Reportage

«Die kranken Teile werden entfernt»: In der St.Galler Frauenbadi herrscht auch im Herbst Hochbetrieb

Die Beton- und Stahlträger der Frauenbadi sind marode. Für die Sanierung musste der Chrüzweier geleert werden.

Sandro Büchler
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Das Wasser des Chrüzweiers ist bis auf den Grund abgelassen worden. (Bild: Benjamin Manser)
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Auf dem Grund des Chrüzweiers fanden die Arbeiter allerhand, wie zum Beispiel einen Badmintonschläger. (Bild: Benjamin Manser)
Am Grund türmte sich der Schlamm massenhaft. (Bild: Benjamin Manser)
Die Betonpfeiler müssen saniert werden. (Bild: Benjamin Manser)
Der Holzsteg in der Badhütte wurde für die Renovation vollständig entfernt. (Bild: Benjamin Manser)
Im Mai sollen am Kassenhäuschen wieder Badegäste empfangen werden können. (Bild: Benjamin Manser)
Viel Material wird gebraucht. (Bild: Benjamin Manser)
Der Kern der Betonpfeiler ist intakt, doch der Beton rundherum muss erneuert werden. (Bild: Benjamin Manser)
Bei der Arbeit. (Bild: Benjamin Manser)
Ein Arbeiter bohrt Löcher in die Betonpfeiler. Da hinein kommen später Armierungseisen. (Bild: Benjamin Manser)
Die Arbeiter befestigen Planen am Holzgebäude. In den Wintermonaten wird das Innere dieses Zelts minimal beheizt, damit der Spritzbeton aushärten kann. (Bild: Benjamin Manser)
Wo normalerweise das Wasser steht, finden Arbeiten an den Stützpfeilern statt. (Bild: Benjamin Manser)
Nicht nur die Betonpfeiler werden saniert. Das ganze Stahlgerüst, das auf den Pfeilern liegt, musst komplett erneuert werden. (Bild: Benjamin Manser)
Die Badhütte scheint zu schweben. Es steht aber auf einer Stützkonstruktion. (Bild: Benjamin Manser)
Blick aus der Ferne. (Bild: Benjamin Manser)
Ein Fundstück auf dem Weiergrund. (Bild: Benjamin Manser)
Die Arbeiten an der Badhütte haben im September begonnen. (Bild: Benjamin Manser)
Auch ein Kran kommt zum Einsatz. (Bild: Benjamin Manser)
Es ist lärmig auf der Baustelle. Überall wird gebohrt, gesägt und gehämmert. (Bild: Benjamin Manser)
Stilleben. (Bild: Benjamin Manser)
Im Uferbereich entfernen Arbeiter der Stadt Schwemmholz. (Bild: Benjamin Manser)
Ein Bild von Anfang Oktober, als die Bauarbeiten anfingen. (Bild: Sandro Büchler)
Die Fische wurden Anfang Oktober mit Netzen aus dem Wasser gezogen und umgesiedelt. (Bild: Sandro Büchler)
Die Badhütte wurde 1896 gebaut. (Bild: Sandro Büchler)
Beim Ausfischen wurden die Fische einzeln aus dem Morast gezogen. (Bild: Sandro Büchler)
Bis im Mai soll der Pegel wieder angestiegen sein. (Bild: Sandro Büchler)
Bereits Mitte Dezember wird die Schleuse (im Bild rechts neben der Badhütte) wieder geschlossen, so dass sich der Chrüzweier wieder mit Wasser füllt. (Bild: Sandro Büchler)

Das Wasser des Chrüzweiers ist bis auf den Grund abgelassen worden. (Bild: Benjamin Manser)

In der Frauenbadi versteht man das eigene Wort nicht. Da wird gebohrt, gesägt und gehämmert. Eine Maschine dröhnt. Es ist kalt und feucht. Doch Sören Berthold sagt:

«Der Bau ist ein Traum und eine Herausforderung.»

Er ist Polier bei der Cellere Bau AG und bezeichnet sich selbst als «Instandsetzer» der Frauenbadi. Er und seine Kollegen setzen die Betonpfeiler und die Stahlträgerkonstruktion in Stand, auf der die hölzerne Badehütte seit 1896 steht.

Vor zwei Jahren stiess das Hochbauamt bei einer der regelmässigen Kontrollen auf den maroden Unterbau der historischen Frauenbadhütte. «Die über 120-jährigen Stahlträger haben überall Schäden», sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Auch die Betonfundamente im Wasser begannen zu schwächeln, so der Befund. Die Metallkonstruktion wird nun ersetzt, die Betonpfeiler werden «ertüchtigt».

