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Mit besorgtem Blick auf die Heimat: Italiener feiern in St.Gallen ihren Nationalfeiertag

Während in Rom die neue Regierung vereidigt wurde, haben Italienerinnen und Italiener in St. Gallen ihren Nationalfeiertag begangen. Die Voraussetzungen für das Fest waren aber nicht nur deshalb besonders.
Luca Ghiselli
Italienerinnen und Italiener feiern in St. Gallen bei Pizza und Wein ihren Nationalfeiertag. (Bild: Urs Bucher)

Italienerinnen und Italiener feiern in St. Gallen bei Pizza und Wein ihren Nationalfeiertag. (Bild: Urs Bucher)

Der Chor Santa Cecilia stimmt «Amici Miei» an, während sich der Saal mit Würdenträgern und Gästen füllt. «Setz dich nicht in die erste Reihe, da sind die wichtigen Leute», sagt eine Mutter zu ihrem kleinen Sohn. «Aber wir sind doch wichtig.» Die wichtigen Leute, das sind an diesem Abend Generalkonsul Marco Nobili, Senatorin Laura Garavini, der Abgeordnete Gianni Farina und der Innerrhoder alt Ständerat und alt Landammann Carlo Schmid.

Sie haben sich, wie über 100 andere Italienerinnen und Italiener in der Casa Sant’Antonio an der Heimatstrasse im Heiligkreuz-Quartier eingefunden, um den italienischen Nationalfeiertag – die Festa della Repubblica – zu begehen. In Rom wird zur gleichen Zeit nach wochenlangem Hin und Her die neue Regierung von Premierminister Giuseppe Conte vereidigt – es ist die 65. Exekutive in den 72 Jahren, seit Italien eine Republik ist. «Ich finde weder die Lega Nord noch den Movimento 5 Stelle gut. Aber es ist richtig und wichtig, dass sie jetzt eine Regierung gebildet haben», sagt eine ältere Frau in der hinteren Reihe.

Ein Fest der Einheit in Zeiten des Zwiespalts

Früher, vor der Schliessung des italienischen Konsulats im Sommer 2014, organisierte die offizielle Seite das Fest. Seither springt das Comites San Gallo, die lokale Vereinigung der Italiener im Ausland, in die Bresche. Der Vorstand der Organisation wird von Italienern in der Ostschweiz gewählt – das Mandat ist ehrenamtlich. «Wir haben versucht, was wir konnten, um das Konsulat in St. Gallen zu halten. Aber jetzt haben wir uns arrangiert und machen das Beste aus der Situation», sagt Sergio Giacinti.

Der gebürtiger Römer präsidiert den St. Galler Comites seit mehr als zehn Jahren und kennt hier fast jeden. Die Festa della Repubblica sei ein besonderer Feiertag, ein Fest für alle Italienerinnen und Italiener. Besonders in Zeiten, in denen ideologische und ökonomische Gräben in der Heimat sich immer weiter auftun, ist das gemeinsame Feiern der Republik auch ein Zeichen der Einheit.

Fast wäre es gar nie zu einer italienischen Republik gekommen. Am 2. Juni 1946 hatten die Italienerinnen und Italiener beim Urnengang die Wahl zwischen der Monarchie und der Republik – sie entschieden sich mit 12 zu 10 Millionen Stimmen für die Republik. «Es ist nicht selbstverständlich, eine demokratische Republik zu haben», sagt Comites-Vorstandsmitglied Gianluca Palmisano in seiner Rede. «Und die Republik ist in Gefahr.» Man solle ihr also Sorge tragen, seine Stimme erheben und die Einigkeit in der Vielfalt schätzen.

In die gleiche Kerbe haut auch Laura Garavini. Seit 2008 sass sie für die Italienerinnen und Italiener im Ausland in der Abgeordnetenkammer, im März wurde sie mit dem besten Resultat aller Kandidaten in den Senat gewählt. «Die Festa della Repubblica war noch nie so wichtig wie heute», sagte sie. Und der Abgeordnete Gianni Farina erinnerte mit bewegenden Worten an seinen Onkel Rino, der während des faschistischen Regimes aus Italien nach St. Gallen flüchtete.

«Kaum Geld, um sich ein Brötchen zu kaufen»

Auch abseits des Nationalfeiertags geht dem St. Galler «Comites» die Arbeit nicht aus. Denn in jüngster Zeit nimmt die Migration aus Italien in die Schweiz wieder zu. «Es ist eine ganz andere Ausgangslage als damals in den 1970er-Jahren», sagt Sergio Giacinti. Er ist vor 46 Jahren in die Ostschweiz gekommen. «Wir hatten eine Arbeit und ein Dach über dem Kopf. Die Jungen, die jetzt kommen, haben oft nicht einmal Geld, um sich ein Panino leisten zu können», sagt er.

Hier bietet der «Comites» Unterstützung: Mit Info-Broschüren über Region und Verwaltung sowie mit Sprachkursen. «Deutsch zu lernen ist der Schlüssel für alles andere», sagt Giacinti. Die italienische Gemeinschaft in St. Gallen sei stark, an Nachwuchs fehle es auch in den Institutionen und Vereinen nicht. «Dass viele trotzdem aufgelöst werden, hat damit zu tun, dass es zeitweise einfach ein Überangebot gab.» Jeder habe auf eigene Rechnung einen Verein gegründet, statt Synergien zu suchen. «Im Nachhinein war das vermutlich ein Fehler.»

Mit Liebe und Lebensgefühl die Schweiz bereichert

Den grössten Applaus des Abends erhält Carlo Schmid. Auf Deutsch spricht der alt Ständerat mit italienischen Wurzeln über die Kultur, das Lebensgefühl und die Liebe, mit der italienische Einwanderer die Schweiz bereichert hätten. Seine Ansprache beendet er mit «Viva l’Italia, viva la Repubblica, viva la Svizzera». Der Chor singt «Figli del Sud». Und Generalkonsul Marco Nobili, ein Norditaliener, sagt: «Wir sind alle Kinder des Südens.» Von St. Gallen aus gesehen stimmt das – die Perspektive vereint.

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