Interview
Kanton reagiert auf die Kritik des Gossauer Stadtrats an der Deponieplanung: «Wir können nicht immer auf die Bedürfnisse der Gemeinden eingehen»

Im Westen Gossaus sind drei Deponien geplant. Zu viele, findet der Stadtrat. Nun nimmt der Kanton Stellung zur Kritik an seinen Deponieplänen.

Michel Burtscher
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Die Deponie Tüfentobel ist bald voll - darum müssen Alternativen her.

Die Deponie Tüfentobel ist bald voll - darum müssen Alternativen her.

Bild: Ralph Ribi

Der Gossauer Stadtrat ist nicht zufrieden mit den Deponieplänen des Kantons St.Gallen. Gleich vier Deponien sind in Gossau geplant, drei davon im Westen der Stadt. So sieht es der kantonale Richtplan vor. Deponien ja, aber bitte nicht so viele am gleichen Ort, findet der Stadtrat. Er beurteilt die «Konzentration solcher Projekte im Westen von Gossau sehr kritisch» und argumentiert vor allem mit dem Mehrverkehr durch die Lastwagen, die dort den Aushub abladen würden. Seine Skepsis gegenüber den Deponieplänen hat der Stadtrat kürzlich in einer Medienmitteilung kundgetan (Ausgabe vom 30. März). Nun nimmt Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton St.Gallen, Stellung zur Kritik.

Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton St.Gallen.

Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton St.Gallen.

Bild: PD

Der Gossauer Stadtrat findet, drei Deponien im Westen der Stadt seien zu viele. Haben Sie Verständnis dafür?

Tensing Gammeter: Die Kritik der Stadt überrascht uns nicht. Es ist meistens so, dass Gemeinden keine Freude haben, wenn Deponien auf ihrem Gebiet geplant sind. Wir versuchen, ihre Rückmeldungen, so gut es geht, zu berücksichtigen. Doch es gibt einen Interessenkonflikt. Denn wir haben den Auftrag, genug Deponieraum zur Verfügung zu stellen. Darum können wir nicht immer auf die Bedürfnisse der Gemeinden eingehen.

Wieso braucht es überhaupt neue Deponien?

Das ist eine Folge der regen Bautätigkeit. Es wird im Kanton viel und insbesondere in die Tiefe gebaut. Irgendwo muss der Aushub, der dabei entsteht, abgeladen werden können. Hinzu kommt, dass die Deponie Tüfentobel in Gaiserwald beinahe gefüllt ist und wir auf das Nachfolgeprojekt im Steinachtobel verzichten mussten. Wichtig ist mir zu betonen: Es geht nicht darum, Deponien zu machen, damit man Deponien hat – wir haben momentan ein echtes Problem bei der Aushubentsorgung.

Aber wieso müssen es denn gleich drei Deponien im gleichen Gebiet sein?

Die Lage im Westen der Stadt Gossau ist gut. Die geplanten Standorte sind mit vergleichsweise wenig Konflikten behaftet und können einfach erschlossen werden, da sie in der Nähe eines Autobahnanschlusses liegen.

Trotzdem: Es wird Mehr­verkehr geben. Dabei ist der Eichenkreisel schon heute an der Kapazitätsgrenze. Nehmen Sie darauf keine Rücksicht?

Natürlich sind der Verkehr und die damit verursachten Emissionen ein Thema. Schlussendlich muss ein Projekt die gesetzlichen Vorgaben einhalten, um bewilligt werden zu können. Im konkreten Fall wurden die Verkehrsflüsse betrachtet und es zeigte sich, dass der Eichenkreisel vor allem zu bestimmten Zeiten am Morgen und Abend überlastet ist. Für neue Deponien muss daher mit Einschränkungen gerechnet werden, welche in der weiteren Planung berücksichtigt werden müssen.

Was bedeutet das konkret?

Es könnte Einschränkungen geben bei der Zahl der Lastwagenfahrten oder den Betriebszeiten, damit keine zusätzlichen Lastwagen fahren, wenn es schon viel Verkehr hat.

Wie ist der Stand bei den Projekten in Gossau?

Am weitesten fortgeschritten sind die Projekte Nutzenbuech und Radmoos. Dort ist die Vorprüfung abgeschlossen. Die Gesuchsteller müssen die Projekte nun überarbeiten und dann nochmals einreichen.

Wird denn jede Deponie, die im kantonalen Richtplan eingetragen ist, auch tatsächlich realisiert?

Nein. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass bei Deponieprojekten mit Schwierigkeiten im Planungsverfahren gerechnet werden muss. Es kann Einsprachen geben oder technische Schwierigkeiten. Nicht jedes Projekt kann auch tatsächlich umgesetzt werden. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass mehrere Optionen parallel verfolgt werden.