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In Häggenschwil lernen Männer gemeinsam kochen

An vier Abenden im März trifft sich in Häggenschwil eine Gruppe Männer, um Kochen zu lernen. Dabei lernen sie nicht nur einfache Menus zuzubereiten, sondern auch wie sie Foodwaste verhindern können.
Nina Rudnicki
Konzentriertes Schnibbeln und Braten in der Häggenschwiler Schulküche. (Bild: Urs Bucher (13. März 2019))

Konzentriertes Schnibbeln und Braten in der Häggenschwiler Schulküche. (Bild: Urs Bucher (13. März 2019))

In schweren Töpfen auf dem Herd brutzeln die Fleischvögel. «Die Hitze muss volle Power aufgedreht sein», rät Judith Fuchs den elf Männern in der Schulküche in Häggenschwil. Dort gibt sie einen Kochkurs ausschliesslich für Männer. An vier Abenden im März bringt sie der Gruppe die Grundlagen des Kochens bei. Die Stimmung ist ausgelassen, es fallen Sprüche und Witze. Dennoch schnippeln und braten die Männer konzentriert.

«Wenn es zischt, dann ist es tipptopp», sagt Judith Fuchs, während sie einem älteren Herrn über die Schulter schaut. «Welches Öl soll ich zum Anbraten verwenden?», fragt sie ein anderer Mann. Ein weiterer Teilnehmer möchte wissen, wann er die Bouillon zum Risotto dazugeben soll. Zum Verschnaufen kommt Judith Fuchs kaum. Im Minutentakt wechselt sie zwischen den vier Küchenzeilen hin und her.

Resteverwertung gehört dazu

Den ersten Kochkurs für Männer hat Fuchs vor rund fünf Jahren gegeben. Sie wurde damals von der IG Landwirtschaft angefragt, ob sie in Zuckenriet Männern das Kochen beibringen würde. Danach folgte Waldkirch mit einer Anfrage und nun Häggenschwil. «Es macht einfach richtig Spass, mit Männern zu kochen», sagt die gelernte Hauswirtschaftslehrerin und Bäuerin.

Ziele ihres Kurses sind es, eine einfache Menuplanung zu machen und Kochvorgänge wie etwa Dämpfen, Sieden und Braten kennen zu lernen. «Am meisten an diesem Kochkurs fasziniert mich, wie die Männer arbeiten», sagt sie. Es werde gefragt, begründet, zielorientiert gearbeitet, sorgfältig gestaltet und Erfahrungen ausgetauscht. Wichtig ist Judith Fuchs auch, dass die Männer in ihrem Kurs lernen, Lebensmittel wertzuschätzen und nicht zu verschwenden. Daher gibt sie immer Tipps zur Resteverwertung. Ausserdem thematisiert sie ökologische Aspekte, etwa wie Energie gespart und Abfall vermieden werden kann. Eingekauft wird im Häggenschwiler Dorfladen. Die Zutaten sind hauptsächlich regional und saisonal.

Jung und Alt, Anfänger und Fortgeschrittene

Einige der Kursteilnehmer sind pensioniert, anderen steht die Pension kurz bevor und wieder andere stehen mitten im Berufsleben. An einer der Küchenzeilen kocht auch Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring mit. Er ist für das Dessert eingeteilt und schält Orangen für das Tiramisu. Einen Kochkurs für Männer anzubieten, sei eine Idee der Arbeitsgruppe «Werteorientierte Gemeinde gewesen», sagt Eisenring. «Wir wollten einfach ausprobieren, ob das ankommt. Der Kurs war dann rasch ausgebucht.» Angemeldet haben sich sechs Männer aus Häggenschwil und fünf Männer aus umliegenden Gemeinden. 30 Franken bezahlen sie pro Abend. Dafür bekommen sie an diesem Abend eine selbstzubereitete Rüebli-Ingwer-Suppe, Risotto, Nüdeli und Fleischvögel sowie ein Orangen-Tiramisu.

«Ich bin ein Hobbykoch. Vor sieben Jahren habe ich mit dem Kochen angefangen», sagt ein älterer Herr. Er möchte durch den Kochkurs auf neue Ideen kommen und gesellige Abende verbringen. Ein Freund fügt an:

«Wir stellen uns vielleicht etwas kompliziert an, aber ich finde das eine super Sache. Endlich sehe ich einmal hinter die Arbeit meiner Frau.»

Von der Kochinsel gegenüber sagt ein Kursteilnehmer scherzend: «Bis jetzt habe ich vor allem Wasser in der Mikrowelle warm gemacht.» Das Niveau der Kursteilnehmer ist unterschiedlich. Während der eine kaum kochen kann, gibt sich der Fortgeschrittene mit seinen Fragen zu erkennen. «Spielt es eine Rolle, ob man den Risotto mit Weisswein ablöscht oder den Wein erst später dazu gibt?», will er etwa wissen. Oder: «Kann man Fleischvögel auch in Chromstahlpfannen anbraten?»

Am Ende des Abends werden die Menus serviert. Pannen hat es keine gegeben. Lediglich den Zeitplan hat die Gruppe nicht ganz einhalten können. 15 Minuten länger dauert es, bis das Essen auf dem Tisch steht. Die Männer haben Wein mitgebracht und spontan beginnen sie nach dem Essen, gemeinsam zu singen. Judith Fuchs sagt: «Das ist für mich einzigartig, wenn in einer Gruppe eine solche Stimmung entsteht.»

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