Ein neuer Mantel für die Tragpfeiler

Dabei wird der bröcklig gewordene Beton mit einem Höchstdruckreiniger regelrecht weggeblasen. «Wir arbeiten mit rund 2000 bar», sagt Berthold. Ein handelsüblicher Hochdruckreiniger versprüht das Wasser gerade einmal mit etwa 200 bar.

Bei Bohrungen fanden die Bauarbeiter heraus, dass der Kern der Betonpfeiler intakt ist. So wird nun also der beschädigte Beton der Pfeiler abgetragen und mit Spritzbeton rundherum wieder aufgebaut. Rechsteiner sagt:

«Die sozusagen kranken Teile werden entfernt und der gesunde Kern bekommt einen neuen Mantel.»

Ein Arbeiter bohrt Löcher in die bereits behandelten Tragpfeiler. Da hinein kommen später Armierungseisen, die den alten und neuen Beton zusammenhalten.

Dabei machen die sinkenden Temperaturen den Arbeiten einen Strich durch die Rechnung. «Denn der Abbindeprozess beim Spritzmörtel kommt unter fünf Grad zum Erliegen», erklärt Polier Berthold. Will heissen, der Beton trocknet nicht, wird nicht hart. Um dies zu verhindern, befestigen die Arbeiter Planen rund um das Holzgebäude.

So wie das Künstlerduo Jeanne-Claude und Christo weltweit Häuser einpackt, verhüllen die Arbeiter nun die Frauenbadi. Was bei den einen als Kunstwerk gilt, ist in St.Gallen Mittel zum Zweck. So wird das Innere des Zelts im Winter mit einer Dieselheizung minimal notwendig gewärmt, damit die Arbeiten voranschreiten können.

Der Untergrund bot noch mehr Überraschungen

Doch um überhaupt an die Stützkonstruktion unter dem Gebäude zu gelangen, musste das Wasser des Weihers Ende September bis auf den Grund abgelassen werden. Im leeren Gewässer trafen die Arbeiter auf Schlamm, viel Schlamm. «Wir hatten mit 100 Kubikmetern gerechnet», sagt Berthold. Doch es war mehr als das Vierfache. An der Südseite des Badehauses sei die Schlammschicht über zwei Meter dick gewesen.

Der Chrüzweier ist fast komplett leer. Die Badhütte der Frauenbadi steht meterhoch in der Luft und gleicht einem Pfahlbauerdorf. (Bilder: Benjamin Manser)

Der Chrüzweier ist fast komplett leer. Die Badhütte der Frauenbadi steht meterhoch in der Luft und gleicht einem Pfahlbauerdorf. (Bilder: Benjamin Manser)

Erst habe man den Schlamm absaugen wollen. Doch im Morast war viel Geröll enthalten. Aus dem Schlamm wurden auch Velos, Handys, Badehosen, Portemonnaies, Sonnenschirme, Badmintonschläger und Schlüssel aus verschiedenen Jahrzehnten gezogen.

Mit einem kleinen Bagger wurde dann Schicht um Schicht abgetragen. «Das war mühsam», sagt Berthold. Dabei sei viel Zeit verlorengegangen. Wichtige Zeit, denn bis zum Beginn der Badesaison im Mai muss die 1,77 Millionen Franken teure Sanierung abgeschlossen sein.

120'000 Franken steuert dabei die kantonale Denkmalpflege bei. 1,65 Millionen Franken wirft die Stadt St.Gallen auf. Zurück zum Zeitplan: «Der ist sportlich», sagt auch Stadtbaumeister Rechsteiner. Bereits Mitte Dezember werde die Schleuse wieder geschlossen, sodass sich der Chrüzweier langsam wieder mit Regenwasser füllt. In den kommenden Tagen und Wochen herrscht also weiter Hochbetrieb in der Frauenbadi, bevor im Frühling die Badegäste wieder für Betrieb sorgen.

Die «Frauenbadi» im Familienbad auf Dreilinden hat eine lange Geschichte

Sie wurde im Jahr 1896 als Mädchenbadeanstalt am östlichen Ende des Kreuzweihers erstellt. 1921 wurde sie umgebaut und erweitert. Am 7. Mai 1943 beschloss der Grosse Gemeinderat die «temporäre Benützung des Frauenweihers als Familienbad». Im selben Jahrzehnt wurde das Bad ausgebaut und eine Frischwasserzufuhr erstellt. Im Jahre 1954 liess die Bauverwaltung das Bad umgestalten und seit 1956 ist es eine Badeanstalt für beide Geschlechter mit separatem Frauenbereich im historischen Badehaus. Die Badeanstalt wurde Ende der 1980-er Jahre letztmalig umfassend saniert. Die Frauenbadi ist im Inventar der schützenswerten Bauten und Anlagen klassiert und als Monument von kantonaler Bedeutung eingestuft. Entsprechend werden die Sanierungsmassnahmen durch die Denkmalpflege begleitet. (red.)