem Kernobstgewächse und kann sich seuchenartig schnell ausbreiten. Die gefährlichste Infektionszeit ist die Blütezeit, wenn warmfeuchte Wetterlage herrscht.

Ein gefragter Mann in diesen Tagen ist Richard Hollenstein von der Fachstelle Obstbau des landwirtschaftlichen Zentrums St.Gallen. Er berät die Obstproduzenten in der Region in Sachen Feuerbrand. Sein Handy klingelt derzeit regelmässig. «Wenn ein Landwirt eine Frage hat, kann er mich jederzeit anrufen, auch wenn ich freihabe. Dazu bin ich da», sagt Hollenstein.

Hunderte Blütenproben genommen

Jedes Jahr bereiten sich die Obstproduzenten und die Fachstellen in mehreren Schritten auf den Feuerbrand vor. Die Bauern verfügen zum einen über bewilligte Mittel, um das Bakterium zu bekämpfen. Dabei handle es sich etwa um Hefepräparate, sagt Hollenstein. «Früher verwendete man Antibiotika. Das gehört aber der Vergangenheit an.» Auf der Website der Forschungsanstalt Agroscope können sich Landwirte zudem über das Blüteninfektionsrisiko ihrer Region informieren. Im Kanton St.Gallen messen und berechnen acht Wetterstationen das Risiko anhand der vier Feuerbrand-Kriterien.

Massgebend sind eine geöffnete und intakte Blüte, 110 Stundengrade über 18,3 Grad, eine Tagesdurchschnittstemperatur über 15,6 Grad und Nässe, wobei schon Tau reicht. Sind all diese Kriterien erfüllt, ist das Infektionsrisiko gross. Die Werte werden täglich aktualisiert. «Die Bauern können so jederzeit nachschauen, wie sich die Lage entwickelt.»
Sobald die Blüte einsetzt, nimmt das landwirtschaftliche Zentrum zudem Blütenproben, um eine Aussage darüber treffen zu können, wie aktiv der Erreger ist. «Wir haben in den letzten Wochen auf elf Landwirtschaftsbetrieben jeden zweiten Tag Proben genommen», sagt Hollenstein. «Danach analysierten wir die Bakterienanzahl pro Blüte.»

Aus den Blütenproben kann zwar die Gefährdung abgeleitet werden. Es ist aber nicht möglich, zu sagen, ob es im Endeffekt Infektionen gibt. Hollenstein vergleicht den Feuerbrand mit einem Grippevirus. Wenn sich jemand anstecke, dauere es meistens ein paar Tage, bis derjenige krank werde. «Diese Inkubationszeit gibt es auch beim Feuerbrand. Es kann sein, dass ein Baum befallen ist, dies aber je nach Witterung erst in zwei Wochen sichtbar wird.» Deshalb sei es noch zu früh, um schon sagen zu können, ob es dieses Jahr Befälle gibt oder nicht.

Muoler Bauer hält anfällige Bäume auf Abstand

In den vergangenen Jahren hatten die meisten Obstbauern in der Region Glück. Die letzten Frühlinge waren jeweils eher kühl, was dazu führte, dass nicht viele Kulturen befallen wurden. Dieser Frühling war hingegen zunächst warm. Mit den sommerlichen Temperaturen habe sich die Lage zugespitzt, sagt Hollenstein. Seitdem das Wetter aber umgeschlagen habe und es sehr kühl geworden sei, sei «tote Hose».

«Die Bakterien konnten sich nicht weiterentwickeln und das bleibt vermutlich vorerst auch so.»

Er könne aber keine zuverlässigen Prognosen nennen, sagt Hollenstein. «Das wäre Kaffeesatzlesen.» Nach seiner Einschätzung geht er zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass der Feuerbrand dieses Jahr zu einem grösseren Problem wird.

Auch Landwirt Markus Müller hofft das. Der Präsident des St. Galler Obstverbands bewirtschaftet in Muolen 500 Hochstammobstbäume – und trifft ebenfalls Vorkehrungen. Seit 2007 der Feuerbrand grossflächig in der Schweiz wütete und zahlreiche Bäume gefällt werden mussten, setzt Müller unter anderem auf robuste Sorten. «Ich achte zudem darauf, dass das Umfeld der Bäume sauber ist. Das heisst, dass innerhalb eines Schutzradius keine anfälligen Bäume wie etwa Quittenbäume stehen.»

Mittel, um den Feuerbrand zu bekämpfen, setzt er wie alle Hochstammbauern keine ein. «Das geht nicht, weil wir die Wiese unterhalb der Bäume nutzen.» Seit dem Katastrophenjahr 2007 hatte Müller kaum noch Probleme mit dem Feuerbrand. Dass die seit einigen Tagen kühlen Temperaturen die Situation entschärft haben, sei gut. «Zu kalt darf es aber auch nicht wieder werden, wegen des Frosts.»

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